Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1845)
- Date
- 1845-11-12
- Page
- Seite 361 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang, Sechster Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lö-l. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Geschichte und Literatur. Herausgegeben von »r. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Jfyo 46s Leipzig, den 12. November Inhalt. Berlin. Schneider Zeller. Aelteftenwahl. Missionsbestrebungen. Literarisches. Kanonenschüsse. Fr an kfü rt a. M. Verbesserungen. Braunschweig. Vertheidigung.. Frankfurt a. d. O. Dr. Jsaaksohn. R o sen b e r g. Dr. L e v y. Robenberg. Replik. Hannov er. Landrabbiner Meyer. Hamburg. Schulwesen. Lilienthal. Leipzig. Synagogenwesen. Frankel. Sachs. Steinschneider. Jellinek. Hamburg. Abenteurer. Breslau. Schulwesen. Hamburg. Vermischtes. Rußland und Polen. Mit au. Feuersbrünste und Fren-entage. — Neber das Uuswandern, mit Rücksicht auf Böhmen. — Personalchronik und Miscellen. Cremieux. I. Lebegott in Tilsit. — LB. d. Or. Deutschland. Berlin, 25. Oktbr. Ein neues Werk gegen die Reform, von dem vormaligen Schneider, jetzigen Rentier Zeller, hat einige Zeit die Lachmusketn der jüdischen und christlichen Leser in Bewegung gesetzt. Der Mann hat zwar die Regeln und den richtigeil Gebrauch der deutschen Prosa im Alter nicht vergessen, dem: er hat sie in der Jugend nicht gelernt, aber pfiffig entgeht er den Folgen seiner prosaischen Ullkunde dadurch, daß er fein großes Werk in poetische Form gekleidet, und zwar nach dem Vorbilde von Jehnda Alcharisi. König Friedrich Wilhelm IV. ltnb die Prinzen seines Hauses haben vom Autor Exemplare erhaltet!, und sie werden wahrscheinlich das Bllch lesen oder es sich vorlesen lassen, um sich an den Fortschritten der Bildung ihrer jüdischen Unterthanen zu weiden. Wir hatten Sie nicht mit unsrer Nachricht über dieses lächerliche Stückchen behelligt, wenn sich nicht an die Person des meinorabeln Verfassers historische Betrachtungen knüpften. Dieser Schneider Zelter war es, der im Jahre 1822 oder 23 den damals durch Beer und sehr viele andere reiche und gebildete Männer reformirten Gottesdienst durch seine Denuneiation gestört hat. Er drang mit seinen Klagen bei einer Regierung durch, deren Grundsätze dem rationalistisch-reformatorischem Streben im Allgenieinen nicht so ganz hold waren; und jetzt, wo die jüdische Reform vm so viel weiter geht, während ans der andern Seite nur Rückkehr zur Orthodoxie begünstigt wird, jetzt wird dieser Z. zum Universalgespötte. Damals waren Zunz, Mannheimer und Auerbach als Prediger, und die Elite der Gemeinde mit dem edlen David' Fr re d l an der an der Spitze, dem Schneider unterlegen, und jetzt ist die Elite der Gemeinde selbst in eine Rokokoorthodoxie zurückversunkeii, oder ist gegen die Nesorm, weil sie in. der Reform noch zu viel Religion findet, und dennoch konnte die Reform nicht aufgehasien werden! Es muß demnach im Volke und in der Zeit der Sinn zum Schutze der Aufklärung und zum Kampf gegen die Lächerlichkeit unnatürlicher Ceremonien liegen, und es ergiebt sich auf dem Gebiete der Kirchen dieselbe Erscheinung wie auf dem Gebiete der Politik, wo trotz so vieler versuchter und oft ausgeführter Reaktionen der Liberalismus täglich im Wachsthunre steigt, und der Absolutismus, die politische Orthodoxie, endlich froh sein werden, daß man ihnen gönnt, sich mit ihren zusauuneugescharrten Schätzen zurückzuziehen. — UnsereAeltesten-Wahl, die alle 3 Jahre wiederkehrend, diesen Hoschana-Rabba hätte stattfinden foTXen, kam nicht zu Stande, weil auch hierin endlich, die noch mehr als beim Gottesdienste nothwendige Reform Hand angelegt hat. Der schändliche Wahlmodus, welcher seit der Zerstörung Jerust lenls hier herrschte, brachte die Vorsteher zum Erröthen, und sie trugen beim Kultusminister auf die Erlaubnis' an, diese sogenannte Wählerei im liberalen Sinne zu ändern; cs wurde abgeschlagen, und vielleicht ohne daß die abschläglich BcschiedemnThräneu darüber vergossen hätten. 46