Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 43 (22.10.1845)
- Date
- 1845-10-22
- Page
- Spalte 681-682 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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681 i 682 Studien. Luzzatto über Kalir. LN (Mincha siir den Bersöhnungstag) eines im italienischen sogenannien römischen Minhag-ganz unbekannten Stückes) ein Italiener gewesen sei? - Ich komme nun zum Worte Kalir, und da meine ich, daß dies wirklich der Name des Vaters von unserem Dichter war, denn er zeichnet sich sehr viele Male *r6p 10*7Q Die Aussage aber des R. Schemuel, Korrektors des Buches Zuchasin (Konstantinopel), er habe im deutschen Machasor, Kerobot vom 7. Passalage gefunden, deren Anfangsbuchstaben HDD nnpD n^pH np>" 'DHD Hpta gewesen, ist sehr verdächtig, da er nicht einmal erwähnt, selbe m einem Machasor Ms. gefunden zu haben. In unfern Lagen wurden doch viele alte gedruckte und handschriftliche Machasorim aus der Dunkelheit gezogen, und trotz alles Such-ens und Forschens gelang es weder andern noch mir, diesen Pijut herauszusinden. Es ist freilich unläugbar, daß „nicht gesehen haben" nichts beweise, und auch R. Lam^) (K. Eh. VN. 31) erwähnt eines Pijut: Dp pIN 7 8) und noch sind wir nicht so glücklich gewesen, denselben zu sehen. Dem sei aber wie ihm wolle, selbst die Auffindung eines DVD, worin die Bezeichnung -}pp ^p^i •QH'Q’Hp^N vorkäme, würde meiner Behauptung, daß der Vater unseres Dichters Kalir geheißen habe, gar nicht schaden, denn er kann zwei Namen gehabt haben, oder npyi kann sein eigener Name und Kalir sein Zu- oder Beiname/und letzterer bekannter gewesen sein als der erstere, weshalb sein Sohn größtentheils -p^p 'Q'TQ sich zeichnet. Aber auch der Name Kalir ist babylonisch, und dessen Bedeutung (laut der traditionellen Erklärung des Verfassers des Aruch) Kuchen. Der Verfasser des Aruch erzählet uns nun, er habe vernommen, daß R. Elasar deßwegen ha- 'Kalir benannt wurde, weil er einen Kuchen verzehrt habe, worauf ein Amulet (Kami'a) geschrieben war, und dies habe seine Sinne' erschlossen und seine Geistesanlagen entwickelt. Vielleicht hat R. Natan die Anfangsbuchstaben der Verse der kalir ischen Pijutim nicht genau untersucht, und wußte nicht, daß nicht H^p.VHpbN sondern n^p ’Cn'Q Hp^N seine Benennung gewesen sei. Folglich ist Kalir nicht R. Elasar's Beinamen, sondern dessen Vaters Name. Allem die Tradition vom Amulet-Kuchen ist nicht erdichtet; denn es war Sitte bei den Atter, das Kind am ersten Lage seines Schulbesuches einen solchen Kuchen genießen zu lassen, und dieser ganze Gegenstand ist im Machasor Vitry §♦ 508, und im Buche Assufot (Ms. im Besitze meines Freundes des hiesigen Herrn Rabbiners M. S. Ghirondi) §. 382 ausführlich auseinandergesetzt, ferner machte, mich mein Freund, Herr O. 7) Herr Rapaport (R. Eh. a. a. O) glaubte in Bezug auf diese Worte, daß R. Lam den Kalir miDD Dp p)N benannt habe. Jedoch scheint Herr Luzzatto diese Worte richtiger zu erklären, da der Ausdruck -pW für Moses zu Kalirs Manier gehört. 8) Dies scheint eine Anspielung auf Moses, von welchem' es heißt (Num. 11, 12): Trage es in deinem Schoße, wie der Pfleger (pi^n) den Säugling trägt. D. D. H. Schorr aus Brody aufmerksam, daß eines solchen Kuchens auch im Nokeach §. 296, und im Kolbo §. 74 Erwähnung geschieht. Ein Gleiches fand ich selbst später im Mardechai am Schluffe des Abschnittes Erst vor Kurzem fand ich, daß auch die in Babylonien und Mesopotamien ansäßigen Syrer ihren Knaben Kuchen zu essen gaben, worauf Bibelverse geschrieben waren, und ein solcher Kuchen hieß bei ihnen Kalura (Nn^p). I- D. Michaelis schreibt hierüber in seinem Werke Lexlcon syriaeum folgendes: Crustum panis, super quod o rat i urteillain quandam scribunt Jacubitae, quae in Psalteris eorüm exstat, tum pueris tradunt comedendum. Der Verfasser des Aruch, R. Natan, ein Römer, hatte von dieser Sitte der Syrer und der Kalura, die sie ihren Söhnen zu essen gaben, gewiß nichts gewußt; wohl aber hatte er erfahren, daß R. Elasar von einem Kuchen, der/ er gegessen, und aus welchem ein Amulet geschrieben war, wodurch seine Sinne erschlossen wurden, den Namen Kalir erhielt. Wenn wir aber hören, daß die babylonischen Syrer diesen Kuchen im Gebrauche hatten, und ihn NHl'^p nannten, dürfen wir nicht daraus entnehmen, daß N. Elasar aus Babylonien sei, und daß die uns von R. Natan mitgetheilte Notiz nicht ganz falsch und gehaltlos sei, sondern daß R. Elasars Vater oder Großvater diesen Gebrauch des Kuchens den Syrern abgelernt, und einen solchen seinem Sohne zu essen gegeben habe, und der Vater dieses Dichters deßhalb Kalir genannt wurde, weil er der erste war, der die Kalura gegessen oder zu essen gab; und da zufälliger Weise R. Elasar (oder auch dessen Vater) offene Sinne hatten und große Gelehrte wurden, so ergab sich daraus, daß unsere Glaubensgenossen zu jenen Zeiten der Sachen des Kuchens Glauben schenkten, und daß dieser Gebrauch sich eine längere Zeit unter denselben erhielt. — Zu welcher Zeit aber R. Elasar gelebt habe, kann ich nicht bestimmt angeben; so viel aber scheint gewiß, daß er früher lebte als R. Saadja Gaon. Uebrigens wollten einige aus den Umständen, daß er in seinen Pijjutim zwei Mal von 900 Jahren Erwähnung thut, und zwar im Eingänge zu den Kerobot für den 9. Ab: eh üb *0 rHND MD! pDNK p, und im Klageliede ,-,pH2H M “p, wo er am Schluffe sagt Heran hjw nrprw ruty «tond Mnn HpHLN 'n *p entnehmen, daß seit der Zerstörung des Tempels bis zur Abfassung jener Gedichte 900 Jahre verflossen seien. Es scheint mir jedoch einleuchtend, daß der Kalir hier, wie schon rrDN'H S. 17 bemerkt, nur auf jenen Satz des Midrasch (,H2H äs'HpH Kap. 96) Bezug nimmt, worin es heißt: beinahe 900 Jahre war der Haß zwischen dem israelitischen Volke und ihrem göttlichen Vater unterdrückt, seit dem Lage nämlich des Auszuges aus Egypten, bis derselbe zu Ezechiels Zeiten aufgeregt wurde; und vjh^I p Ai *»D) bedeutet: daß Gott mein Getreide nicht gedroschen, daß heißt, seinen Zorn unterdrückt und Israel nicht gestraft hat. Der Kalir bediente sich ber Phrase in.! p &SH nach der Paraphrase des