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Der Orient · 1845-10-29 · Heft 44 (29.10.1845) · p. Seite 348

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 44 (29.10.1845)
Date
1845-10-29
Page
Seite 348 (sequence 7)
Language
German
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348 typisten Br ü l l werden die Leser dieses Blattes gewiß schon vernommen haben, aber ich halte mich verpflichtet nochmals dieser Geschichte zu gedenken, weil das unfern jüdischen Ronge umgebende Gesindel nach allen Seiten hin die Lüge aussprengt, die bessern und frommen Mitglieder der Gemeinde hätten die Sache vor die Behörde gebracht. Dieses ist, wie gesagt, eine Luge, die zwar vielleicht vom Standpunkte der Rabbiner-Versammlung, um die Juden recht zu verleumden, erlaubt ist, aber von der Gesammtmasse der Juden noch immer als verwerflich angesehen wird. Die Neologen sind es, welche die Sache vor die Behörde gebracht, und zwar um zu sehen, ob man dem neuen Grundsätze der Regierung trauen kann und ob man recht bald mit den andern Plänen, wie z. B. mit Verlegung des Sabbats auf den Sonntag, mitderNachweisnngderTaufe als ein jüdisches Sakrament re. Herausrücken darf. Unsere frommen oder richtiger ehrlichen Mitglieder haben von Anfang an weiter nichts gethan, als den unbeschnittenen Knaben nicht als Judenknaben anzusehen, was dem Vater, da er das Bekanntwerden erreicht und seinem neuen Geschäfte einen Aufschwung zu geben im Stande ist, ganz gleichgiltig sein kann. Draunschrveig, 20. Oktbr. Der allgemein verbreiteten Nachricht, daß Dr. Herzfeld wegen seiner Eisenbahnfahrt und der platonischen Freundschaft mit Blanka abgcsetzt werden soll, muß ich entschieden widersprechen. Die sogenannten Neumodischen und Aufgeklärten haben zwar sehr für einen t£/nJ3 gestimmt, weil, wie ste meinen, nur die Privatleute thun dürfen, was sie wollen, da sie für die Sabbatgcsetze nicht bezahlt werden; der Rabbiner hingegen, der für seine Gesetze, für seinen Glauben bezahlt wird, dürfe kontraktmäßig kein Gesetz übertreten. Stftem die Frommen suchten da§ Aufsehen und den Chillul Ha-Schem zu vermeiden und gaben sich alle nur erdenkliche Mühe die Sache beizulegen, was in der Thai viel sagen will, da der große Rabbi, den man schlechtweg pcnnn nennt, sich ungemeine Mühe geben soll, ein Schofel zu sein. Jndeß hoffen dieFrornmen, ihn bei einem richtigen Takte zu erhalten; denn wenn schon die platonische Freundin eine Berechtigung zur Extravaganz hat, so wird wohl der Rabbi noch auf den Rath mildgesinnter Mitglieder hören. So weit wollte ich die ominöse Geschichte berühren, um der Verleumdung zu begegnen. Aber was sagen Ihre Leser, worunter auch christliche, zu dem mobcrucn Judenthum? Bald müssen die Schaafe Zucht und Sitte dem Hirten predigen, die Zustände haben sich ganz umgekehrt; es wird vielleicht noch , dahin kommen, daß die Rabbiner wirklich die Sündenböcke der Gemeinden werden, d. h. daß sie für die Gemeinden die weltlichen und geistigen Sünden übernehmen, oder sie werden die Böcke werden, die man schickt. Zum Theil ist es schon dahin gekommen. Viele Gemeinden sind froh, wenn ihr Rabbiner über die DWU D'D' und die übrigen Feste aus ihrer Mitte scheiden, um dann gottgefällig die Feste begehen zu können. Wir haben Aussicht, daß auch unser Rabbiner diesen Fortschritt des modernen Judenthums annehmen wird. Nun noch eine literarische Neuigkeit. Hr. Dr. Herzfeld soll, wie ich höre, seine mV über pOTn mit der über den Nachweis, daß Eisenbahnfahrt am Sabbat für Juden ein Sakrament ist, zusammen in hebräischer Sprache drucken lassen, um der Orthodoxie die Augen zu öffnen. Eine talentvolle Jüdin Blanka wird dann diese ,,Rabbinischen Sachen" in Hexametern besingen. Es geschieht ohnehin so wenig für jüdische Literatur, daß man mit Freuden diesem platonischen Produkte entgegen sicht. — Frankfurt a. M., 12. Oktbr. (Nachschrift.) Der Versöhnnngstag ist vorüber und auch wir sind theilweise versöhnt. Hrn. Steins Vortrag erhielt im eigentlichen Sinne allgemeinen Beifall, d. h. bei den Zuhörern aller Farben und Nuancen. Als unrichtig in seiner Predigt müssen wir rügen, daß er darin, wie auch ein Korrespondent im ,,Israelit" jüngst gethan, den Versöhnnngstag über den Sabbat stellte, indem er diesen mit dem siebenten Jahre (rro^) und jenen mit dem fünfzigsten, dem Jubilatjahre verglich, wofür er die Bezeichnung „prüttf row" (Lev. XVI, 31. XXIII, 32) als Beleg beibrachte, was aber offenbar irrthümlich ist, da die nämliche Bezeichnung auch auf dem Sabbat angewendet wird (Exod. XXXI, 15. Lev. XXIII, 3) und dieser auch bekanntlich durchaus höher als der Versöhnungstag klassificirt ist. — Die auf Betreiben des Vorstandes noch kurz vor dem Festtage vorgenommene Modifikation des Gebetcprogranyns bezog sich auf die von Hrn. Stein vorher angcordneten deutschen Gebete, die, ohne Zweifel nur den Orthodoxen eineKoncession zu machen, größtentheits wieder verschwinden mußten. In Folge dessen wurde auch das rov HD gebetet, welches vorher mit einer deutschen Nachahmung aus Steins msn pun ersetzt werden sollte. — Dem poetischen moBW eo nbo und dem patriarchalisch gemüthlichen HDin hätten wir den Vorzug gegönnt vor dem *jmN, welches wie die meisten Produkte Simon-bar-Jizchak's*) nichts weniger als klassisch ist, und das man wahrscheinlich wegen seiner 44 ]H als ,,typisch" betrachtete, welches Wort, wie der hochgelehrte Stuttgarter Rabbiner in -der Rabbinervcrsamm'lung sehr gründlich erklärt hat, von zvTtrco herstammt, welches ,,schlagen" bedeutet. Vergessen Sie das bei Leibe nicht, geehrtester Herr Redakteur! Dumuseemis. MttDbsrch, 9. Oktbr. Am Sonntag dem 5. Okt. fand sich eine aus vier Personen bestehende Deputa- *) Derselbe ist bekanntlich auch Verfasser der Pijutiin über mn nw und die zehn Gebote, welche sich im Machasor von Pesach und Schabuot finden. Der Korr.

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