Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1845)
- Date
- 1845-10-22
- Page
- Seite 338 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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338 der angebliche Kläger/ protestirte sofort gegen diesen Misj brauch seines Namens, konnte jedoch sonst nichts zu Gunsten der Gefangenen erlangen als die Erlaubmß, sie aus seinen Mitteln mit Lebensbedürfnissen zu versehen, was er mit großer Bereitwilligkeit thut. Auch gelang es diesem braven Manne, den Gefangenen Schreibmaterial zu verschaffen ttnb einige Briefe von ihnen — wovon ich Ihnen einen im Originale znsende -— an ihre Frauen und Freunde zu bestellen. Möchte die kompetente österreichische Behörde auch diesmal wieder auf dem Wege der Pubticität dasjenige erfahren, was auf anderm Wege schwerlich zu ihrer Kcnntniß kommen durste, da Piusker und Konsorten, Menschen die vor keinem Mittel zurückschrecken, alte Vorkehrungen getroffen haben, um den Hilferuf der Unglücklichen nicht zu den Ohren ihrer rechtmäßigen und mächtigen Beschützer gelangen zu lassen! — Den Umtrieben der Chasidäer in Holland und Syrien zum Trotz ist cs endlich Herrn Abraham S. Salman Sephard: dahier, von Montefiore in London und Rothschild in Frankfurt und Paris unterstützt, gelungen, ein jüdisches Hospit a l hier zu gründen. Sir Montestore wird demnächst dahier erwartet, wo er, sowohl was das Hospital als was die sonstigen innern Angelegenheiten seiner diesseitigen Glaubensgenossen betrifft, an Ort und Stelle die nöthigm Erkundigungen persönlich ^einziehen und, soviel bei ihm steht, vielen Mängeln und Beschwerden Abhilfe verschaffen wird. (Fr. O.-P.-A.-Z.) Deutschland. Frankfurt er. M., 10. Oktbr. Die Adresse an Dr. Frankel, hervorgerufen durch die unwahre Behauptung in dem Resumö des Präsidenten der zweiten R.-V., als habe ,,die hiesige israelitische Gemeinde" der Versammlung ihre Huldigung dargebracht, wird von den Anhängern des Injnsle milieii häufig als ein Werk der Orthodoxie, oder, nach dem allerneusten Ausdruck des „Israelit", der polnisch-rabbinischen Dissideute ll*) dargestellt. Man muß so sehr vorn exaltirten Moderatisums verblendet sein, wie gewisse Herren, man mußgleich einem der Ihrigen, aus purer Liebe zur Toleranz und zum „gemäßigten Fortschritte", öffentlich die fanatische Aeußerung wagen: „Solche Schufte (wie die Schriftsteller, welche sich gegen die R.-V. civs klären) sollte man ver'bLernreN!" — mit Einem deutschen Worte, muß eben'ein Haus-Narr seiu mit unfern modernen Handels- und Auto-da-Fe-Männern, um bei offenen Augen noch immer nicht einzusehen, daß *') Dissidenten! Schöner, wahrhafter Gedanke! Warum nicht gar „Permissionisten" oder „Fremde"? Das wäre doch wenigstens echt frankfurtisch-alt- und neujüdisch! Der Korresp. die R.-V. keiner Gesinnung genügt hat, daß sie wohl einer Partei als Feldgeschrei dienen, aber, wie gesagt, nie irgend eine Gesinnung vertreten oder befriedigen konnte, weil sie eben selbst gesinnungswie gemüthloS gehandelt, weil der Geist, der sie beseelte, weder der Rechten noch der Linken angehört, weder Fisch noch Fleisch, weder gläubig fromm noch wissenschaftlich erleuchtet, weder gottselig noch vernunftgemäß, sondern lediglich der spukende Geist der Ren o rum ist er ei war, der sich unbedingt in jeder MaSke und-Rolle gefiel, wenn sie nur puffte und krachte -und dampfte ititb Funken sprühte, mochte auch das Ganze nur auf den Spektakel eines Feuerwerks hinaus! aufm, wo auf das Puffen und Krachen und Dampfen und Leuchten das — Platzen mit seinem Gestank und der nachfolgende!: tiefen Finsterniß unmittelbar und unvermeidlich folgt. -— Lange schon vor der Adresse an Frankel erregte jene dreiste Versicherung, daß die hiesige israelitische Gemeinde der R.-V. den Hof gemacht habe, den Unwillen vernünftiger Mitglieder dieser Gemeinde, und es ging Hrn. Stein von einem solchen Mitgliede, das weder Familie noch der religiösen'Richtung de§ Hru.Rabbiners S. Trier angehört, folgende P r o t e st a t{o it zu, die Hr. Stein durch das uneröffnete Zurncksenden derselben keineswegs ungeschehen zu machen vermag: P. P, Sie sollen, wie man mir erzählt hat, in Ihren Synagogenvorträgen häufig den Wunsch ausgesprochen haben, man möge Angelegenheiten der Juden oder zwischen Juden nur im hösten Nothfalle oder gar nicht zurKenntuiß unserer christlichen Brüder bringen. Obgleich mm meiner Ansicht nach eine solche Heimlichthuerei unter Brüdern nur sehr nachtheilig und verwerflich sei, cs auch scheinen will, als wünschten Sie dieselbe nur in den Fällen, wo Oeffentlichkeit etwa Schatten oder zu Helles Licht auf die ehrwürdigen jüdischen-„Geistlichen" oder deren Treiben werfen könnte, während Sie sich gar nicht scheue!:, die erhobene Genossenschaft, zu der sie gehören, und ihr Wirken vor den "Ohren der ganzen Christenheit, wenn Ihre Stimme es vermöchte — zu beloben, so will ich doch mich hier einmal versuchsweise zur Befolgung Ihres Rathes herbeilaffcn, zumal da ich mich an dm zu wenden habe, der den Grundsatz der Verheimlichung ansstellte, und der ihn also, wenn irgend möglich, auch zu ehrenvoller Anerkennung bewegen wird, und abwarten, was dabei herauskommen mag. — Nun zur Sache: Sie geben in Nr. 211 der „Didaskalia" einen Abdruck der von Ihnen am Schlüsse der jüngst hier stattgehabten Versammlung einiger Rabbiner gehaltenen Rede, worin Sie nach Aufführung der herkulischen Arbeite!: und menschheitbeglückendeu Leistungen jener Talmudgelehrten einer glänzenden Adresse erwähne::, welche die