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Der Orient · 1845-10-22 · Heft 43 (22.10.1845) · p. Seite 343

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 43 (22.10.1845)
Date
1845-10-22
Page
Seite 343 (sequence 13)
Language
German
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343 derartige Bestrebungen zmückweism, daß in Einer Gemeinde'eine so bedeutende Anzahl durch moralische Wurde, Stellung und Wissenschaft hervorragender Männer -ein solches Bckenntniß voll des Ernstes des Glaubens abgelegt? Und wie folgenreich ist ein derartiges Hervortreteu, wie ganz geeignet, den Muth in manchen Schwachen und durch die vielfachen Schwankungen und Bewegungen an sich irre Werdenden zu erhöhen und irr ihnen die Ueberzeugung hervorzurufen, daß die Sache, die noch solche offne Anhänger zählt, nicht als aufgegeben betrachtet und an ihren: ütncni Werthe und ihrer Erhaltung nicht gezweifelt werden darf! . Es that aber auch ein solches Hervortreten noth zur Bewahrung des Glaubens- Landes zwischen uns und den entfernten auswärtigen Glaubensgenossen. Sie hören von den Bewegungen in: Juderühum in Deutschland, es dringt zu ihnen der Ruf von Versammlungen, die von Rabbinern veranstaltet, für den Glauben sehr niederfchlagende Resultate liefern. Ein gänzliches Stillschweigen müßte ihnen als Ilebereiustimmuug und der deutschen Gemeinden gelten und müßten sie dieses als ein gänzliches Losreißeu betrachten: das Glaubensband würde aufgelöst und Brüder von Brüder für immer getrennt! — Und selbst in den Augen jener vielen Nichtglaubensgenossen, Lei denen religiöser Ernst wohnt und denen das Judenthnn: ein Ehrwürdiges ist, wie viel verlieren wir, wie viel verliert der Glaube, der von jedem AufklärungSversuche zurückgedrängt werden, vor dem ersten Anlauf zusammenstürZen soll? Mein schwaches Verdienst kann daher hier gar nicht in Beziehung kommen, sondern gilt Ihr Schritt der heiligen Sache und ist er von großer Bedeutung, da Sie die Ehre der deutschen Juden sowohl in den Augen Ihrer auswärtigen Glaubensgenossen als in denen Ihrer deutschen Mitbürger gerettet haben. . Wir haben noch einen Ernst des Glaubens; nicht nur zur Zeit der Noth, als wir von außen verstoßen und verdrängt waren, genügte es uns, wir hielten nicht nur an ihm, weil w,ir nichts Besseres kannten, sondern wir wollen es bewähren, daß er zu jeder Zeit unser höchstes Gut sei, er uns über alles gehe und uns zur Erfüllung der heiligsten Pflichten gegen Gott und Menschen unter allen Umständen beseele. Dieses Bekenntniß haben Sie, hochznverehrende Herren! und, wie Ihnen bekannt sein dürste, viele andere ehrenwerthe Gemeinden mit Ihnen abgelegt; es findet sich noch ein Glaubens- L'ern in uns und es werden die Geineiuden noch mehr zun: Bewußtsein, wie sie den Glauben zu wahren haben, gelangen. Und hierin-erblickt auch jeder Gntdenkende den Beginn zun: ferner:: Fortfahren und zur Abhilfe dessen, was uns noth thut. Es wurde schon seit langer Zeit geschwiegen: mag dieses geschehen sein im Gefühle der guten und gerechten Sache, die nicht der Worte bedarf, aber es kann nicht in Abrede gestellt werden, daß manche unserer edelsten Institutionen ihrem Verfall entgegen gingen, daß Vildungsanstalten für Rabbiner und Lehrer vermißt werden, daß es an Schuten fehlt, in welchen'der religiöse Sinn gepflegt und genährt werde, auf daß die einstigen Rabbiner dem Anfluge ungründlicher Aufklärung widerstehen, daß überhaupt geistliche Anstalten bei uns ganz darmederliegen und es höchst au der Zeit sei, daß die von: Glauben Durchdrungenen zusammentreten und ihren Eifer der heiligen Sache widmen. Wo Männer, wie Sie, beginnen, da wird vollendet werden: es bricht-ein freund-' sicher Strahl durch die düsteru niederdrückenden Nebel und es wird von neuen: die Hoffnung zur Gewißheit, Israels Glaube werde nimmer uuiergehen! Genehmigen Sie dee Zeichen der. tiefsten Hochachtung, mit der ich verharre, hochznverehrende Herren, dero ergebenster Dr. Z. Frankel. Dresden, 6! Oktbr. 1845." Franks. O.-P.-A.-Z. Oesterreich. Prag, 5. Oktbr. Herr Obcrratbiner R a p ap 0 r t erfreute uns gestern'mit einen: Wortrag in der Meiset- -synagoge, seit 4 Wochen der dritte, den wir von ihm hörten. — Wattn auch schon die ersten: überaus anziehend , und zeigten sie von Geist und Gelehrsamkeit, so verdient doch die gestrige den Vorzug. —Nachdem R., wie gewöhnlich, mit einem poetischen hebräischen Prolog den Vortrag eröffnete, begann er mit der Halacha, die voll schöner Gedankenblitze war, und ging dam: zur Hagada über, wo er sich die Hastara zum Texte wählte, und durchgehend eben so gediegen als scharfsinnig interpretirte, mit allein Freimuthe dem gemäßigten Fortschritte, von seinem Standpunkte offen huldigend, trat er wieder mit aller Schärfe gegen das nngesiüiue Vorwärtstreiben der unreifen Rctigionsverbesserer, denen die Reform blos ein jämmerliches Handwerk zu fein scheint, auf. — Dieser Reformtroß wird nun freilich wieder unfern Rap. verläumden, indeß werden sie Rapaports bereits fest begründeten Ruf dadurch auch nicht im geringsten zu schmälern im Stande sein. — Die Predig erstelle hier ist noch unbesetzt,-und die traurigen Folgen davon zeigen sich jetzt schon; unser Tempel ist in einem wahrhaft isolirteu Zustande, hier arbeitet die lächerliche Eitelkeit, Arroganz und Nachäfferei des einen, der jeder von ihm getroffenen neuen Einrichtung sogleich der Stempel der Narrheit an die Stirne drückt, dort der grenzenlose Jndifferentismnö der andern an den: Ruin unsres Tempels. Besäßen wir nicht in dem Vorstände tückstige Männer wie Fischet, dem wir schon in einem früher:: Berichte die vollste Anerkennung Wiederfähren ließen, P 0 t l a k, T a u ß i g re., Männer von ausdauerndem Eifer und wahrhaft frommen Sinnes, die die Erhaltung dieses Instituts als eine Ehrensache betrachten, wäre durch die Theit-

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