Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1845)
- Date
- 1845-10-15
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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333 nehm überrascht; denn ich habe mich überzeugt, daß sie aus einer frühem bestandenen, ungesunden und schmutzigen Mikwa, (wohiuein man nur mit Zittern , gestützt auf die göttliche Vorsehung sich gewagt, und allen möglichen riftN'TVpT herabflehen mußte, um grtrost und muthig seine Pflicht thun zu körmen; daß ein solcher Umstand viele Frauen von ihrer Pflicht ab- und zurückgehalten, ist nicht in Abrede zu siellen) ein schönes geräumiges Prachtvolles Badehaus, das trotz seiner Reinheit sehr ist, errichtet. Am 11. September (das war natürlich schon auf meiner Rückreise) hatte ich Gelegenheit den Prüfungen der hebräisch-deutschen Hauptschule daselbst beizuwohnen. Diese Schule ist im Jahre 1839 durch die kräftige Anregung der biedern Herren H. R. Kollisch, A. Karpeles, P. Pater und D. Entriß, besonders und zuerst aber durch Herrn M. Trcbitsch, und durch viele Opfer in Wirksamkeit, gewiesen worden, und besteht seitdem durch die Aufsicht dieser Herren, ja dieselbe ist durch deren eifriges Verwenden bereits von der Hof-Studien-Kommission zu einer öffentlichen Schule kreirt werden. Wenn ich nun, überzeugt durch die Prüfungen als auch durch nähere Bekanntschaft mit den Verhältnissen der Schule, von den Leistungen derselben reden soll, so können ihre Verdienste so wie ihre Mängel einzig und allein den Lehrern zugeschrieben werden; so hat sich bei der Prü-. fung herausgestellt, daß die zweite Klasse unter dem erfahrenen Lehrer Herrn Joseph Deutsch sehr gut unterrichtet und darum zur besten Zufriedenheit der Kommission und der Zuhörer bestanden ist, während die höhere, die dritte Klasse nicht mit dem besten Erfolg gekrönt war, daß ferner die Kinder in der Elementar-Schule unter dem Lehrer Spiel man einen segensreichern Unterricht, als in der hohem Abtheilung genießen, während andererseits die Mädchen-Prüfung unter dem Lehrer Hr. Mar kt breiter sehr gelungen. Der Kenner wird eS aber beim ersten Augenblick fühlen, wo hier der Fehler aufzusuchen, daß es nämlich die Schule an einem Principe, an einem Direktor fehlt, der die innere Leitnng der Schule gehörig und verständlich überwacht, der den Unterricht durch alle Klassen ordnet und feststellt. Ja soll die Schule den Erwartungen und Forderungen entsprechen, so muß ein Mann augestellt werden, von dem mau Rechenschaft fordern kann, und der was Kräftiges zu leisten im Stande ist; denn der Trost, den einige Herren in den anzustellenden Rabbiner setzen, ist eine Chimäre, dieweil auf den Landrabbiner schon zahllose Geschäfte warten, daß sich schwer denken läßt, wie er sein Augenmerk auf die Schule wird richten können. Abgesehen was in ganz Mähren zu thun ist wird der Landräbbiner in Nikolshurg allein mit der: Erwachsenen so viel zu thun haben, daß er die Kleinen aus den Augen verlieren wird. Uebrigens steht es einem Landrabbiner gar nicht zu, und steht es nicht im Bereiche seiner Wirksamkeit, die Leitung einer einzelnen Schule zu übernehmen. Er wird über alle Schulen Mährens zu wachen haben; er wird durch emmntemde Worte und Belehrungen dieselbe zu erhalten streben, und wo noch keine sind solche Hervorrufen. Zudem liegt in der Aussicht, daß Herr Landrabbiner Hirsch augestellt wird eine andere Schwierigkeit, die nur die Zeit heilen wird, und die ist: er wird in unsern Schulen erst lernen müssen, bevor er darin wird lehren wollen; denn als Ausländer kennt er unsere Einrichtungen und Ordnungen nicht, er wird unsere Kräfte zu ermessen, unsere Gesetze und Weisungen zu studireu haben; er wird sein Volk kennen wollen, wird daher genöthigt sein, Reisen durch Mähren zu machen, und wird so in der ersten Zeit in Nikolsburg nichts wirken. Sehen Sie, daö sind blos angcdeutete Schwierigkeiten, die ich nicht weiter ausführen will. Die Oekonomie der Schute besorgt jetzt der Gemeiudevorstand Herr Koritschoner und Herr Frankel und ist ihr Streben dahin gerichtet, der Schule einen Fond zu gründen und zu sichern. Zu diesem Ende haben sie bereits Schritte gethan, indem sie das früher bestandene Schulhaus, wofür sie Miethe zählten, verlassen, und ein Stiftuttgshcrus zu einer Schule verwendet. Bei dieser Gelegenheit hat es sich gezeigt, wie sehr in der Gemeinde Aberglauben und Fanatismus heimisch ist. Das Stiftungshaus war früher als ein Emon-rro verwendet gewesen, worin Talmudjüuger ein Asyl fanden, Als nun die geehrten Herren Vorsteher wegen Lokalverhältnisse aus demselben ein SchuthauS für die Jugend einrichten, und dem tn'im rvo einen andern Platz anweistn wollten, da gäbs nun Träume in den schlafenden und schlaffen Gehirnen so mancher Gehirnlosen, die die Gcmüther der, gemeinem Klasse—und die ist da sehr überwiegend — in Furcht und Zittern brachte. Der Eine wollte das Schuthaus tut Traume, (und in einem solchen Zustande ist er bei Hellem Tage) verbrennen, der Andere einflnken sehen, und nur die unerschütterliche Energie benannter Herren Vorsteher konnte dieses prachtvolle Schulhaus zur Zierde ihrer Gemeinde und zur Belehrung der zarten Jugend Herstellen. Mögt ihr Edlen noch lauge das Ruder in eurer Gemeinde mit solcher Würde, mit solchem Muthe, und mit solcher Liebe fuhren, dann bin ich versichert, daß die Gemeinde wieder jenen Höhepunkt erreicht, ans dem sie als erste Gemeinde Mährens stehen muß. Von Nikolsburg nach Brünn bin ich durch die Gemeinde Pohrlitz gekommen, die hält man allgemein für die älteste Gemeinde Mährens, und das sieht man ihr an ihren Einrichtungen an. Von Bildung und Erziehung ist dort keine Spur. Der Rabbiner ist auch ein alter Mann, der die Judeuzeitungm verflucht und ' gegen die Räbbinerversarnmlung den Bamr ausspricht, ohne sich um das Wohl seiner anvertrauten Gemeinde zu sorgen, die übrigens leider den Weg alles Fleisches wandelt. Hingegen liegt in der Nachbarschaft von dor