Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1845)
- Date
- 1845-10-15
- Page
- Seite 332 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 332 Sein Name sei stets segensreich, Sein Ruhm sei hell, der Sonne gleich, Er sei des Landes Glück und Freud', Er sei vom Volk' gebenedeiet. O Herr, erhalt' uns lange Ihn! Sein edler Stamm mög' ewig blüh'n! Die Sprößlinge sei'n^für und für Des Volkes Freud', d'es Thrones Zier. Gelobt sei Gott! in Ewigkeit Der Name seiner Herrlichkeit! Es sei der Erde Jubelschrei: „Gelobt sei Gott!" Es sei! Es sei! Oe st e r r e i ch. Wien, im September.*) — --Nachdem ich nun, besonders in den ersten Tagen meines Aufenthalts in Mähren, über so Manches Gelegenheit hatte mich zu ärgern, war der 22. August ein wahrer Freudentag für mich; denn ich wohnte an demselben der ersten Prüfung der neu errichteten Taubstummen-Anstalt in Nikolsburg bei» In einem großen Prüftmgssaale saßen sechs Zöglinge (4 Knaben und 2 Mädchen), denen das edelste Geschenk, womit der gütige Schöpfer so huldvoll seine Geschöpft beglückt, seit ihrer Geburt mangelt. Kinder, die gewiß ein warmes Gefühl der Dankbarkeit in sich tragen, ohne dasselbe aber an den Tag legen zu können, denn es fehlt ihnen die Sprache, ste sind stumm. Kinder, an denen der Laie umsonst Lehren und Unterweisungen verschwendet, sie können darauf nicht merken, denn ste sind taub. Da saßen ste nun durch einen freundlichen Blick ihrers Lehrers zur Ruhe und Ordnung angehalten, und ließen eine zahllose Menge neugieriger Zuhörer und Zuschauer um sich herum in einer spannungsvollen Erwartung. — Es gab sich daher ein freudiges Erstaunen bei der ganzen versanimelten Menge kund, als der Lehrer ein Zeichen zur Prüfung gab; denn die Kinder, die kaum zehn Monate unterrichtet waren, entwickelten eine unbegreifliche Geläufigkeit und Korrektheit im Schreiben, Rechnen und Lesen (sowohl in hebräischen als deutschen Zeichen), und das war eigentlich das Ausgezeichnete, was der Lehrer iw so kurzer Zeit geleistet, daß er den Unglücklichen-die Sprache gab, welche sie in einer andern Anstalt im sechsten Jahre erlangen. So viel ich weiß, ist diese Anstalt im Orient bis jetzt nicht erwähnt worden, obzwar siees in einem so hohen Maaße verdient. Sie ist die erste öffentliche ^) Anstalt, die unter Juden zu Stande gekommen, und ist von dem biedern menschenfreundlichen Herrn H. Kollisch ans eigne Kosten errichtet worden. Dieser edle Israelit wird 1) Aus brieflichen Mitteilungen. Red. 2) Eine Privotanstalt für Taubstumme besteht seit längerer Zeit in St. Niklau in Ungarn, und erfreuet sich ebenfalls des besten Erfolgs. sich gewiß eines unsterblichen Rufes in Israel zu erfreuen haben, und den Myrthcnkranz, den die Judenheit aus Dankbarkeit um sein Haupt wird winden, wird gewiß immer in voller Blüthe und Pracht duften, und nie und nimmer welken und verdorren; denn Hr. Kollisch hat nicht aus eitler Ruhmsucht dieses wohlthuende Institut ins Leben gerufen, sondern es leitete ihn sein edles Herz für das Wohl seiner Brüder etwas Ersprießliches zu leisten, und das hat-er vollkommen'' durch dieses fromme Werk erreicht, und ist befriedigt ■— dies konnte man aus seinen Zügen, die auf seinem Gesicht während der Prüfung geprägt waren, deutlich genug ersehen. Nicht mindern Anthcil an seinem Ruhme verdient sein edles Weib, Frau Katti Kollisch, die mit hingebender Freundlichkeit die armen unglücklichen Kinder als die eignen betrachtet, und sie wie eine gute Mutter pfleget und behandelt. Der Dritte im segensreichen Bunde ist der wackere Lehrer Herr Ioel Deutsch, der echte Bildung mit aufopfernder Herzensgüte verbindet, und so seine Kraft und Zeit den Unglücklichen weihet und widmet, um sie zu brauchbaren Menschen heranzubilden. Ein wahrer P ereira1 2 3) unserer Zeit. Möge GotteuerUnteruehmen gelingen lassen, und möget ihr noch selbst die Früchte eurer mühseligen Arbeit reifen sehen. Dieser Tag war mm der erste vergnügte Tag, den ich in Mähren außer dem Kreise meiner lieben Angehörigen verlebte; denn ich hatte mich überzeugt, daß es noch Männer giebt, die durch den Stillstand, der in Mähren in jedem Fache herrscht, sich nicht habeneinschläfern lassen; daß es noch Männer in Mähren giebt, die kräftig für das Wohl ihres Volkes suhlen und wirken, in denen ein Herz warm schlägt für das Wohl ihrer Brüder. Und gerade in Nikotsburg hatte ich Gelegenheit solcher tapftru Männer mehrere kennen zu lernen, die einen biedern Sinn und ehrenhaften Charakter besitzen, um alles anfzuopfern, die Intelligenz ttnb den geistigen Fortschritt in ihrer Gemeinde zu wecken und zu heben. Eines solchen edlen Vorstandes kann sich die Gemeinde in dem Augenblicke durch die Repräsentation der wackern Herren Franz Koritschoner und Joseph Frankel w. rühmend erfreuen, die mit Hilfe ihres gesunden praktischen Verstandes dahin streben, ihrer Gemeinde jenen Glanz und jene Zierde zu verleihen, die zu ihrer innern Hebung und äußern Verherrlichung so noth thut. So hat mich das unter ihrer Leitung entstandene Badhaus sehr ange- 3) Es wäre an der Zeit, daß wir diesen Namen cm die Stelle dcs berühmten Abbe, de l'Fpee setzen, denn er war der Erfinder dieser heilsamen Kunst und hielt am 11. Juni 1749 Abhandlungen darüber in der Akademie in Parts (Mercur de France Mars et Avril 1750). Siehe übrigens Jost Bd. 9. S. 99 u. Salomon gegen Bruno Bauer. Paliissot memoire pour servir a l’hisfcoire de notre literature 1805. Die gemächliche Erzählung im Sabbathblatt 1845. Nr. 19.