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Der Orient · 1845-11-05 · Heft 45 (5.11.1845) · p. Seite 356

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 45 (5.11.1845)
Date
1845-11-05
Page
Seite 356 (sequence 7)
Language
German
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356 muß ich Sie höflichst bitten, doch ja künftig an dem Vorgeschriebenen — das Ihnen Gesetz sein muß — nichts abzuändern, sondern solches lieber den HH. Rabbinern zu überlassen, die das zu ihren Prärogativen rechnen. So würde ich Ihnen schon verzeihen, daß Sie z. B. in meinem Artikel in Nr. 43 (S. 338) die Note auf Sp. 1 statt auf Sp. 2 Placirt, daß Sie (Sp. 2, Z. 22) nach dem Worte „weder" das Wörtchen „der" ausgelassen, daß Sie (Z. 25 v. u.) „hösten" statt „höchsten", (Z. 20 v. u.) „sei" statt „ist", (Z. 17 v. u.) „erhobene" statt „erhabene", (Z. 46 v. n.) „sie" statt „Sie" und (Z. 9 v. u.) „bewegen" statt „bringen" gesetzt haben; allein das kann.ich Ihnen nicht hingeheu lassen, daß Sie mir das edle, gute Männchen, welches auf meine Verbrennung angetragen (Sp. 1 Z. 3 v. iu) „Haus-Narr" ütulirt haben, statt, wie ich ohne u-Zeichen geschrieben: „Hans- 'Narr" — was etwas ganz anderes bedeutet» Sie sehen, Herr Setzer, was von dem willkürlichen Hinzudenken eines einzigen Strichleins alles für Malheur entstehen kann; denn es muß hier, um jeder etwaigen Reklamation im Voraus zu begegnen, derWahrheit gemäß feierlichst erklärt werden, daß besagtes Männchen keinesweges ein Hausnarr,' vielmehr, wie auch mein Artikel andeutet, ein öffentlicher, ein Börsennarr, ein lauter, vielschwatzender (und natürlich nur sehr wenig wissender) Hans-Narr ist. Mit aller Welt mögen Sie eher anbinden als mit meinem Narren; die stehen unter meiner unmittelbaren Protektion, und wenn Sie, Herr Setzer, besagten Narren auch, weil Sie das nun einmal gewohnt sind, ein % für ein U vormachen dürfen, so sollen Sie ihnen doch künftighin nicht wieder ein u für ein n setzen. . Dm. Damascenus. Hamburg, 21. Oktbr. Au beiden Freischulen, welche die hiesige jüdische Gemeinde besitzt, sind jetztLehrerstellen vakant. An der von Hrn. Dr. Kley geleiteten israelitischen Freischule ist nämlich setzt die Stelle des Herrn Louis Simon, der vom nächsten Monate ab hier eine eigene Schulanstalt errichtet, zu besetzen und wahrscheinlich, He der Abdruck dieser Zeiten erfolgt sein wird, schon vergeben. Es haben sich zu dieser Stelle dem Vernehmen nach, mehrere christliche, aber auch jüdrsche Bewerber gemeldet. — Zn gleicher Zeit ist aber auch der evangelische Predigtamtskandidat Hr. S ch lu mpf, dem bis jetzt der nichthebräische wissenschaftliche Unterricht an der Talmud-Tora anvertraut war, zum Diakonus in Groden (auf hamburgischem Landgebicte) erwählt worden. Wir hoffen, daß diesmal die bisher befolgte Sitte oder vielmehr Unsitte, zu dieser Stelle einen Kandidaten der christlichen Theologie zu berufen, diesmal um so eher verlassen werden wird, als-, abgesehen von der fortdauernden Entbehrung jedes Anspruchs ans "die Bekleidung öffentlicher Lehrämter an christlichen Schulen durch jüdische Lehrer, es jetzt an qualificirten Bewerbern aus der Mitte der jüngem hiesigen Gemeindeangehörigen nicht mehr fehlt. Das Einzige, was wir einräumen können, ist das, daß es billig wäre, an Denjenigen, der diese Stelle bekleiden will, die Forderung eines religiös keinen Anstoß gebenden Lebenswandels zu stellen. Uebrigens würde auch bei der Wahl eitles jüdischen Kandidaten der Uebelstand aufhoren, daß die Schüler der Talmud-Tora an christlichen Feiertagen des wissenschaftlichen Unterrichts entbehren müßten, wie es bisher der Fall war. — C. Aus dem Unterrhernkveise, 6. Oktbr. Die badische Rabbinerversammlung, welche im Laufe des verflossenen Sommers zu Mannheim ihre Sitzungen hielt, hat nunmehr durch ihre Ausschußdeputation zwei ihrer Beschlüsse an die Großherzogl. Behörde, den israelitischen Oberrath gebracht. In ihrer ersten.Eingabe legt sie ihr Wesen itub ihre Tendenzen dar, nach welchen sie vorzuschreiten gedenke. Die Reform auf historisch-traditionellem Boden soll das Fundament der badischen Nabbinewersammlungen fctn. Wenn die zu Mannheim versammelten Rabbiner bereits allenthalben die lebhaftesten Sympathien tut Lande hervorriefen, fo kann diese offene Darlegung ihrer Principien, denen ohnehin die bei weitem überwiegende Majorität der Israeliten des Landes anhängt, ihnen die rege Theilnahme ihrer Glaubensgenossen nur nachhaltig sichern. In einer zweiten Eingabe wird der israelitische Oberrath gebeten, bei den kompetenten Staatsbehörden auf Erzielung einer den geläuterten Principien des Judmthums und dem sittlichen Bewußtsein der heutigen Juden entsprechende Eidcsbelehrung und Eidesformel hinzuwirken. Dieser Gegenstand ward schon auf eine Petition des BezirkS- Rabbiners Fürst in Heidelberg bereits in der Abgeordnetenkammer des vorigen Jahres berathen, von der Petitions-Commission mit empfehlender Ueberweisung an die höchste Staatsbehörde begutachtet, jedoch von der Majorität der Kammer zur Tagcs-Ordnung gewiesen. Auch war bei der genannten Rabbinerversammlung von Rabbiner Fürst der Antrag gestellt: es solle die Rabbinerversammluug bei dem demnächst sich versammelnden Landtage eine Petition wegen Gleichstellung der Israeliten mit den christlichen Staatsbürgern einreichen und hierin namentlich die gegen die Religion und das Leben der Israeliten vorgebrachten Einwendungen widerlegen. Da dieser Antrag wegen Kürze der Zeit seine Erledigung nicht finden konnte, so soll derselbe durch schriftliche Mittheilungen berathen und beschlossen werden. Die Vorarbeiten für eitle im nächsten Frühjahre statthabende Versammlung, zu der außer den inländischen auch alle ausländischen Rabbiner, die der Reform auf historisch-traditionellem Boden huldigen, geladen werden sollen, und der sich die bedeutendsten Autoritäten gewiß anschließen, werden rasch gefördert. Sie betreffen: Die Hebllllg des Kultus durch Entfernung aller

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