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Der Orient · 1845-10-22 · Heft 43 (22.10.1845) · p. Seite 344

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 43 (22.10.1845)
Date
1845-10-22
Page
Seite 344 (sequence 15)
Language
German
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344 nahmlosigkekt so vieler, auch die materielle Existenz dessel- £ctt schon bedroht. —. Ein solches Institut braucht einen tüchtigen Leiter, der alle die Klippen zu umschiffen versteht, ein Mann der That und nicht der Form, der selbstständig und willen skrästig genug ist, mn nicht erst rechts und links zu fragen und zu horchen, wir erwarfeit solches nur von ctmnu tüchtigen Talmudisten und Gelehrten, der in sich selbst Festigkeit genug hat. Wir müssen jedoch so billig sein und gcstehen, daß setzt, wo das Andenken an Dr. Sachs noch so lebhaft ist, die Besetzung dieser Stelle mit vieler Schwierigkeit verbunden ist, ja mau scheint sogar die Hoffnung noch nicht anfgegeben zu haben, Sachs noch einmal den nnsrigen zu nennen, und es ist gewiß, man würde auch die größten Opfer nicht scheuen, um ihn wieder zu gewinnm. — Am 1. d. M. starb hier nach' einer mehrmonatlichen Krankheit im 67. Jahre, Herr Salomon Löwi K u h, Handlungs - Repräsentant und Spital - Vorsteher. — Unsre Gemeinde erleidet durch den Hintritt dieses um unsre Gemeinde sehr verdienten Mannes einen schwer zu ersetzenden Verlust. — Das Leichenbegängnis; fand am 2. NcujahrStage anfeine den Verblichenen sehr ehrende Weise statt, fast alle Mitglieder der hiesigen Wohlthätigkeits-Gesellschastm, ein großer Th eil deS Handels stand e§, worunter viele angesehene christliche Kanfleute, folgten dem Trancrznge. -Kremsier, 7. Oktkr. -Die mährische Judenschaft hat die Anwesenheit Sr. kais. Hoh. deö Erzherzogs Franz Karl, der im Namen Sr. Majestät seit 4 Wochen Mähren bereist, benutzt, um eine Petition um Verbesserung ihrer Zustände durch eine Deputation gestern hierorts einreichcn zu lassen. Die Deputation war seit Sonntag den 5. hier versammelt und bestand aus den Herren Fasset, Rabbiner zu Proßnitz, Renda, Rabbiner zu Loschitz, Koritsch oner und Frankel, Vorsteher znNikolsbnrg und Hartmann hiesiger Vorsteher. Wortführer warNabb. F a sse l, der mit kräftiger Sprache den sehr traurigen Zustand der mähr. Judenschaft schilderte, mit scharfen Umrissen hervor hob, wie in dcnJu- . dengln, worin die Gemeinden eingepfercht sind, weder Professionen noch Künste emporkommen können, durch die Beschränkung der Fannlienzahl Unsittlichkeit und heimliche Ehen um sich greisen müssen, und schloß mit der demuthsvolten Bitte, Se. kais. Hoh. wolle mit gewohnter Huld und Güte den Tausenden treuer Unterthaneu iSrael. Glaubens in .Mähren einen Blick der höchsten Gnade zuwenden, die Bitte die sie vor den erhabenen Thron des allgcliebten Landesvaters zu bringen sich erkühnen, hutdreichst unterstützen nnd Sich dadurch ein ewiges und unzerstörbares Denkmal der höchsten Dankbarkeit setzen, in - unsere Herzen, und in die Herzen unserer Kinder und Kindeskmder. — War es schon an und für sich eitle große ausnahmsweise bewilligte Gnade, die Deputation der mährischen Judenschaft vorzulassen, indem Se. kais. Hoh. die Einreichung von Bittgesuchen an Seine Person sich verbeten hatte, so war noch die Art und Weise, wie der hochherzige Kaisersohn sie empfing ein glückverheißendes Omen. — Höchstderselbe den ganzen Tag beschäftigt, ließ die Deputation um 9 Uhr Nachts bei sich einführen , hörte hntdreichst ohne zu unterbrechen die ganze Anrede des Rabb. Fasset an, geruhete höchst herablassend eine Viertelstunde ungefähr mit dem Wortführer zu sprechen, wobei Höchstderselbe mehrere Fragen über die Verhältnisse der mähr. Gemeinden stellte, und gab die trostvolle Versicherung, das Möglichste für die mähr. Judenschaft zu wirken, und noch mit der huldvollsten Bemerkung, daß Höchstderselbe auch bereits den Israeliten Galiziens, und besonders denen zu Wien schon manche bedeutende Erleichterungen verschafft habe» Begeistert von dieser echt kais. Güte rief Rabb. Fasset? ,,Diese höchst trostvolle» Worte werden in allen Herzen der jüd. Unterthaneu ür Mähren freudig wicderhallen", welches wahrlich geschehen wird. — Den größten Dank für dieses zeitgemäße Unternehmen schuldet die mähr. Judenschaft dem sehr ehreuwerthen Hru. Kolisch aus NikolSburg. C'ö ist dieses der Mann, der thatig und unermüdet eine lobenswerthe Schule und eine großartige Anstalt zur Erlernung von Professionen für jüd. Knaben zu Rikolsburg gründen half; der Manu, der in der Neuzeit ans eigene Kosten ein jüd. Taubstummen-Institut ins Leben xief, und der sich auch noch duxch andere lobenswerthe Werke rühmlichst ausgezeichnet hat. — Es hat zwar vor ungefähr vierthalb Jahren der Rabb. Fasset den ersten Impuls zu einem derartigen Schritte gegeben, in Folge dessen von den mähr. Gemeinden Deputirte zur Austragung dieser Angelegenheit gewählt wurden; aber diese Herren Deputaten haben sich Vollmachten, statistische Tabellen über alle Zustände der Gemeinden, und wer weiß waS noch geben lassen, aber, durchaus nicht das Geringste gethan. Vor ganz kurzer Zeit endlich unternahm Hr. Kolisch eigens eine Reise in die wahr. Gemeinden; und hat, begleitet von dem göttlichen Beistände, diese wichtige Angelegenheit neu belebt, und so das beschriebene Resultat zu Stande gebracht. Möge der Segen Gottes diesem würdigen Mann dafür werden, sowie ihm der tiefgefühlte Dank der mähr. Judenschaft geworden ist. Verlag von C. L. Fritz sche. DruL von I. H. Naget.

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