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Der Orient · 1845-10-15 · Heft 42 (15.10.1845) · p. Seite 330

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 42 (15.10.1845)
Date
1845-10-15
Page
Seite 330 (sequence 3)
Language
German
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- 330 - neunten'Jahrhundert vorunsrer Zeitrechnung , die Psalmcn vom^alten König''David, weit paffendem Liedern von ihm selbst gedichtet, den Platz räumen mußten; wie das , das von Eisenmenger herab bis auf einen noch jetzt lebenden Landes-Rabbiner schon, zu soviel Gehässigkeiten Anlaß gegeben , durch ein deutsches Lied ohne daß die Melodie verloren ging, ersetzt wurde. Er hobbesonders hervor, das Gute, das dadurch schon befördert, die Einheit, die -damit erzielt wurd e. Wir -aber, und sollten wir auch der Bescheidenheit des Hrn. Stein zu nahe treten, und denselben noch andrerseits . bcc■..'®cfa1§r aussetzen, für das Lob, das wir ihm, in Ihrem geschätzten Blatte zollen im „Israelit des 19. Jahrhunderts" getadelt zu werden (was' freilich einem Lobe gleichkommt,) wir behaupten, Herr Stein hätte noch mehr Gutes von sich sagen können. Statt seiner wollen wir nur einen Punkt berühren. Hrn. Stein's Menschenliebe Ist hier Jedem bekannt. Sein Herz schlägt nicht nur für die hiesigen Armen israelitischer Konfession, nein für alle Menschen in allen Zonen. Seine Beredsamkeit brachte reichliche Früchte ein für die bedrängten Felsberger. Die größte Anerkennung verdiente aber die Thätigkeit. imd der Eifer des Hrn. Stein als Komite- Mitglied, für die Sammlung für das Kloster auf dem Berg C arm e t, dessen menschenfreundlicher Zweck Jedem bekannt ist, eben so sein Bemühen für die Errichtung einer Wolksbibliothek, ohne konfessionelle Tendenz. - Zwar hätten viele gewünscht, Herrn Stein's Worte wären einmal ertönt für einen Gegenstand, der vom sel. Dr. Kreuznach angeregt wurde, ja für den schon ein Konnte gebildet war, nämlich die Gründung einer jüdischen Bibliothek — . Hamburg, 30. Sptbr. Seitdem ich Ihnen nicht geschriebttl, hat sich hier Mancherlei zugetragen; absichtlich? verschob ich aber meinen Bericht, bis Alles zu Ende sein werde, und wenn deswegen meine Nachrichten nicht ganz neu sind, so sind sie doch vollständig, und Ihre Leser werden deshalb mit Ihrem Berichterstatter nicht unzufrieden sein. — Heute erzähle ich Ihnen nämlich vor: dem - was sich während des Aufenthalts des Dr. S t e r l! cniß Berlin hier zugctragen hat. Daß Dr. Frankfurter..aufgefordert war, während der Festtage nach Berlin zu. kommen, um dort vor der neuen Gemeinde zu predigen, wissen Sie bereits , und daß gerade Dr. Frankfurter/ und nicht Dr. Salomon aufgefordert wurde,.. ist allerdings unbegreiflich; denn Dr. Salolnon hat sich durch feine Unterschrift als Mitglied des Reform- Vereins bekannt, was Dr. Frankfurter nicht gethan hatte, war also, zur Wahl weit mehr berechtigt, obschon wir seine Unterschrift —- seiner Stellung als Prediger am. Tempel .wegen — nicht ganz billigen können. Ich übergehe.alle unerquicklichen Streitigkeiten, die zwischerr der:'.beiden Predigern wegen der Berliner Gastpredigten stattfanden, denn Jeder wollte die. Ehre haben, dort den Gottesdienst eiuzurichten,: dort ein neues Himmelreich zu - gründen, auch tut rühmlichsten Eifer - zu weit gehen,) und theile Ihnen gleich das Resultat mit. Ein Schiedsgericht bestimmte, daß Hr. Dr. Fr. am Neujahrsfeste, Hr. Dr. Salomon während des Bersöhnungsfestes in Berlin predigen solle , die Direktion des Tempel, Hr. Dr. Stern — der allen Verhandlungen fmit beiwohnte — waren damit zufrieden, nur das Komite nicht- und da dessen Bestimmung nicht zu erlangen war, dasselbe vielmehr auf seinem Ausspruch: „so lange die Berliner Gemeinde nicht unfern Ritus anmmmt, dürfen unsere Prediger nicht dort wirken" fest beharrte, ist Hr. Dr. Stern abgercist, und die Prediger sind hier .geblieben. „ Damit hat also der Tempel die Berliner Reformgemeinde' zurückgewiesen, nicht anerkannt. — Ganz offen gesagt, das Könnt« hat sehr richtig gehandelt! der einfache, klare Verstand findet doch immer am leichtesten den richtigen Weg l — Die Nachricht in der Leipziger Zeitung , daß Dr. Kley von Dr. Stern aufgefordert wäre, in Berlin zu predigen, ist unwahr. Dr. .Kley hatte sich gleich anfangs viel zu entschieden gegen die Sternschen Bestrebungen ausgesprochen, und Dr. Stern fällt es nicht ein, von seinem erträumten Parnaß eine Minute lang herabznsteigen, so fand nicht einmal die geringste Annäherung statt! Dr. Stern wird selbst predigen! Der Prediger ist würdig der Reform, der Schöpfer würdig seines Werkes! - -— Man nehme es nicht für Spott, es ist mir bitterer Ernst! — Ich breche ab, denn zu Betrachtungen über jene Vorgänge bin ich heute am allerwenigsten gestimmt, /ich will die bittren Gefühle, die mich über dieses Treiben in unstner Mitte überseh Leichen, mit Gewalt unterdrücken — es wird doch einmal die Zeit kommen, in der das moderne Judeuthum sich so weit emancipirt haben wird, daß es mit Würde anftritt und gegen die eigenen Brüder- Toleranz ausübt l Gegenwärtig ist das moderrw, gebildte Jndenthlun in den F l egeljah reu — es ist aber ein kräftiger Kern, - und so wird der Wein gut werden, wenir er ausgcgohrerr hat. Hoffen wir darauf! — Dr. Stern zu Ehren wurde iin Hotel Victeire ein Festessen veranstaltet. — Unser Lrefsiicher Nie ß e r ist von Italien.zmückgekehrt. Dom Badischen UnterrhembreLs. Ende August.. Bereits in dem ersten Normativ für den israelitischen Gottesdienst in Baden, in der landesherrlich bestätigten Oberrathsoerordnung vom 11. Febr. 1824, Nr. 63, war für die paffende Feier des Geburtsfestes Sr. Königlichen:■ Hoheit des Großherzogs Sorge getragen. Nunmehr erfolgte aber für diese, gewiß jedem treuen Badener wichtige Feier durch unsere Oberkirchenbehörde eine sehr passende, ins Einzelne gehende Ordnung. Dieselbe ist der Feder jenes verdienstlichen ' Veteranen dieses Kollegiums, des Herrn Oberraths Epstein?' entflossen, und schon , der gute Klang, den dieser Name bei allen Israeliten Badens hat, war geeignet, der neuen Anord-

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