Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1845)
- Date
- 1845-10-29
- Page
- Seite 350 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 350 - dentung der Adresse und ihre Wichtigkeit ganz gewürdigt habe. Wenn' ich die Bitte wage, Sie wollen dieses Dankschreiben gefälligst den Herren Adressanten mittheilcn, so hoffe ich, da Sic die Mühe des Ucberreichens der Adresse übernommen hatten, keine Fehlbitte zu thun. Sie haben, mir einen Segen am Schluffe Ihres Briefes gespendet, der mich tief gerührt und mir wahrhafte Erquickung war. Ich habe hierfür nur das Gebet zu dem, vor dessen Augen Jahrtausende wie ein Tag sind, daß dieses angehende Jahr Ihnen das des heitern Lebens sei imb daß er Sie uns in ungebeugter Geisteskraft noch lange erhalte, auch daß Ihr Licht und Ihre Belehrung uns den Weg zeigen, auf welchem wir gehen. gez. Dr. Z. Frankel. Dresden, den 5. Tischre £>606. N a ch sch r i ft. Dem Pasquillant-Korrespondent im ,, Israelit" Nr. 41 haben wir auf seinen Artikel nur zu bemerken, damit derselbe seine Pfeile auf keinen Unschuldigen abschieße, daß wir die Adresse und das BegteitungSschreiben der Leip. Allgem. Zeitung zugesendet haben. Nur ans einem Versehen der Redaktion blieb der Name des Einsenders zurück, was wir um so mehr bedauern, da wir niemals einen Artikel, in dem eine Persönlichkeit oder Richtung angegriffcu wird, anonym einsendcu. K—m. SBcrliu, 18. Oktbr. In GotteSnamew krank, verehrter Herr, werden Fürsten rmd sterbliche Menschen; leider ist der Spruch, den Cicero aus dem Euripides anführt: „Nemo 68t morlalis, quem uon aLtingat dolor morlnisque“ sehr wahr, und leider ist der Einfluß, den diese allgemeine Möglichkeit krank zu werden auf unfern Beutel auSübt, ein schmerzlicher und tief greifender. Wenn sich daher diesem bösen Einfluß zu steuern Gesellschaften bilden, wenn Vereine entstehen, die in geschloffenen Phalanren den schwer besiegbaren Kräften der Armuth und Krankheit entgegeugehen, so ist das gewiß etwas besser, als wenn man den noch größer» Gedanken hat, durch eben dasselbe Mittel die Krankheit der Langcnweile, der Gottlosigkeit, der Indifferenz aus den Seelen unwissender, gemüthloser imb eitler Menschen zu verbannen. Unter den Tausenden von Vereinen, die bei uns entstehen, ist bei uns ein Verein, der kranken Familienvätern, die durch ihrer Hände Arbeit sich und die die Ihrigen erhalten, zu Hilfe kommt, sie mit Arzneimitteln und Geld unterstützt, ein nothwcndiger und lobenswerther; von seinen Mitgliedern weiß man, daß sie hier nur menschenfreundlich sein wollen, daß es hier weder Reden zu halten, noch Festessen zu besingen, noch irgend etwas, was die Eitelkeit und die Großmannssucht des modernen Europa begünstigt, giebt. Ueber einen solchen und, wie natürlich, in Zpeeie jüdischen, fühle ich mich aufgefordert, Ihnen einen Bericht zu erstatten. Die große Zahl der jüdischen Handwerker und Künstler, die jetzt hier in Berlin leben, hat in einem derselben, dem Gürtler und Bwnzeur Halle, den Gedanken an einen Verein für erkrankende jüdische Handwerksmeister, aber blos für diese, hervorgerufen; durch seine Bemühungen hat sich jetzt' eine Zahl anderer bedeutender Männer dieses Standes dafür interessirt, Statuten entworfen und am 1. November sott die Gesellschaft ihre Wirksamkeit beginnen. Sie wollen dem kranken Handwerker die Sorgen vermindern, die während seiner Arbeitslosigkeit für Familie und Wirthschaft aus ihn liegen; sie wollen, indem sie ihm einen Arzt zusühren, Mediem und Geldunterstützung (mehrere Thalcr die Woche) zufließcn lassen, dem Kranken das wohtthuendc Gefühl verschaffen, daß er von Handwerksgenossen . und durch eigene Kraft diese Hilfe erlangen kann, während mancher anständige Mann srüherhin bei der Gemeinde eine Unterstützung zu verlangen sich nicht mit Unrecht gescheut hat. Der Beitrag der einzelnen Mitglieder besteht in 5 Sgr. monatlicher Zahlung; Eintrittsgeld beträgt 2Thlr.; beitreten können alle, die im engcrn Polizeibezirke Berlins wohnen. Da es Handwerker sind, die an der Spitze'' des Vereins stehen, so läßt sich erwarten, daß sie die Statuten mit Kenntniß der Verhältnisse einzelner Familien entworfen haben werden; die Summe von 2 Thlr. wöchentlicher Unterstützung wird daher nicht zu gering sein (auch für eine größere Familie?) und die Hilfe, die mau den Kranken leistet, wird eine baldige unmittelbare, nicht erst mit der Dauer des Leidens und der Zeit, seitdem der Kranke eingeücten ist, handelnde sein. Denn daran leiden die meisten Vereine, daß sie mehr für den Fond, als für die Mitglieder'sorgen und daß sie, statt ganz und gar dem Zweck der Unterstützung zu folgen, steh mißtraucnsvoll in eine lauernde Stellung gegen den Unterstützten stellen, den sie wie eine feindliche Macht beobachten und betrachten. Obige Gesellschaft wird daher nicht die Dauer der Krankheit vorherbestimmen wollen, wird nicht zögern, so lange Jemand leidet, ihn zu unterstützen, wird nicht mistehen ans Kosten ihres Fonds allen Bedürfnissen ihrer leidenden Mitglieder zu entsprechen. Sie hat übrigens noch andere Pläne im Hintergrund; sie will einen UnterstütznngSverein damit verbinden, der weniger bemittelten Handwerkern Auslagen für unternommene Arbeiten vorausbezahtt und so die Anfänger und Mittellosen in Stand setzt, jeglichem Aufträge zu genügen. Auch dieser Plan, der freilich wieder andere Statuten haben müßte, und ans den Pelizeibezirk von Berlin nicht eingeschränkt zu sein brauchte, hat etwas sehr Anerkennenswerthes. Nur muß sich die noch junge Gesellschaft vor Zersplitterung ihrer Kräfte hüten. So viel Leben also ist auch unter unfern jüdischen Handwerkern, die immer mehr an Bedeutung gewinnen, deren Zahl immer größer wird, und die immer mehr in das bürgerlich solide Leben des Handwerks versenkt, dieWelt des Kleinhandels und Schachernd verlassen. So wird denn nach und nach die kleinliche Art des Handels und