Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1845)
- Date
- 1845-10-22
- Page
- Seite 342 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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342 „Des Priesters Lippen verkünden Weisheit; Und wahre Frömmigkeit lehrt sein Mund. Ein Bote des Herrn der Menschheit ist er." in Begleitung folgender Adresse: „Was die hochherzigsten und edelsten Männer der Nation fordern, was andere Staaten längst „gewährt, was wir seit einer Reihe von Jahren zu erkämpfen streben — die Freiheit des Gedankens — ihr haben Sie auf dem letzten Landtag so warm als kräftig das Wort geredet." Sie haben in vorderster Reihe gleicherweise für die Entfeßlung der Presse, wie' für die Entfeßlung einer gedrückten und vielfach beschränkten Neligionsgenoffenschaft gekämpft. Wir suhlen uns zum Dank verpflichtet dem Manne, der durch des Wortes Zauberkraft den Geist der Unduldsamkeit zu beschworen, der der Humanität und dem Fortschritt den Sieg zu erringen, so eifrig bemüht war. Wir fühlen uns zum Dank verpflichtet dem hochwürdigen Diener der Kirche, der dem Geiste der Milde und der Duldung in der Frage der Israelitenemancipation volle Geltung zu verschaffen sich bestrebte. «Wenn wir es versuchen, diesem Dankgefühl Worte zu leihen, so folgen wir mehr einem Drange unseres Herzens, als daß wir hoffen , das ausdrücken zu können, was mit uns Lausende der so wohlthätig Ihren Worten Berührten fühlen." Genehmigen Sie rc. , Herr Prälat v. H. drückte in herzlichen Worten seine Uebcrraschung aus und seinen Dank für die ihm erwiesene Ehre; versicherte, daß seine Worte für Emancipation der Israeliten '.Erguß seiner innersten Ueberzeugung, in seinen religiösen Ansichten wie in den Resultaten seiner Forschungen in der Geschichte Lief begründet seien; für diese, wie für alle Ideen eines wahrhaften Fortschrittes werde \n immer eifrig kämpfen; er könne die auch ihm erfreuliche Erfahrung mittheilen, in seinen Kreisen immer zehn für die Sache der Israeliten freundlich Gesinnte gefunden zu haben, gegen Einen Gegner: er hoffe bestimmt, die K. Negierung werde Ln ihren 'Vorschlägen an die nächsten Kammern mir den liberalen Beschlußnahmen dieser gleichen Schritt halten, und schloß mit dem Wunsche (theitweise mit bereits öffentlich von ihm ausgesprochenen Worten), daß, wo noch ein Eonvolut von unvernünftigen und für die Israeliten drückenden Gesetzesbestimmungen bestehe, solche baldigst abgeschafft, daß allerwarts die Kendenz möchte herrschend werden, in der Gegenwart und Zukunft an den Israeliten das Weh zu sühnen, das sie Ln vergangenen Jahrhunderten erfahren. Frankfurt a. Mi, 10 Oet. Der Oberrablner Dr. Z. Frankel m Dresden hat auf die ihm von einer bedeutenden Anzahl hiesiger israelitischer Gemeindemitgtieder durch Vermittelung ihres vormaligen Oberrabbimrs Sat. Trier übersandte, mit einem Ehrcnpokal begleitete Dankadresse*) (Beilage zur „O.-P.-A.-Z. *) Die Adresseffe selbst, da sie bereits in allen deutschen Blättern stand, ist hier nicht ausgenommen worden. Red.' Nr. 260e *) folgendes A n t Wortsch r e ib en an die Adressanten gerichtet, welches schon durch seine warme und salbungsreiche GemnthlichkeiL Interesse erregen dürfte r „Hochwürdiger Herr Oberrabbinert Hechwohlgeborne Herren! Wohlgebome Herren! Ich habe für die Zeichen der Geneigtheit, die Sie in. Ihrer Addresse unter Ueberreichnng eines kostbaren Pokals auf eine mir höchst ehrenvolle Weise auösprachcn, keinen Ausdruck der Entgegnung, und sehe ich mich in Verlegenheit wie beginnen, um auch nur auf entfernte Weise meine hochachtungsvolle Anerkennung an den Tag zu legen. Doch ich will weniger auf mich zurückblicken, da die eigentliche Bedeutung dieser Zuschrift in dem Aussprüche und Hervortreten frommer, für den väterlichen Glauben begeisterter Männer liegt; und von diesem Gesichtspunkte aus, wo das Individuum in ein Allgemeines aufgehet und dasselbe nach seinem großem oder geringem Verdienst nicht in Betracht kömmt, muß diese Adresse gewürdigt werden. Sie sprechen, hochzuverehrende Herren! Ihre Entrüstung über die Weise aus, wie in einer in Ihrer Mitte gehaltenen Rabbinerversammlung über das, was uns am theuersten ist, abgesprochen wurde, wie wenig man die heiligsten Gefühle geschont amb nur der Accomniodation an die Zeit huldigend, man Positives und Historisches hintangesetztt Ich theile ganz diesen Schinerz und habe ihn unverhohlen ausgesprochen; und mag zwar auch die Strömung der Gegenwart und die Richtung, die sich allenthalben auf religiösem Gebiete kund gibt, diese befremdende Erscheinung etwas erklärbar machen, so ist doch ungemein betrübend, daß nicht die innige Liebe zum Glauben und die Begeisterung für dessen heiligste Interessen über derartige Einflüsse vorwältete und die Berücksichtigung, wie auf diesem Wege der Negirnng das ganze Judenthnm und alles Geosscnbarte uns abhanden kornmen müsse, sich nicht geltend machte. Doch liegt in dieser Weise des Reformirens, durch die das Glauben überhaupt in Frage gestellt wird, eine zu große Abnormität, als daß nicht seine Unhaltbarkeit bald erkannt werden müßte: es ist das Bedürfniß nach Positivem zu sehr mit unserem ganzen Wesen verwebt, ist das Göttliche in uns zu tief gewurzelt, als daß nicht selbst viele, auf die der Name Reform eine mehr als geziemende Gewalt ausübt, vor der Leere zurückschrecken werden, die zuletzt ihnen Zurückbleiben muß und die mit Worten und Verstandessprüchcn nicht ausgesütlt werden kann. Hub gewährt es nicht von der andern Seite eine ungemeine Beruhigung, daß die trefflichsten Männer *) Zur -Berichtigung einer in einem jüdischem Blatte mit aller Zuverlässigkeit hingestellten Behauptung wird hiermit erklärt, daß der f* Berichterstatter der O.P.A.Z. über die hiesige Adresse an Dr. Frankel nicht auch der der „D.A.Z." über denselben Gegenstand ist.