Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1845)
- Date
- 1845-10-22
- Page
- Seite 341 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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341 er aber bitten, alle Demonstrationen gegen eine „gewisse" Seite hin heute zu unterlassen, damit man nicht von Agitation sprechen könne und die reinsten Absichten verunglimpfen. Er werde fortfahren, auf dem Boden des wahren konstitutionellen Lebms zu kämpfen. Zum Schlüsse verlas er noch eine Stelle aus seiner motivirten Budgetabstimmung. Den Israeliten erwiederte er ihren Dank im Sinne seiner in der Kammer ausgesprochenen Grundsätze für Emancipation derselben. Im Gasthofe zum Hecht war in zwei Sälen ein Festessen, von mehr als 300 Gedecken, in einem Saale für die Christen, im andern für die Juden veranstaltet. Die Adressen ein Festgedicht von A. Elsäßer und der Ehrenpokal waren zur freien Ansicht aufgestellt. Fröhliche Einigkeit, munterer Witz, allgemeine Zufriedenheit waren die Würze des Mahls. Es folgten hierauf mehrere Toaste, wie von Herrn Staatsschultheiß Haas von Bopsingen, von dem Herrn Abgeordneten selbst, von Herrn StadLschultheiß Wetter aus Neresheim, von Hrn. Posthalter Ens len und von dem israel. Lehrer Hrn, Elsäßer. Ueberhaupt warm die Toaste zahlreich, auch unseres wackern Beiel's wurde in Liebe gedacht; ein evangel. Geistlicher sprach über die Macht der Einigkeit. Abends brachten 150 Bürger aus Bopsingen und Oberdorf, der Liederkranz von Bopsingen und viele Theilnehmer aus dem Wahlbezirk einen Fackelzug; der Liederkranz sang mehrere Lieder. Gerade sollte der Festball beginnen, als der Wächter Sturm blies; in dem nahegelegenen Pflaumloch war Feuer cmsgebrochen und viele sehr thärige Theilnehmer des Festes waren von dort. So Härte dieses Fest fast ein tragisches Ende genommen; doch kam bald die beruhigende Kunde, daß nur eine Scheune und ein Wohnhaus abgebrannt sei. Bis in den Morgen hinein währten Sang und Tanz, die neue, Morgenröthe Lachte schon den Heimkehrenden zu; wöge auch der Freiheit Morgenrot!) bald leuchten. Die isr. Adresse lautete: Dem Abgeorneten des Oberamtsbezirts Neresheim, Herrn Oberr-Justizrath Holziwger. Verehrter! Berufen, Recht zu sprechen und zu üben, haben Sie der inneren Stimme treu — auch in der Ständeversammlung für die Forderungen der Gerechtigkeit gekämpft. Durchdrungen von dem Geiste der Verfassung, haben Sie die hohe Aufgabe des Volksabgeordneten darin gefunden, zu wirken und zu streben, daß Jedem im BoEe sein Recht werde, damit Alle sich immer fester anschließen dem Vaterlande, dem König, dem Grundgesetze. Ihnen für diese ruhmwürdige Lha'tigkeit Anerkennung und Dank darzubringen sind auch die Israeliten des Landes besonders verpflichtet. Als Mitglied der Ständeversammlung, als Berichterstatter der Kommission in der Abgeordnetenkammer haben Sie mit der Gründlichkeit und Geistesschärfe, die Sie anszeichnet, nachgewisen, wie die Rechtsungleichheit, welche gegenwärtig auf uns lastet, demGesammtwohle eben so nachteilig ist als den Forderungen des Rechts und der Zeit widerstrebend. Der Ruhm, den die Stände unseres Vaterlands erworben, treugeblieben zu sein dem Geiste der Gerechtigkeit und der Humanität in einer Frage, vor welcher der gerühmte Freisinn anderer Kammern, auch in neuester Zeit wieder trübselig verstummte, .Ihnen, Verehrter, gebührt er zu einem wesentlichen Lheil. Gewiß, es ist Ihnen das ein schönes und erhebendes Bewußtsein bei dem Rückblick auf Ihre ehrenhafte Lhätigkeit am letzten Landtage. Gute und edle Menschen tragen den Lohn ihrer Thaten in sich. In freiem Gemeinwesen ziemt es aber für eine ruhmwürdige öffentliche Wirksamkeit auch öffentliche Anerkennung und Verehrung auszusprechen. Dieser Pflicht entsprechen wir heute, indem wir dankerfüllt anerkennen, daß Sie dem Biedersinne unserer christlichen Mitbürger, dem Rechtsgefühle des edeln schwäbischen Volksstammes in der Sache der Emancipation der Juden geistvolles richtiges Organ gewesen und wie wir der freudigen Ueberzeugung leben, daß Ihr einflußreiches Wort auch auf dem nächsten Landtage gehört werden wird, wenn die König!. Staatsregierung vervollständigend die Rechtsgleichheit, die unser geliebter König vor Jahren schon uns gewähren wollte, und entsprechend dem jetzt ausgesprochenen Wunsche der Volksvertretung, auch ein Gesetzentwurf in der bezeichneten Richtung zur Verabschiedung vorgelegt wird, so mögen auch Sie hochverehrter Herr mit Gewißheit vertrauen, das; IhrNamen fortleben wird in dem Dankgefühl aller württembergischen Israeliten. Empfangen Sie mit wohlwollender Nachsicht den Ausdruck der verehrungsvollm Anerkennung, welchen wir die Ehre haben Ihnen darzubringen. Im Namen und im Aufträge der sammtLichen Würtemberger mosaischen Glaubens: M. W e n ed i k r. B. Holland. Kirchenrath Maier. Dr. Dreifuß. Kolleg.-Aff. Dr. Weil. Pfeifer. Rechts-Kons. Jordan. Hofrath Kaulla. Hofagent S. I. Kaulla. S. M. Kaulla. Rechts-Kons. L. K a u l la. M. Kaulla. Heilbronu> 26. Sptbr. Der hiesige israelitische Leseverein, der seine jährliche Generalversammlung im Monat September abhält, beschloß bei der diesmaligen Zusammenkunft einstimmig, dem Herrn Prälaten v. Hafner, in Anerkennung seiner ständischen Wirksamkeit, einen silbernen Pokal nebst Adresse zu überreichen. Da der Verein-, gegenüber von andern Vorgängen dieser Art, doch einmal in der Zeit spät daran war, so wurde ferner beschlossen, mit der Ausführung bis auf den Vorabend des Gcburtsfestes unseres Königs es anstehen zu lassen. Dem zu Folge begab sich eine von dem Leseverein gewählte Deputation heute zu dem Herrn Prälaten von H., überreichte demselben einen schön gearbeiteten silbernen Pokal aus der Fabrik von Peter Bruckmann, mit der Inschrift (nach Mal. 2, 7.)