Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1845)
- Date
- 1845-11-05
- Page
- Seite 355 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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355 Verlust, und hauptsächlich dm eines braven Mannes, beklagen soll. Es ist N")p' und ^p', die Ehre des Todtm und die Ehre der Lebenden heischt es. Die Ehre des Todten heischt, daß wir seinen Hingang beklagen sollen, so ehren wir sein Andenken, und zugleich uns, daß wir empfindlich für solchen Verlust sind. Und eine Leichenrede an: Grabe eines Redlichen hat mehr moralischen Werth als alle Predigten. Der stolze Reiche, der leichtsinnige Prasser, und alle die den Gedanken an Tod durch irdische Genüsse zu verscheuchen suchen, hier am Beinhause stehen sie mit dem Blicke zur Erde, und werden nachdenkend und gedemüthigt bereuen. Weiß nun der kluge Redner diese kostbare Minute zu benutzen, wendet er die Macht seiner Rede an, die Gefühle, die sich, in der Brust der Zuhörer regen, zu beleben, dann geht Mancher gebessert von dannen. Und der noch reine Jüngling horcht mit Entzücken, wie der Redner ihm ein Lebensbild des frommen Hingeschiedenen gie'bt, und wie er die Gefühle der Zuhörer in Worte kleidet, und er sinnt nach, diesem Frommen gleich zu fein. — Darum finden wir, von Abraham an, der seine Sara beweint, bis zu den Propheten hinauf, welchen Werth die heilige Schrift auf Leichenreden fetzt; ja der höchste Fluch der Propheten ist, nnbcktagt der Erde zurückgegeben zu werden. Und darum behandelt der Talmud den 13DH so gesetzmäßig. Wie schön sagt dort einer der Weisen zu seinem Schüler: Dnm DT1N l Rede mit Wärme, denn ich selbst stehe dort, d. h. du beschwörst mich nochmals vom Grabe herauf, du willst den um mich Weinenden mein Lebensbild zeigen, nun so rede mit Begeisterung damit du mein Änderten ltnb ihre Empfindung nicht schändest, damit sie erbauet und beruhigt mein Grab verlassen. Und darum haben auch die alten Räbbinm, ohne die Hochschule besucht zu haben, Jedem-der es verdiente diese letzte Ehre erwiesen. Zu allen Zeiten hielten sie einen Hesped, und verfehlten ihren Zweck nicht; hat auch mancher Leichenreduer sich selbst eine Leichenrede gehalten, so war doch der Wille gut und lobenswerth; jetzt aber haben wir in Hamburg nichts Neues, unb treten auch das gute Alte mit Füßen, und sagen „was thut man damit". Moses Mendelscn. Frankfurt <r. M., 24- Oktbr. Der ^-Korrespondent des „Israelit", das Genie, welches, nachdem cs so gar viele und mannigfache Dinge praktieirt und handthiert hat, gegenwärtig etwas — Judenthum treibt, hat in der neuesten Nummer des gedachten Blattes nun gar in seinem gewöhnlichen Hofstyle einen Artikel gegen Le brecht veröffentlicht, worin cs u. A. heißt: „Wir beabsichtigen nicht Naturgeschichte zu schreibe, und skizziren die zum Geschlechte der Wiederkäuer gehörende Gattung nur oberflächlich, finden überdies in unsrer Nähe kein Exemplar eines romantischen Bachers vor, weder lebend noch ausgestopst" ,n\ Machen Sie sich nun eine Idee von Form und Inhalt deS Ganzen! Ein Schweinestall ist ein Prunkgemach dagegen. Der „rabulistische Zkenienmacher" möge sich hüten, er möge seine Schaafpelzmütze tief unter seine Ohren. herabziehen — er, dem doch das Herabzichen imb Ausziehen sonst so ziemlich geläufig gelst — wenn er den geistreichen und witzigen Gegner zur Einlassung provoeirt, dann ist er nicht eben zu beneiden. Das kann ein kleines Gaudium für Zeitungsleser abgeben. Die Leser des „Israelit" wissen jetzt auch, warum der Korrespondent in Nr. 41 auf den Einfall kam, den Berichterstatter der „D. A. Z." mit dem der „O.-P.-A. Z. über die hiesige Adresse an Frankel für ein und dieselbe Person zu erklären. Es geschah dies nicht etwa blos aus Prineip, nämlich um tatsächlich zu beweisen, daß man das „pmn ipw “n*iD" lediglich für ein absolut gewordenes, nur noch von den „polnisch-rabbinischen Dissidenten" hie und da beobachtetes, palästinensisches Gebot halte, sondern es lag dieser Angabe ein recht artiges Absichtchen zum Grunde, welches jedoch erst iu der zweiteu Hälfte des Artikels (in Nr> 42) zur Enthüllung kommen sollte. Da nämlich findet es sich, daß der F-Korresp. eine Verschiedenheit zwischen den Angaben beider Zeitungsberichte wahrgenommen, indem die „O.-P.-A.-Z." die Anzahl der Unterzeichner auf „mehr, als 200", die „D. A. Z." aber solche aus „etwa 300" angab. Was thnt nun der Korrespondent des „Israelit"? Als alter Rabulist beginnt er damit, keck zu behaupten, beide Berichte rührten — das w e i ß er — von Einem Verfasser her, um sodann triumphircnd ariSrusen zu können: „Seht, wie dieser Berichterstatter sich selbst widerspricht! da sagt er 200 und dort schreibt er 300! „Bedarf es einem solchen Verfahren gegenüber auch noch der kritischen Satyre? Bedürfen solche Menschen der öffentlichen Züchtigung, tun blamirt zu sein? Ich glaube nicht., Alles mit Maaß und Ziel; auch bei der Wertheilung von Geißelhieben muß eine gewisse Oekouomie beobachtet werden, und wer ihrer nicht würdig ist, oder bei wem sie überflüssig sind, der werde dabei übergangen — und — übersehen. — Schließlich noch ein Wörtchen an dcnHrn. Setzer des „Orient". Sie haben, Herr Setzer, schon hin und wieder Ihre Stimme im Blatte vernehmen lassen und mn leserliches Manuskript ersucht. Wenn ich dieses Gesuch sehr billig und berücksichtigungswerth finde, so werden dagegen Sie auch anerkennen, daß eine genaue Aufmerksamkeit auf das Geschriebene zu Ihren unumgänglich nöthlgen Verpflichtungen gehört, indem cm kleines Versehen von Ihrer Seite uns Korrespondenten leicht in allerlei Widerwärtigkeiten verwickeln kann, an welche Ihr unschuldiges Herz nicht denkt. Insbesondere 45 *