Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1845)
- Date
- 1845-10-22
- Page
- Seite 340 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2360092-2360364-2360408--5164-3531697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
340 recht erbaulich zü schimpfen. Dabei cttirfc er zu Ehren des Hm. Adler in WormS eine Skandalstelle aus dessen Schriftchen, worin K. von Adler und dem >?- Korrespondenten der Vorwurs gemacht wird, er K., habe schon einmal niDlß gegessen! gnelle lwMnr! Einst, so versichert 3 t.*), sei er mit K. auf dem Fuße inniger Freundschaft gestanden. Damals habe er, A., da er noch keine Anstellung als Rabbiner gehabt, ND"D gegessen, und da bei der damaligen Freundschaft nicht zu erwarten gestanden, daß je einer der beiden Freunde das zwischen ihnen herrschende Vertrauen misbranchen tntb verrathen würde, so habe auch K. an der Mahlzeit Lheilgcirommen. Jetzt aber, da die Umstände sich geändert, verrathe er das Vertrauen hiermit dennoch I . . . Und dieser Adler predigt seinen Zuhörern. allsabbatlich ohne Zweifel Tilgend, Liebe, Treme, Edelmuth und alles Mögliche! . . . . Und gleichzeitig hat^Hr. Stein, in erster Instanz abgewiefen, fernen gar vielberüchtigtcn - Prozeß in zweiter Instanz anhängig gemacht und prozessirt darauf toS l . . . Gott bessersl . Vrmui566mi8. FrcrrEftrrt' er. M., 14. Sptbr. Als vor einigen Monaten die „Hanauer Zeitung" (Nr. 158), und nach ihr einige andere Blätter die von Herrn Rabbiner Stein vor dem konigl. baierischm Kreis- und Stadtgericht Würzburg ofst'ciell geltend gemachten Ansichten und Gntndsätze über die jüdischen Spei'segesetzc, oder das sog. Trefa-Essen, der aktemnäßigen Wahrheit getreu, wiewohl nur in unvollständigem Auszuge, berichtet hatten, da erregte das Bekatlntwerden jener unzeitgemäßen Aeußerungcn des Rabbiners im Schooße der hiesigen israelitischen Gemeinde ein nicht geringes Aufsehen (vergl. Beil, zur H. Z. Nr. 162) und es soll in Folge dessen geschehen sein, daß. Hr. Stein am 21. Juni eine donnernde Philippika von der Kanzel der Synagoge herab gegen die -— Verleumder (!) angestimmt. Wenn nun aber die Urtheilsfähigern unter den Anhängern Steins keineswegs mit dem vermeintlicheu Triumphe des Predigers über die ihn in dm Augen der Fortschrittsfreunde blosstcllenden Journalberichte sich freuten, vielmehr, um denselben vor dem Vorwürfe des Kanzelmisbrauchs zu wahren, die Behauptung geltend machten, jene Predigt und die Besprechung der Zeitungsartikel in den hiesigen Gesellschaften seien nur zufällig zusanmlengetroffen.., so hat Hr. Stein in seiner gestrigen Predigt vom 21. Juni thatsächlich widerlegt. Von einemEneuern, allgemein.— auch außerhalb des Weichbilds unsrer Stadt — verbreit teteu Gerüchte Weralüassuug nehmend, erklärt^ Hr. Stein gestern auf der Kanzel zum nicht geringen Erstaunen der zuhörenden Frankfurter und der zahlreichen jüdischen Meßgäste, in möglichst harten Ausdrücken, er habe in keiner ihm bisher bekannt gewordenen Gemeinde die *) Vermutlich auf sein Ehrenwort! Verleumdungssncht so ausgebreiteL und allgemein gefunden als in Frankfurt. Die anwesenden Vorstandsmitglieder waren etwas verblüfft über diese. Kauzelberedsamkeit, die nicht undeutlich an den erbaulichen Schluß der derben Predigt jenes Pfarrers im Dorfe E. erinnert, dem von seinem Acker einige Rüben weggekommen warm und der seine Gemeinde apostrophirie: ,,Ch rist e n jvollt Ihr sein? R ü b endieb e seid Ihr! In den Himmel lvollt Ihr? Ins Hnndeloch sollt Ihr! Der T..... soll Euch holen! Amen!" — Da Hr. Stein nun schon, einige Mal bewiesen hat, daß er die Kanzel für den schicklichen Ort hält, umseine Privatstreitigkeiten da auszusechten, so soll der israelitische Vorstand, wie man aus ganz sicherer Quelle vermmntf, in diesem Augenblicke ernstlich auf Mittel bedacht sein, Aehnlichem für die Zukunft vorzubeugem. H.Z. Bv'pftttgett, 22. Sept. An der baierischen Grenze, m dem von Feudallastcn schwer gedrückten Oberamte Neresheim, will ein freies politisches Leben nicht recht aufkommen, denn ein Jeder hat so viel vor der eigenen Thüre zu kehren; heute aber ist doch aus Veranlassung des dem Herrn Abg° Holzinger, namentlich wegen seines Wirkens für Freiheit des Grund und Bodens, gegebenen Festes ein etwas lebendigerer Geist erwacht. Um 7 Uhr in der Frühe fuhren vor dem Gasthoft zum Hechte die Wagen auf, die den Abgeordneten 'in Lauchheim abholten, eine Deputation von Christen und Juden war dazu bestimmt und noch viele Verehrer des Abgeordneten schlossen sich an. Die Musik auf einem Gesellschaftswagen voran, bewegte sich der Zug, aus 9 Chaisen bestehend, mit Kränzen und schwarzrothen Bannern geschmückt, durch einige reitende Bäuerlein eskortirt, die Straße gm Lauchheim zu. Dort angelangt, überreichte, nach gegenseitiger Bewillkommnung, Rabbiner Adler von Oberndorf, im Namen und aus Auftrag einer Anzahl Israeliten des Oberamts, dem Abgeordneten, als Zeichen des Dankes und der Anerkennung seines ständischen Wirkens einen silbernen Pokal. Der würdige Rabbi sprach rührende Worte des Dankes, wünschend, daß dies „der Becher wes Heils" werde. Der Abgeordnete sichtlich ergriffen, erwiederte sehr bescheiden, ablenkend von seinem Verdienste, hinweisend auf die Zukunft und was zu thun noch übrig bleibe. Auf dem Nathhause wurde der Gefeierte empfangen und ihm bei offenen Thüren unter Anwesenheit des Bezirksbeamten eine Dankadresse der Wühler, von Stadtschultheiß Haas aus Bopfingen, und eine sämmtlicher Württemberger mosaischen Glaubens, von Rabbiner Adler überreicht. — Der ALg.. sprach in gewohnter Kraft und Fülle seinen Dank aus, es. überrasche ihn dieses Fest, die einstimmige Wahl habe ihn sehr geehrt, , er habe auch dieses Zutrauen zu rechtfertigen gesuck)t, sein Wahlspruch sei aber „einfach, wahr und recht," die Einfachheit sei beim heutigen Feste überschritten worden, nach Wahrheit und' Recht ringe er stets, er könne die Hand auf's Herz legen und es bezeugen. Dringend und inständig müsse D» Korr.