Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1845)
- Date
- 1845-11-05
- Page
- Seite 358 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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358 ziiglich nenne, da es die hergebrachten, altjüdischen Weisen, das s. g. kunstgerecht gestaltet hat, und die neu komponirtem Piecen — für,nn HD1? , , 'Wn!1^ W 11D1D u. s. w« — wohlklingend und angemessen sind. Da diese Sammlung bereits in einigen der größeren Gemeinden Eingang gefunden, so ist es wünschenswerth, daß sie auch hier zu Grunde gelegt werde, damit die Uebereinstimmung, die den alten Gottesdienst hielt und befestigte, auch dem neu gestalteten zu Gute komme. Doch soll durch die Einführung dieser schätzbaren Melodiensammlung keineswegs der Möglichkeit neuer Komposition der Weg versperrt werden; vielleicht weckt die würdiger gestaltete Synagogen- und Gcbetordnung irgend einen Begabten, der sein musikalisches Talent der Hebung und Verherrlichung der Anbetung Gottes weiht. Als das Angemessenste in Rücksicht auf die Mittel hat sich der Chor herausgestellt, in welchem außer dem musikalischen noch, wenn ich so sagen darf, das erziehende Element für die Gemeinde in ihrem Verhalten zu dem Vorbetec und den von ihm vorgetragenen Stücken, von großer Wichtigkeit ist. — Warr die Gemeinde durchweg musikalisch, so wäre sie der natürliche Chor; sie ist es nicht, und es muß ein künstlerisch gebildeter Chor sie vertreten, doch keineswegs sodaß er sie der Theilnahme an dem Gebete enthebt und statt jhrer betet. Sie schließt sich in leiser Andacht dem von Jenem Gesprochenen an , so z. B. bei ^vni^ yw , wnp K/np, in den Antiphonieen des p^rj. Das ist nicht blos für den Anstand unb die ganze Haltung des Gottesdienstes wichtig , sondern auch insofern, als es ihn vereinfacht und kürzt. Wenn z. B. gegenwärtig der prt die Worte idn) HI HI *np> gesprochen, schreit die Gemeinde ihr dreifaches Wip, das dann der Chor nochmals singend wiederholt. Da ist dieser denn ganz zwecklos und bildet ein überflüssiges Echo der Gemeinde; sie hat bereits für sich selbst gesorgt und er erscheint als unnützer Nachzügler. Ganz anders, wenn er, nachdem der pn seine Aufforderung vollendet hat, anhebt und mit ihm die Gemeinde. Schon um diese niederhaltende, die Gemeinde beherrschende und leitende Macht üben zu können, bedarf es einer nachdrücklichen Verstärkung; je kräftiger, aushallender und eindringlicher seine Stimme und in Folge deren seine Gesammtwirkung, —- desto sichrer drängt er die Gemeinde aus ihrem maaßldsen Schreien in die Grenzen des Anstandes zurück. Die Bestimmung, bis zu welcher Anzahl er verstärkt werden soll, fällt natürlich den Kunstverständigen anheim. Ein verstärkter Chor erfordert aber auch einen ihn anführenden Vorsänger, dem ein reicher. Stimmfond verliehen ist, und der diesen geschickt und kunstgerecht zu verwalten weiß, was ich für den Falleiner eintretenden Anstellung besonderer Berücksichtigung empfehle. Eine schöne kraftvolle Stimme und eine gehörige musikalische Bildung sind außer den anderweitigen, sich von selbst verstehenden Erfordernissen in einem pn von wesentlicher Bedeutung. Ist ein solcher vorhanden und wird von einem gut eingeübten Chore unterstützt, so wird derjenige Lheil der Gemeinde, den früher das Oede und Unerfreuliche der üblichen Gesangs- und Vortragsweise von dem Gotteshause entfernt hatte, sich wieder zum Besuche desselben angezogen fühlen. Daß dem Chore eine angemessene Stelle angewiesen werden müsse, an welcher er eben so wenig seine nächste Umgebung behelligt, als von ihr gestört oder gar gemeistert werden kann, versteht sich. Ich sehe allerdings, daß es bei der Bauart der hiesigen Synagoge kaum einen solchen Platz giebt, und doch ist es in mannigfachen Beziehungen nicht nur wünschenswert!.)sondern fast unerläßlich, daß für die Beamten und Fungirenden, die zunächst an der Abhaltung des Gottesdienstes betheiligt sind, ein abgesonderter Raum vorhanden sei, wie dies denn auch in Wien und Dresden bei dem Neubau, in Prag bei dem Umbau der Synagoge gefühlt-'und in angemessener Weise berücksichtigt worden ist. Die Einführung von Trauungen in der Synagoge ist durch diesen Mangel fast unmöglich gemacht. Ueberhaupt wünschte ich der hiesigen Synagoge in ihrer äußeren Erscheinung mehr Glanz und.Würde; denn gewiß ist btt der neuerdings rege gewordenen Theilnahme für die Synagoge und Alles zu ihr Gehörige die Berlins eine der vernachlässigtsten, an der auch nichts die Spur einer erwachten näheren Betheiligung der Gegenwart verräth. B. In Erwiederung auf den Antrag eines Wohllöblichen Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde vom 23. Decbr. v. I. haben wir nach genauer Erwägung des Inhalts, folgendes zu bemerken. Zuvörderst aber erlauben wir uns hiermit darzuthun, daß wir in Ihrer Aufforderung zur Begutachtung der von Ihnen in Vorschlag gebrachten Abänderungen beim Gottesdienste Ihre edle Absicht nicht verkennen, wir wissen vielmehr daß Ihr Streben nur dahin geht, den leider erkalteten religiösen Eifer wieder zu beleben. Folgende Gründe hingegen bestimmen uns den Vorschlägen nicht beizutreten: a) erachten wir diese Neuerungen für nicht fördernd den daraus zu ersprießenden Endzweck, denn dem Unwissenden, ' welchem die Beurtheilung des Wesentlichen und Unwesentlichen mangelt, bleibt dann nichts mehr heilig und das noch Bestehende könnte von ihm dann nicht minder in Zweifel gezogen werden. b) Leben wir jetzt in einer Zeit, wo unbefugte Lehrer, die keine Autorität achten, und sich unaufhaltsam bemühen, die Basis des Iudenthums zu untergraben, damit es in sich zerfalle; werden wir nun die alten ehrwürdigen Schranken aufheben, so haben wir ihnen die Bahn gebrochen und ihnen zugleich die Anleitung gegeben, sich durch willkürliche Neuerungen bei ihren Gemeinden geltend zu machen. c) Werden wir durch die Abschaffung der bisher in Achtung gestandenen Gebräuche und Gebete nicht ermächtigt sein, neue Schranken zu setzen, denn sobald wir einräumtn, daß die alten Autoritäten ihren Einfluß verloren haben, so wird dem Neuen das Vertraue» nicht mehr gegeben wer-