Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 43 (22.10.1845)
- Date
- 1845-10-22
- Page
- Spalte 677-678 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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678 677 ' Studien. Luzzatto über Kalir. gewesen, und nach dem Orte Cagliari in Sardinien Kalir t benannt worden; und die. ausgezeichneten Gelehrten Rapap o.rt und Zu n z. stimmten ihm mit verstärkenden Gründen bei. — Zn den Jahren 1838 und 1839, trat ich jedoch gegen diese Behauptung mit Beweisen auf (K. CH. VI. S- 4 ff.), es sei nämlich sehr unwahrscheinlich, Italien für sein Vaterland anzugeben, und daß man ihn mit mehr Wahrscheinlichkeit für einen Deutschen oder Franzosen halten könne. Allein seit dem Jahre 1841 glaube ich, er sei aus Babylonien, wie sein Genosse R. Salomo Ha-Babli, der ebenfalls viele Pijutim in einer der Kalirischen ähnlichen Sprache versaßt hat. Und es unterliegt bei mir keinem Zweifel, daß die Neuerung, Pijutim zwischen den Gebeten einzuschalten, nur von den babylonischen Geonim ausgegangen sei (siehe Betulat bat Jehuda S. 10); eben.so war die Abfassung gereimter Pijutim eine wichtige Neuerung unter den Israeliten, und hätte sie nicht von den Geonim hergerührt, so würden sich die Israeliten in den übrigen Ländern solches nicht erlaubt haben. Auch wäre es unbegreiflich, wie die denPijutim eigenthümliche, schwierige und sonderbare Sprache, von der weder in der Mischna, noch im Talmud, noch in den Midraschim etwas Analoges vorkommt, sondern als eine neue Erscheinung dasteht, bei den Israeliten Aufnahme gefunden habe, hätte sie nicht in Baby? lonien unter der Herrschaft der Geonim, die auf alle in den verschiedenen Ländern zerstreuten Israeliten Einfluß ausübten, ihren Anfang gehabt. Allein was bedeutet der Name iso mp? — Im April 1841 hielt ich ihn für einen Beinamen der Stadt Pum-Badita; ich hielt mich hierbei' an das, was mein Freund der ausgezeichnete Rabbiner und Gelehrter, Rapaport scharfsinnig ausgemittelt hatte (Bikkure ha-Jttim 5592 S. 39), daß nämlich R. Chanancl Pum-Badita ynyi mp, d. i. ->22 mp genannt habe, da diese Stadt in der damaligen Zeit der Hauptsitz der talmudischen Gelehrsamkeit war, welche von dort aus sich überall hin unter die Juden verbreitete. — Allein im Juni 1844 hatte ich die Freude, daß mir wein erstgeborener Sohn Philoxenus im französischen Werke Le Monde primitif zeigte, daß daselbst neben Nehardea und Pumbadita eine Stadt erwähnt ist, Namens Sippara; der Verfasser meint, sie heiße so von nDD, denn die Chaldäer hatten daselbst eine große und ungesehene Akademie, und mein Sohn fügte hinzu, daß vielleicht dieser Ort Kalir's Geburtsort (->22 mp) sei. Nach mehrern Nachforschungen fand ich, daß der Astronom Ptolomäus in seiner Geographie in Mesopotamien (mrtt D">N) eine Stadt Naarda (d. i. Njmru) und dann eine Stadt Sip- .phara erwähnt. Ferner haben Eusebius und andere diese Stadt Sipparenon polis genannt und den BerosuS citirt, welcher erzählt Ksisutro, ^önig von Babylonien, habe zur Zeit der Sündfluth in dieser Stadt viele Bücher verborgen, weßhalb sie auch den Namen Büchersradt (Sipparenon polis m22,"r -py) erhalten habe. Nach dem Gelehrten Bocharr heißt, sie Sippara aus demselben Grunde wie Kirjat-Sefer, welches vomTargum mit mp tibertragen wird, .wegen der Archive (alrerthümlichen Bücher), die darin sich befanden. Auch Plinius erwähnt in Babylonien eine Stadt Hipparenum und zugleich deren Berühmtheit wegen der chaldäischen Wissenschaft, so wie auch die Zerstörung ihrer Mauern durch die Perser. Andere halten Siparenon polis, Hipparenum und Sippara für eine und dieselbe Stadt; wieder andere, worunter auch RosenmüLler und Gesenius, sie sei die Stadt Sesarwajim (m^p) j noch andere, sie sei -nD2 (Ende Obadja), endlich sagen einige, sie sei rTO2 (Gen. X. 30). Das sind nur Vermuthungen, bei denen es schwer ist auf die Gewißheit zu kommen. Jedenfalls ist zu entnehmen, daß in.. Babylonien nicht weit von Nehardea eine Stadt existirt habe Namens soso, und sie ist wahrscheinlich der Geburtsort das N. Elaser biribi Kalir, der sie hebräisch ->22 mp genannt hat. Vor Kurzem (Jänner 1845) gelangte ich käuflich um 24 fl. C. M. zu einem kostbaren alten Manuskripte aus Pergament, welches Ben Saruk's Werk und die Teschubot des Dunasch Ben Labrat über Menachem und die Teschubot des Dunas über R. Saadja Gaon enthält, gegen welche Aben-Esra im Buche 15p nö&y loszieht, Und aus diesen Teschubot des Dunasch über R. Saadja entnahm ich, daß auch R. Saadja G. manchmal m einem auffallenden Style schrieb, der mit 'dem Kalirischen Aehnlichkeit hat. Hier folgen Dunasch' eigene Worte: „Er (der Gaon) gebraucht "Hin Jom Hin, TVin von -nn, Dmin -oott nnNv Epi« von jjyfp. von yipiTjmcn'.-npa, nnia von rrix, mh von rn, nnnx VL'S)'! (von nn^l u. v. brat." (Sieh auch IN' N2N §4 74). Es ist demnach einleuchtend, daß R.Elafar's auffallender Styl in Babylon gebräuchlich war, und es w.ird wohl niemand glauben, daß R. S. G., Haupt der Jeschiba, diese Ausdrucksweise den europäischen Juden abgelernt habe. Waren doch letztere sämmtlich unter dem Einflüsse der babylonischen Lehrer, und willige Anhänger derselben! Es ist daher meines Erachtens klar, daß die kalirische Ausdruckweise in Babylonien aufgekommen sei, dort lebten auch die ersten Pajtanim: R. Jannai u. R. Elasar und nach ihnen R. Saadja G. welcher letztere einige Zeit in ihre Fußstapfen getreten, später aber sich von ihnen entfernte, und 'er vermied ihre Manier in seinen beiden unnachahmlichen Gebeten, welche in korrektem Style, ohne räthselhafte Metaphern und ohne Derasch abgefaßt sind. (Siehe Jbn-Esra Koh. 5. 1.). Freilich läßt sich noch von den Gegnern meiner Ansicht die Einwendung machen, daß wohl die Sprache der Pajtanim in Babylon entstanden, aber Kalir jünger sei als R. S. G. undvon letzterem und andern Pajtanim des Orients!gelernt habe. — Allein daß Kalir. später gelebt habe als R. S. G. kann ich mir unmöglich vorstellen;.) denn ich kann 2) Bekräftigt wird diese Vernmthung durch die Worte des Herrn Landauer, welcher im Orient nachweist, daß R. Saadja Gaon im Kommentar zum 'ü zu wiederholten Malen 43 *