Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1845)
- Date
- 1845-11-05
- Page
- Seite 354 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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354 mit ihr den Augias- Stall seiner Gönner zu reinigen. Wenn NoLh beten lehrt, warum sollte sie nicht auch Schmähartikel schreiben lehren? Wir dürfen uns gewiß darauf gefaßt machennächstens wieder derartige Artikel vielleicht nun auch gegen Herrn I. L. Feder, der sich in einer Berichtigung in Rr. 42 erd reistet hat, den Abfasser des Artikels in Nr. 39 dieser Zeitung der-Lüge zu zeihen, zu lesen; ja getrost dürfen wir uns darauf gefaßt halten, daß derlei Artikel, als dumpfe Glockentone, die vom babylonischer: Thurme der Wirrnisse im Judenthume sich hören lassen, erschallen werden. Diese Glocken läuten doch blos schimmernde Flitterideen nach und nach zu Grabe. — Man muß sich übrigens über derartige Vorgänge nicht , so sehr wundern, da wir solche Symptome, zwar außer dem Judenthume, schon einmal zur Zeit Wolfgang Menzels literarischer Gewaltherrschaft, der in der: Jahren 1833—37 durch seine Vignette über sein Literaturblatt des Morgenblattes vernichtende Blitze, gleich Zeus, aus das junge Deutschland zu schleudern wähnte, wahrgeuommeu haben, und wissen, wer siegreich aus dem Kampfe gegangen.. Das junge Deutschland stritt nicht für nette Ideen, kämpfte nicht wegen Einsetzung und Geltendmachung eines noch nie eristireuden Rechts, sondern für die Anerkennung des erwachten altert, freien deutschen Geistes. Ein ganz ähnlicher Kampf wird jetzt von Seitert der juttgeit wohlgerüsteten Streiter, die dem alten, kernigen und sich allmälig entwickelnden Judenthume, diesem, gegenüber den Freunden des radikalen Fortschritts, wieder Anerkennung und Geltung zu verschaffen, auf dem Gebiete der Wissenschaft gekämpft, und die Zeit wird es lehren, wer für den Herrn gestritten und wer es aufrichtig und redlich mit demJudenthnme gemeint hat. So viel ist gewiß, daß c§ den jungen Streitern immer um die Sache selbst, um die Erhaltung des Jndenthnms zu thnn sein wird; persönliche Angriffe und Entstellungen der Wahrheit, wenn diese nicht im Gebiete der W i s s e it sch a ft w urz e ln , und geflissentlich entstellt werden, werden sie gerne dem sch wachen Man n, seinen Genossen und Protektoren überlassen. Stettin, im Oktbr. Nachdem bereits vor einigen Wochen zur würdigen Feier des Gottesdienstes einige Choralmelodien in hiesiger Synagoge versuchsweise vorgetragen und beifällig von der Gemeinde ausgenommen worden sind, hat das Repräsentanten kollegtunt hiesiger Gemeinde beschlossen, den Gottesdienst stets durch Chorgesang an Sonnabenden mtd Festtagen zu verherrlichen, unb hat zu diesem Behufe einen Chordirigenten engagirt. *— So wurde denn der Gottesdiost am vergangenen Neujahrsfeste unter Mitwirkung eines 18 Personell starken ChorS (nur aus Dilettanten bestehend, die mit regem Eifer sich der guten Sache widmen) zur großen Erbauung der Gemeinde abgehalten. — Die schönen Münchner, Wiener und Braunschweiger Melodien, welche theilweise dabei benutzt wurden, haben einen tiefen Eindruck hervorgebracht, und ist nun mit Gottes Hilfe der regelmäßige Chorgesang — da sich hier durchaus keine Opposition dagegen findet — in hiesiger Synagoge gesichert. — Der Herr Israelit des 19. Jahrhunderts kann eS (Nr. 39) in einer Korrespondenz aus Berlin der hiesigen Gemeinde rticht verzeihen, an den würdigen Dr. F x a n Jet eine Adresse für seinen Altstritt artö der Frankfurter Rabbinerversamntlung gerichtet zu haben, er will mit einer langen Spürnase wittern, wer die Adresse diktirt hat, der arme Israelit hat sich verpurscht, wüßte er wie matt seine Worte hier beachtet, so würde er sich eine andere Zielscheibe seiner Wuthansbrüche wählen, hier kennt man nur zu gut seine Honigwort e. — Hannover, 26. Oktbr. Sie werden es gewiß schon aus den politischen Tageblättern erfahren haben, daß am 25. Septbr. unsere Rabbinerwahl anfdenKandidaten Meyer gefallen, der gleich am Tage darauf, den 26. eine Rede in der Synagoge zur Feier der Geburt des Erbprinzen hielt. Im Allgemeinen ist man mit dieser Wahl vollkommen zufrieden, und wenn auch die Bestätigung von der Regierung noch nicht angelangt, so sieht man derselben doch mit Gewißheit entgegen. Was vorzüglich die allgemeine Zufriedenheit erhält ist das Bewußtsein, daß unser Meyer ztl jenen gemäßigten Konservativen gehört, von denen'allein die Schlichtung der verschiedenen Wirren in unserem modernen Jndenthume bewirkt werden kann, und so viel wir wissen, steht er mit der RV., die mit Recht alles Vertrauen im Jndenthnme verloren, in keiner Verbindung. Hamburg, 26. Sptbr. Wiederum schied ein Würdiger anS tinferer Mitte. Herr Levin Lazarus starb gestern in feinem zweiundachtzigsten Jahre. Er war lange Jahre Vorsteher der Gemeinde und'der Talmud-Tora, und betrieb beide Aentter mit seltener Gewissenhaftigkeit und Liebe. Streng am Väterglauben haltend, Schrift- und Tatmudkenner, trug er seinen Glauben tticht ztir Schau tntd haßte den Andersdenkenden nicht, und ertrug seine schweren Leiden mit Ergebung, ja mit heiterer Miene. Darum wird er so allgentein und so herzlich betrauert. Warum aber wurde dem Manne Seine Leichenrede gehalten? Warum wird überhaupt jetzt keinem der heimgehenden Frontmen ein Wort des verdienten Lobes uachgernfen? Warum haben wir Keinen, der dazu befähigt ist? — Weil der tobl. Vorstand solche Kleinigkeiten nicht achtet, weil die Gemeinde von einigen Finsterlingen beherrscht wird, und weit diese ihren Wahlspruch haben: „Was thut man damit"? Kommt her, Ihr Lichtscheuen, ich will Euch lehren was man mit einer'Leichenrede thut l Die heilige ^Schrift, der Talmud, die Vernunft, — drei Dinge, die Euch ferne stehen — alle drei verlangen, daß man jeden