Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1845)
- Date
- 1845-10-08
- Page
- Seite 327 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Bald wird den Lorbeer man dir winden, In deines Hauptes Silberhaar, Dann ewig deine Leiden schwinden, g Die dir so trüb die Zeit gebar! S. L. Apolant. Der Pförtner. Von FnÄuirg Hub. Es wacht, nach unsers Heilands Schluß, Am Himmelsthor Sankt Peter; Dem Fürsten der Apostel muß Erst Rede steh'n ein Jeder, Der aus dem düstern Erdenthal Ein^eh'n will in den Himmelssaal. Ein frommer Pilger trug Begehr, Den Eingang zu erreichen; Schon nah' der Pforte, machte er Des heiligen Kreuzes Zeichen. „Wer bist du?" sprach mit wildem BJick Der Pförtner. — „„Ich bin Katholik"". „Dort wandle hin nach jenem Raum, Wo deiner Kirche Glieder Nach ausgeträumten Lebenstraum Sich alle sammeln wieder; Der Märtyrer und Heil'gen Schaar Stellt sich dort deinem Augen dar". Ein And'rer sucht sich jetzt zu nah'n, Ein fleißiger Bibelleser; Stolz sieht der Jünger Luthers an Des Schlüffelamts Verweser, Der fragt, mir Huld zu ihm gewandt: „Wer bist du?"—„„Ich bin Protestant."" „Begieb dich hin nach jenem Ort, Dort wirst du alle finden, Die sich nur an's geschriebene Wort, Nicht an's ererbte binden. Der Raum ist licht; es zieren ihn Huß, Luther, Zwingli und Calvin." Ein Dritter kommt. Den Armen scheint Es wenig zu erbauen; Ihn, 'den er stets gehaßt, den Feind, Als Pförtner hier zu schauen. „Wer bist du?" spricht Sankt Peters Mund, „„Ein Jude, treu dem alten Bund!"" „Du magst im Schooße Abraham's , Dort in Gemeinschaft treten Mit allen Gliedern deines Stamms, Erzvätern und Propheten; Nach langer Schmach wird Glück und Heil Dir ohne Vorbehalt zu Theil." Ein Vierter, heitern Angesichts, Naht jetzt sich ohne Zagen. Der Wächter an dem Quell des Lichts Versäumt nicht, ihn zu fragen, „Wer bist du?" seinem Mund entschwebt. „„Ein Mensch, der schlicht und recht gelebt."" Sankt Peter, längst beseelet schon Von seines Herrn Gedanken, Spricht freundlich zu dem Erdensohn: Für dich giebts keine Schranken; „Such' dir in Gottes schönem Haus „Wo's dir gefällt, ein Plätzchen ans!" *) Ein Fünfter kommt in Stolz und Hochmuth, Das Kreuzeszeichen unterm Hut, Sucht in größter Hast die Himmelspforte Will dem Pförtner stehen nicht zu Worte. Dieser fragt: „wohin? wer bist du?" „Ein geborner Jude, jetzt ein Christ, wie du." Wo soll ich dich zu geh'n Hinweisen? Unbeschnittne. wollen dich nicht in ihren Kreisen, Abraham wird dich auch nicht sein nennen/ Denn er wird dich am Kreuze erkennen. So magst du denn warten bis zum jüngsten Tag, Dann wird es sich zeigen, was dein Abfall vermag. War er nur, um irdische Güter zu genießen, Dann wirst du es hart müssen büßen. Oder st.cmd'st du schon unter des Henkers Beil, Und nahmst schnell die Taufe zum Lebensheil — Für solche ist der Himmel verschlossen, Sie bleiben auf ewig-daraus verstoßen. Nun kommt noch ein junges Kind Schnell zu laufen, wie der Wind, Wollte auch in das Himmelreich — Aber Petrus fragte sogleich: „Bist du ein Jud oder ein Christ?" „Ach! ich weiß es wirklich nicht, „Ich bin nicht getauft, auch nicht beschnitten „Mein Vater sagt: das wären die besten Sitten. Wer waren denn oder sind deine Eltern? Sie nennen sich Juden, doch nicht der Talmudistenlehre. Die Beschneidung ist aber kein talmudistisches Gebot, Sondern Abraham und Mosen geboten von Gott! So gehe wieder zurück, laß dich taufen oder beschneiden. Sonst wirst du gerechnet zu den Heiden, Die kommen nicht in das Himmelreich, Sondern die Holle ist ihr Bereich. *) Diese Fortsetzung des vorstehenden Gedichts ist von ron Schott in Randegg.