Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1845)
- Date
- 1845-10-22
- Page
- Seite 339 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2360092-2360364-2360408--5163-3531696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
339 hiesige Gemeinde „an die beregte Versammlung erlassen haben fett". Diese Behauptung ist nicht anders zu verstehen, als daß die ganze hiesige Judengemeinde sich mit der christelndeu retrograden Richtung und dem Wirken der Rabbiner: einverstanden erklärt haben, und leider mußte ich selbst erfahren, daß rnan mir, als einem Mitgliede der Gemeinde eine solche in meine:: Augen ebenso verwerfliche als. lächerliche Gesinnnug in dieser Hinsicht unterstellte. Es ist mir em gedrucktes Exemplar jener sog. Adresse zu Gesicht gekommen. Es kann also Niemanden einsallen, ihre Existenz in Zweifel zu ziehen, ebensowenig, daß sie von mehren Gemeinde-, meinethalben auch von allen Vorstandsrmd Ausschuß-Mitg liedern unterzeichnet worden sei; zugestohcri aber kann weder ich mich sonst irgend ein andrer Wahrheitsfreund, diese Zuschrift sei, wie Sie sich anszudrückeru belieben, von der Gemeinde ausgegangen. Ein Theil der Mitglieder und alte Theilnehmer an der Verwaltung, schwerlich jedoch waren letztere alle unterzeichnet, und wenn auch, so hat ihre Unterschrift in Sachen des Gewissens und der Ucberzeuguug höchstens für Sie Geltung. — Die Gemeinde und ich ersuchen Sie hierdurch, die in Rede stehende für so viele Nichtunterzeichuete undbesonders für mich höchst verletzende und in der öffentlichen Meinung nachtheiiige Behauptung auf demselben Wege wie Sie sie in das größere Publikum zu bringen für gut befunden, unverzüglich zu berichtigen, damit ich nicht genöthiget sei, zu Wahrung meiner Ehre durch alle mir zu Gebote stehenden Mittel gegen diese Beeinträchtigung derselben selbst zu Wirkern Ich bin re. (gez.) Jsaak Trier. ''Frankfurt a. M., 10. Oktbr. So ebenerfahre ich, daß der Vorstand an dem Gebete-Programrn auf 3*rp noch einige Aenderungen vorgenommen, vbschon ersteres bereits vor n"") veröffentlicht worden. In welchem Sinne, oder nach welchem Princip die Anordnungen vcrgenommen worden? Diese Frage gehört hier zu den naseweisen, verbotenen. Es ist auch gerade nicht nöthig, bei Allem-, von Principien auszugehen; wer kennte denn sonst Rabbiner oder Vorsteher sein? Daß „die Gebete um Wiederherstellung des jüdischer: Reichs und des blutigen Opferkultus" auch nach diesem Programm beibehälterr worden, wie sie überhaupt dermaler: noch in unfern Gebeten ihr Bürgerrecht behaupten, das verstößt freilich cinigermaaßen gegen die prahlerischen und poetischen Versicherungen des Präsidenten der N.-V. in seinem Resume; aber es wird hier zu den Erfolgen des religiösen Fortschritts gezählt, daß man ganz im Geiste der R.-V. an die Konsequenzen der *) Erinnert dies nicht an jenen Deputaten, welcher, zur großen Belustigung einer deutschen Kammer, seine Rede mit: „Nichtsdestoweniger" begann? Der Korresp. eigener: Aussprüche und Beschlüsse nicht gebunden ist. Und weil mar: benn überhaupt genug aufgeklärt ttnb „fortgeschritten" ist, um der Prineiyien entbehren zu können, darum wurde das sogenannte „Wechseln", d. h. das sonst übliche Vertauschen mancher Pijutim und Verlegen derselben vorn erster: Tag auf den zweiten und umgekehrt, welches voriges Jahr am rin, weil der erste Tag ein Sabbat war, üblichermaaßeu stattfand, auch dieses Jahr beibehälterr — was freilich blos lächerlich ist — darum beginnt auch der Gottesdienst heute Abend mit einen: „Uu d" (rte^ *), einem Schweift, der wohl zr:r Erinnerung ar: den ihm abgefchuitterren •>Ttf ^0-Kopf übriggeblieben; d arum wurden ergreifende Gebctstücke wie Dn* non ausgelassen, und dagegen das kauderwelsche wrna*'*]nw mit den musikalischen -Refrains in das Programm ausgenommen; darum wurde das tiefrührende rav HD bwn kassirt, um dem mit nmno nitfJJD ungefüllten tin Raum zu geben, non 'hrix 'il gestrichen, um Stücken wie naw, -jnDW' nttfN der: Platz ciuzuräurueu, wobei das Ethischcrhäbeue dem Kabbalistischen das Feld räumt; ja, darum mußten unsere schönen und einfachen Eebetstücke abgeschafft werden, um der weitläufiger: und umständlichen Enumeration der ehemaligen Vlutopftr- und Rauchergeschichter: in ihrer ganzen langer: Ausdehnung (ro :c.) die Zeit und — die Andach t? — zu reservireu! O es ist nichts leichter, als der: Geistlichen spielen, wo Prineiplosigkeit und Unwiffenschaftlichkeit daS Zepter führen, und dieHauptsache eigentlich vorn — S chnei der gcthan wird, der Tälar, Baret und sonstigen Ornatkram stets zeitgemäß und eomme 11 laut liefert! — Um das Hebräischbeten recht verleidet zu bekommen, mußte ich auch noch am rfn verurteilt sein, mich irr der Synagoge eines H e i rr e m ann'scheu M a ch a s o r s. zu bedienen. Es ist in der ThaL jammerschade, daß die vorzügliche Ueberfttzurrg Heiuernauus, wohl durch Nachlässigkeit deS Verlegers, mit einem so unter aller Kritik fehlerhaften urrd einem Korrekturbogen gleichenden Texte zusammen in die Wett geschickt werden mußte! Ich habe doch in meinem'Leben schon gar viele unkorrekte Ausgaben vor Augen gehabt; aber gegen dieses Pfusch- und Sudelwerk sind alle Ausgaben vor: Sulzbach, Homburg von der Höhe, Frankfurt ar: der Oder re. lauter Elze- -virianaei — Und dazu HeinemannS schöne Uebersetzuug. „DaS ist das Loos des Schönen aus der Erde!" Noch eine originelle Neuigkeit, die freilich eben auch nicht zu den Seltenheiten gehört. 'Der famose Korrespondent des „Israelit", in feinem bekannter: Eifer und Harrg für persönliche Zänkereien und Ktatschgeschichteu, macht Hrn. Kirchheim in Nr. 41 des genannten Blattes expreß zürn Verfasser der hiesigen Adresse an Frankel, um so von dem PriucipstreLt ab und in gewohnter Weise auf Hrn. K'S. Person zu konunen und l 43*