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Der Orient · 1845-10-15 · Heft 42 (15.10.1845) · p. Seite 334

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 42 (15.10.1845)
Date
1845-10-15
Page
Seite 334 (sequence 11)
Language
German
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334 eine Gemeinde , in der es bereits viel Heller und lichter geworden, die bereits einen Gottesdienst mit Choralgesang eingeführt und einen musikalischen Kantor angestellt. Es ist daS die Gemeinde Mislitz. Sie haben dort mit Ausopferung ein herrliches Gotteshaus erbauet und Herr M a n n h e i m c r weihete dasselbe durch seinen begeisternden Vortrag am 5. Juni 1845 zum Tempel Gottes. Auch ist die Gemeinde bestrebt, eine Urilerrichtöanstalt ins Leben zu rufen, (wozu ihnen der Segen Gottes nicht fehlen möge,) und der Herr Rabb. Lamberg trägt sein Möglichstes bei zur Verherrlichung Gottes. Diese Gemeinde kann allerdings zu den intelligentern in Mähren gerechnet, und es ist ihr Fortschritt und eignes Verdienst, denn ste hat dort eine Umgebung von der sich nicht die erhabensten Beispiele nehmen lassen. Ueberhaupt ist das ein herrschender Fehler in Mähren, daß es dort an Einigkeit und Verbrüderung fehlt, und es herrscht dort keine gemeinschaftliche Verständigung unter den Gemeinden, es thut jede was ihr beliebt und gut dünkt. Wieder ein Geschäft für den Landrabbiner. In Brünn führte mich der Zufall mit dem würdigen Herrn Rabbiner F affe l, einer ausgezeichneten Persönlichkeit mit umfassender theologischer Gelehrsamkeit itnb glühendem Eifer für Judenthum, deren nur möglicher Austritt aus Mähren mich schmerzte, und Hrn. Rabbiner Neu da einem liebenswürdigen ehrenhaften Charakter, der geleitet von den frömmsten Grundsätzen, und begabt mit einem eminenten Nednertalente gewiß einer jüdischeir Gemeinde zur Zierde dient, zusammen, die in Gesellschaft des Rabbiner Dr. Duschak und den Vorstehern ihrer Gemeinden, dem neuen Gouverneur Grasen Stadion ihren freundlichen Gruß überbrachten, derselbe nahm sie sehr freundlich und wohlwollend auf, uitb äußerte die edelste Gesinnung für die Juden. Die Zukunft wird uns belehren, ob unsere Hoffnungen, die wir auf die anerkannte Rechtlichkeit dieses Edlen setzen, uns nicht täuschen- Beitrag zu den jüdischen Zuständen in Berlin. (Fortsetzung.) Inzwischen war auf unser Schreiben vom 23. December eine nur von dem interimistischen Rabbinatsverwalter, Herrn Rabbinatsassessor Oettinger und Herrn Rabbinatsaffessor Rosenfrefn Unterzeichnete Antwort vom 20. Januar eingelauftn, in welchem dieselben ihr Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit der beabsichtigten gottesdienstlichen Verbesserungen aussprechen, namentlich aber hervorheben, daß wenn dieselben ins Leben treten, dem Unwissenden, dem die Beurtheilung des Wesentlichen und Unwesentlichen mangelt, gar nichts mehr heilig sein werde, und daß andere Gemeinden und ihre Lehrer durch den Vorgang der Berliner Gemeinde sich zu willkürlichen Neuerungen berechtigt glauben würden. Da diese und ähnliche Gesichtspunkte nur aus den möglichen Folgen, die eine solche „Neuerung" bei unbefugten Lehrern haben könnte, abgeleitet, nirgends jedoch ausdrückliche Vorschriften dagegen geltend gemacht werden, so setzen wir, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß uns als Vertretern der Gemeinde, die Beantwortung der Frage zustehe, ob überhaupt ein unabweisbares Bedürfniß nach gottesdienstlichen Verbesserungen in der Gemeinde vorhanden sei, unsere Bemühungen fort und lenkten unser Augenmerk vorläufig auf die Herbeischaffung der erforderlichen Geldmittel. Am 24. Februar richteten wir deshalb an die Commission der Sieben und Zwanzig drei Anträge, und zwar auf Bewilligung eines jährlichen Zuschuss-cs von 1200 Thalern zu den Kosten des Chors, eines Jahrgehalts für einen zweiten Vorsänger und einer Summe yon 2200 bis 2500 Lhalern zum Bau zweier Galerien in der Synagoge. , In der Sitzung der Connssi'on vom 19. März wurden die ersten beiden Anträge genehmigt, der dritte Antrag jedoch abgelehnt, indem, bei sich ergebender Stimmengleichheit, der Vorsitzende, von seinem Rechte Gebrauch machend, gegen den Galeriebau stimmte und zwar, wie das Protokoll besagt, nur aus dem Grunde, um dadurch den allgemeinen und längst gehegten Wunsch nach einer neu zu erbauenden Synagoge desto schneller in Erfüllung gehen zu sehen. Von der Dringlichkeit eines Synagogenbaues gleichfalls überzeugt, hielten wir es für Pflicht, die Commission der. Sieben und Zwanzig in einem abermaligen vom 3. April datirten Schreiben hiervon in Kmntniß zu setzen und unseren früheren Antrag in Betreff des Galeriebaues zu wiederholen, indem ein Synagogenbau zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, als daß bis zur Vollendung desselben jede Verbesserung des Gottesdienstes aufgeschoben werden konnte. Zn der Commissionssitzung vom 14. Mar wurde unser Antrag jedoch abermals verworfen, und auch der von einem Mitgliede der Commission gemachte Vorschlag, für die Einrichtung zur Aufstellung eines Sängerchors eine Summe von höchstens 500 Thalern zn bewilligen, abgelehnt. Unterdessen war in einer Sitzung der Zwei und dreißig Männer der Vorsänger in der Synagoge zu Stettin, Herr Lichtenstein, zum zweiten Vorsänger erwählt worden. Die Zusammensetzung und Einstudirung des Chors wurde einstweilen dem in dem jetzt bestehenden Synagogenchor fungirenden Herrn Lewandowsky anvertraut und demselben zu diesem Behufs auch ein besonderer Gesang-Unterricht in der/Gemeinde-Knabenschule überwiesen. Am 11. und am 17. Mai überreichte Herr Rabbinatsaffeffor Dr. Sachs auf vbrhergegangene Aufforderung zwei Entwürfe; der erste enthält Festsetzungen in Betreff, der äußeren Ordnung in der Synagoge, der zweite eine Ge-

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