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Der Orient · 1845-10-29 · Heft 44 (29.10.1845) · p. Seite 349

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 44 (29.10.1845)
Date
1845-10-29
Page
Seite 349 (sequence 9)
Language
German
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349 t i on aus Stuttgart bei dem Abgeordneten des Oberamts Marbach, Hrn. Rechtskonsulenten, V ei el, hier ein, nur ihm aus Auftrag und im Namen sammtlicher Israeliten des Landes eine Dankadresse feierlich zu überreichen. Die auf sehr prachtvolle, Weise ausgcstattete Adresse ist folgenden Inhalts: ,,Verehrter Herr! In: Namen und in Auftrag der Israeliten kommen wir, Ihnen für die Wärme und den Eifer, mit welchem Sie als Mitglied der Ständeversammlung unfern Glaubensgenossen die noch vorenthaltenen bürgerlichen und politischen -Rechte vindizirten, den innigsten, tiefgefühltesten Dank auszudrücken. Treue Ueberzeugung von der Heiligkeit der Rechtsgleichheit, edle Erkenntnis-von den Erfordernissen eines freien Gemeindewesens haben Sie auch bei dieser Frage geleitet, haben Ihre Worte zu dem Ausdrucke menschenehrender Gefühle erhoben, welche bei einer Versammlung würdiger Vertreter eines ehrenhaften Volksstamms nicht ohne lebhaften Anklang bleiben konnten. Was uns aber vor Allem mit tiefer Rührung erfüllte, das war nicht nur die ehrenhafte Gesinnung, die Sie bei mehreren ständischen Verhandlungen über die Emancipation der Israeliten ausgesprochen — denn der Ueberzeugung zu folgert und ihr Ausdruck zu leiheu, ist des Mannes von Ehre Pflicht und Selbstachtung — sondern die Innigkeit, mit der Sie diese gerechte Sache erfaßten, und welche darthat, daß das Recht für Sie, verehrter Herr, nicht nur Sache der unbefangenen selbstklaren Vernunft, sondern zugleich Kultus des warmen, mitfühlenden Gemüthes ist. Sie haben Worte gesprochen, welche nie verklingen werden in den Herzen aller Israeliten, Worte, welche int ganzer: deutschen Vaterlande mit Achtung und Verehrung ausgenommen wurden, die eine That waren der reinsten Religiosität und des edelsten Freisirrns zumal. Wer, wie Sie, mit warmer Liebe ergreift, was der erleuchtete Geist als wahr und recht erkennt, mit reiner Humanität die Darstellung und Verwirklichung der Rcchtsidee im Staate erstrebt, auch da, wo sie gegen veraltete Vornrtheile und gegen enge Begriffe anstößt, der bedarf-zwar der äußern Anerkennung nicht, die Verehrung der Guten und Edeldenkenden aus allen Ständen, allen Parteien, allen RetigionSgenossenschaften ist ihm aber von selbst durch seine That und durch sein Wirken zugewendet. Diese Verehrung gegen Sie ist bei Israeliten des Landes mit dankbarer Anerkennung verbunden, und mit Freude erfüllen wir den uns von unfern Glaubensgenossen gewordenen Auftrag, den Ausdruck derselben Ihnen, Verehrter, darzubringen. Ihr Name wird mit Liebe und Ehrerbietung genannt und auch aus unserer Kinder dankbarer Erinnerung nicht verschwinden, als einer der schönsten Höhepunkte jenes Geistes der Toleranz, der Gerechtigkeit und der Humanität, den die würtembergische Ständeversammlung bei dieser Frage so ruhmwürdig an den Tag gelegt hat. Nehmen Sie den Ausdruck dieser Gefühle so wohlwollend an, wie wir warm und innig ihn darbringen. Stuttgart, im September 1845. — Im Namen und im Auftrag der sämmtlicheu Israeliten des Landes." (Folgen neun Unterschriften.) Frankfurt ei. im Oktbr. Amu. d. Red. Da das Antwortschreiben deS Hm. Dr. Z. Frankel bereits in der vorigen Nummer abgedruckt wurde, so möge hier als Ergänzung das scheue Begleitungsschreiben jener Antwort, das Schreiben an den greisen Rabbiner, Hm. S. Trier, folgen. Es lautet: Hochwürdiger Herr Rabbiner. Ich nähere mich Ihnen zwar schüchtern, aber doch mit Vertrauen, mit welchem ein liebender Sohn zu seinem ehrwürdigen Vater tritt. Daß Sie Ihre Billigung über mein bisheriges Verfahren aussprachen, daß Sie Ihren allgemein geschätzten Namen an die Spitze der Adresse setzten, und sich sogar herbeiließen, sie mir in einen! freundlichen Schreiben zu übergeben, ist mit die größte Ermunterung, auf der Bahn, die vor den Augen eines gottgefälligen Mannes würdig gefunden wurden, unerschütterlich zu verbleiben. Aber es liegt auch in diesem Beifalle ein Lohn, der weit über mein Streben und Wirken geht, und lassen Sie wieder das Beispiel unsrer trefflichen Lehrer aufleben: cs horchen die Großen auf die Kleinen, und ermuntern sie in edler Bescheidenheit und Herablassung. Ich fasse daher durch Sie, Hochwürdiger Herr, gestärkt neuen Muth und gehe der Zukunft, was sie auch inuner bringen möge, getrost entgegen. Es haben Ihre Klagen über die Zerrissenheit der Zeit in mir einen Wiederhall gefunden. Sie blikken schon mit Ihrem geistigen Auge in ein Leben hinüber, wo nur Licht^und Wahrheit ist; ich stehe mitten im Kampfe, und mein Blick ist oft schmerzlich getrübt und bedarf ich zu mancher Stunde nur zu sehr des Trostes und der Aufrichtung, daß mein Fuß nicht wanke! Doch Ihre mit so vieler frommen Zuversicht ausgesprochene Hoffnung beruhigt auch mich; und was Ihnen, mein ehrwürdiger Vater und Lehrer, ein großer Trost ist, daß cs noch in Ihrer geachteten Gemeinde eine bedeutende Anzahl der trefflichen und bevorzugten Männer gibt, die auf der Bahn des väterlichen Glaubens muthig und vertrauungsvoll ansharren, dieses stärkt auch ulich in der Ueberzeugung, daß die Sache des Glaubens siegen, und bald eine bessere Zukunft anlrechen werde. Sie selbst werden sie noch erblicken, es wird die heftige Aufregung der Zeit sich legen und da§ Bedürfnis; nach dem Wohlthuendm des Glaubens wieder allgemeiner werden; und der Herr, der Sie so lange erhalten, wird Ihre Tage verlängern, daß Sie für den Schmerz der letzten Jahre schon hicnieden einen Ersatz ft'ndcn und Ihr Abend noch durch den Triumph des Glaubens erheitert werde. Das hier beiliegende Dankschreiben wird Ihnen, Hochwürdiger Herr Oberrabbiner, sagen, wie ich die Be-

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