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Der Orient · 1845-11-12 · Heft 46 (12.11.1845) · p. Seite 362

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 46 (12.11.1845)
Date
1845-11-12
Page
Seite 362 (sequence 3)
Language
German
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362 Zufälligerweise wurde diesmal Herr C. Hey mann, ein wahrer Eisenfresser im Kampfe gegen das Hergebrachte, als Wähler aus dem Loostopfe gezogen, und dieser drang mit seiner Meinung durch, daß man sich nochmals an den Minister wende. Es fcimt der Aufschub mehre Wochen dauern, während welcher Zeit unsere Parnasim in cinenr Zustande von pn 'UZschweben.— Hier erscheint seit mehreren Monaten eine proselytenmachcnde Zeitschrift unter dem Namen „Blätter für Israels Gegenwart und Zukunft" herausgegeben von dem hiesigen Missionär Bellsohn, die manche bittere Wahrheit über jüdische Zustände in Synagoge, Leben und Schule spricht. Der Hauptmitarbeiter oder faktische Herausgeber, soll ein Dr. Lössel sein, früher Missionär in Nordafrika und jetzt Missions-Compagnon bei der Niederlage zu Berlin. Geschick und Gelehrsamkeit ist der Redaktion nicht abzusprechen, und vom Standpunkte des Christenthums auS darf man auch die Tendenz nicht verurtheilen. In einem cigenthmnlichen Verhältnisse steht diese Zeitschrift zu ihrer englischen altern Schwester, der inlelligence, sie übersetzen sich gegenseitig. Wir haben uns hierbei an die Sitte des „Schlachmunos schicken" (NUO nbß?D) erinnert, wo zwei Süßigkeiten zwischen A, B, C re. recht gut eirkuliren können. — Als Neuigkeit in der werdenden Literatur kann ich Ihnen melden, daß der sich hier auffallende gelehrte S. Mecklenburg, den Lesern Ihres Blattes rühmlich bekannt, dasn^pn 'd mit vielem gelehrten Apparat hcrausgiebt. Er soll mehrere Handschriften dabei benutzen und den Fleiß vieljähriger Forschungen daran wenden. Es wird gewiß etwas Gutes und Nützliches werden. Gegen die. Reformer wird hoffentlich auch unser berühmter Mitbürger Borchhard anstreten. Einst hat er vorgeschlagen, die Cholera durch Kanonenschüsse zu vertreiben, wenn er die Anwendung dieses Mittels gegen die Reformer durchsetzte, würde es wahrscheinlich wirksam sein. Frankfurt a. M., 28. Oktbr. (Nachträgliches.) Außer den bereits gerügten besinden sich noch in der Protestation des Hrn. Isaak Trier (Nr. 43 des „Orient") folgende sinnentstellende Druckfehler: S.338, Sp. 2, Z. 14 v. u. statt: „mich doch", lies „doch mich". S. 339, Sp. 1, Z. 1 u. 2 sind die Anführungszeichen (,,) zu streichen. Z. 4 st. „christelndcn" l. „christelnd-". Z. 5 st. „haben" l. „habe". Z. -15 st. „mich" l. „doch". Sodann ist der Satz Z. 17 -22 folgendermaaßen zu berichtigen: „Ein Theil der Mitglieder und alle Theilnehmer an der Verwaltung — schwerlich jedoch waren letztere alle unterzeichnet, und wenn auch, so hat ihre Unterschrift in Sachen des Gewissens und der Uebcrzcugung höchstens für Sie Geltung — sind nicht die Gemeinde, und ich ersuche Sie" re. Brenrnschweig, 29. Oktbr. (Eingesandt.) Wer hätte genlaubt, daß die dialoglii ck'rr.moi'6 des Messer Leon einen eifrigen Leser finden würden, der, Plato und die Bibel zu Hilfe rufend, schonungslos das geistliche Oberhaupt einer Gemeinde und eine Dame blosstellt. Sonst ließ man die Damen, nach den strengen Vorschriften unserer Rabbinen, ruhig in ihrem häuslichen Wirkungskreise. Seitdem George Sand unter den Franzosen und Hr. Dr. Holdheim unter den Deutschen für die Emaneipation der Frauen da§ Wort und die Schrift ergriffen, scheint die jüdische Presse jenen Humanitären Bestrebungen sich anschließen zu wollen, und Braunschweig sollte den Neigen eröffnen. Mir fällt der Name „Orient" in die Anger: und ich erinnere mich der orientalischen Sitten und Gebrauche. Sind wir mit dem oceidentälischen Geiste des „Orients" zufrieden, so hätten wir Ihrem Braunschweiger Korrespondenten in Nr. 44 Ihres geschätzten Blattes etwas mehr orientalischen, die Würde und die Ehre der Damen schonenden Geist gewünscht. Man war nicht wenig überrascht, den Namen einer Dame in den Spalten Ihres Blattes zu finden; und zwar demselben auf eine solche Weise zu begegnen, die mehr als die Grenzen des Anstandes überschreitet. Ich will nicht als Patronus des Dr. Herzfeld erscheinen, der vor seiner Gemeinde bereits gerechtfertigt und dem Alles verziehen ist; auch will ich nicht als Ritter und Beschützer einer Daine in Ihrem Blatte auftreten, da das journalistische Drachengeschlecht giftiger und der Kampf daher schwieriger und gefahrvoller ist. Allein die Ehre unserer Gemeinde sowie den zahlreichen Lesern Ihres Blattes glaubte ich es schuldig zu sein, Ihren Platoniker als einen Schwärmer zu bezeichnen, 'der in einer eigenen Ideenwelt leben und von den Zuständen unserer Gemeinde nicht ein Jota wissen müsse. Herr Dr. Herzfeld hat sich bereits mit seiner Gemeinde verständigt, vtnb die platonischen Phantasmagorien sind eben nichts als Phantasmagorien Ihres Korrespondenten, dem es vielleicht unbekannt ist, daß er Familienglück auf's Spiet gesetzt hat. — ..y Frankfurt a. d. £)♦, 25. Oktbr. Am 1. d. M. trat der von der hiesigen Gemeinde zum 'Rabbiner ernannte Dr. Joseph Jsaaksohn sein Amt an. Je schwieriger uns nach dem Abgänge des Rabbiner Dr. Hold heim die Wähl eines geistlichen Oberhauptes erscheinen mußte, um so erfreulicher ist es, daß es uns gelungen, an unsereur neuen Seelsorger eine in jeder Beziehung überaus glückliche Acquifltion zu machen. — Herr Dr. Jsaaksohn vereinigt biblische und talmudische Gelehrsamkeit mit vielseitiger wissenschaftlicher Bildung. Seine Rednergabe ist wahrhaft hinreißend, dieReden, welche der Redner in den letzten Festtagen gehalten, gehörten in Inhalt, Form und Vortrag zu den ausgezeichnetesten Leistlingen und machten einen schwer zu bezeichnenden, wahrhaft begeisternden Eindruck auf die ergriffenen Zu-

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