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Der Orient · 1845-10-22 · 43 (22.10.1845) · p. Spalte 675-676

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
43 (22.10.1845)
Date
1845-10-22
Page
Spalte 675-676 (sequence 2)
Language
German
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675 ' Literaturbericht. — Luzzatto über Kalir. 676 Leute berücksichtigten dies oft zu spat. — 4) Jerusalem. Eine hebräische Zeitschrift, in zwanglosen Heften, von einem Vereine galizischer Gelehrter herausgegeben. 1. Heft, Zolkiew, 1844. 8. Saul Meyerhoffer. Galizien scheint unter allen Landern, wo Juden wohnen, das am meisten gottvergessene .und für alle Kultur und geistige Erhebung unfähige; Rußland selbst kommt mit der Ablegung der schmachvollen Kmchtestracht, mit der Einrichtung von Elementarschulen, diesem armen, an Unkultur aber überreichen Lande, vor» Auch in der Erstehung einer hebräisch-periodischen Zeitschrift bewährt sich diese Wahrheit; die Pirche zafon in Wilna sind früher erschienen, wenn gleich durch äußere Verhältnisse früher emgegangen, und selbst Deutschland, wo : die hebräische Productivität durch einen Hähern Kulturaufschwung untergegangen, hat, wie die zwei Jahrgänge des Zion beweisen, noch mehr Triebkraft als Polen. Ueberhaupt zeigt sich zwischen der Unmündigkeit der galizischen und russischen Juden ein merkwürdiger Unterschied; in Rußland ist es die Unmündigkeit des Knabenalters, in Galizien aber die des Greisenatterß. Doch kehren wir zu unserer Zeitschrift zurück Bei dem traurigen Zustande Galiziens ist es gewiß doppelt verdienstlich, wenn junge Leute sich zusammenthun, um ein periodisch-hebräisches Blatt zu gründen; denn nicht nur der Jndifferenrismus, die Noth und die drückende Armuth, sondern auch die greise vernünftelnde Ueberreife übt ihre entmutigenden Schläge und ihre bis auf ein Nichts zersetzende und zerstörende Kraft. Daß aber zur Gründung eines solchen Blattes mehr als^der Muth des. Unternehmens gehört, werden die Herausgeber jetzt gewiß schon erfahren haben. Der Muth der 'Enthaltung ist es, der den Herausgebern fehlt, und darum erliegen sie den Einflüssen, die begonnene Arbeit nach zwei Heften einstellend. Dieser ausdauernde, im Begonnenem, anhaltende Muth ist die Zierde der deutschen Juden; es taucht bei ihnen keine Begeisterung zu schnell auf, aber sie sind auch in ihrem Thun und Lassen ausdauernd und unermüdlich und die Begeisterung ist nachhaltig. Die Herausgeber hätten es jahrelang aushalten, mit großen Opfern nicht die geringste Unterbrechung ein treten lassen müssen; denn so würden deutsche Herausgeber verfahren haben, so selbst wenn sie. die Mittel dazu mühsam hätten herbeischaffen müssen. Auch wer in Deuschland etwas unternimmt geht nicht auf Rosen, aber die Ausdauer besiegt und siegt. — Was die Beiträge in dem ersten Hefte anlangt,, so sind die stylistischen Arbeiten von den Herausgebern/ Mar. Sam. Ghirondi, R. in Padua, Brecher in Proßnitz, Strelisker, das Exegetische von Blum enselb u. s. w., zwar .für die Belegung des Hebräischen gut, aber für ferne,, deutsche Leser ohne Werth. Die beste Arbeit ist unstreitig die über die cp-MD von Isaak Michel Monies, über die Pijjutkm von Mendel Mohr und noch Einiges, das aber auch etwas gründlicher hätte ausgearbeitet werden sollen, was um so mehr zu bedauern ist, als die Arbeitenden dazu die hinreichende Befähigung haben, 5) Jerusalem. Zweites Heft. Lemberg, 1845. 8., bei Jos. Schnayder. Mt der Uebersiedelung dieser periodischen 'Schrift von Zolkiew nach 'Lemberg,- hat sich auch Druck, Papier uud äußere Ausstattung vortheilhaft verbessert, was im Interesse , der Schrift nur erwünscht sein kann. Der Druck in Zolkiew bei Meyerhoffer ist wahrhaft abschreckend und das ästhetische Gefühl beleidigend; das schlechteste Papier wetteifert mit einem Drucke, den wohl kaum Anfänger dieser Kunst schlechter machen können; und da selbst in Galizien der Schönheitssinn nicht so abgestumpft ist, daß er nicht eine schönere Ausstattung für wünschenswerther halten sollte, so werden die Leser mir diesem Lausche gewiß zufrieden sein. In Bezug auf den. Inhalt sind auch die witgetheilten Aufsätze besser, wenn auch nicht gerade belehrender; den Aufsatz von Herwitz liest man mit Interesse, den Don Simson Bloch mit Wehmuth, unter den Gedichten sprechen die Gedichte von M. Strelisker und Dr. Natkes am Meisten an. Aber die hervorragendste, in Leiden.Heften beste Arbeit, aus der eine talmudische Belesenheit und ein gerader, historischer Sinn hervorleuchtet, ist die von Jakob Bodek angefertigte Kommentirüng des berühmten Sendschreibens Scherira's, aus welchem er eine große Partie mitgetheilt. Man muß den richtigen Lakt , der sich vorzüglich em historischen Elemente bekunden kann, um so mehr hervorheben, als viele seiner' Genossen die Befähigung zu solchen Arbeiten hätten, wenn sie nur durch einen historischen Blick daraufgesührt würden. Schade nur,Zdaß Herr Bodek blos den verderbten Text des Sendschreibens, wie er im Juchasirn sich befindet, zur Grundlage hatte. Jetzt könnte er einen besseren, der in dem erschienenen Chofes Matmonim abgedruckt steht , benutzen. — Neber Kalir. Von S. D. Luzzatto. JnS Deutsche atto dem Hebräischen ^übersetzt von Dr. Msses Ehrenreich, Rabbiner. In den frühern Zeiten glaubte man, daß der große Pajtan N. Elasar biribi Kalir aus Palästina gewesen sei (sieh' meine Citation der Worte des R. Lam im K. CH. ZU. S. 202). Allein in unfern Lagen stellte der verdiente Herausgeber des die Meinung auf, er sei ein Italiener 1) Wenn diese Übersetzung etwas schwerfällig ausgefallen, so ist es meinem Bestreben zuzuschreiben, der hebräischen Ausarbeitung meines geliebten Lehrers so treu als möglich zu folgen. Ich erlaube mir noch hier zu bemerken, daß alle hier angesügten Anmerkungen, zwei ausgenommen, die mit dem Ausdrucke: der Verfasser, bezeichnet sind, von.meinem Freunde, dem Herrn Osias H. Schorr herrühren, welcher nach Durchlesnug dieses Aufsatzes die Güte hatte, mir dieselben mitzutheilen.

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