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Der Orient · 1845-10-08 · Heft 41 (8.10.1845) · p. Seite 328

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 41 (8.10.1845)
Date
1845-10-08
Page
Seite 328 (sequence 15)
Language
German
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- 328 - Beitrag zu de« Mischen Zustände« in Berlin. Die Aelttsten und Vorsteher der Judenschaft in Berlin haben folgende Aktenstücke so eben veröffentlicht, und ich stehe' nicht an, sie hier als Bild der Bewegung und Kämpfe innerhalb der konservativen Partei mitzutheilen. Diese Mittheilungen lauten An d ie ver ehrliche n Mi Lg l red er u n serer Gemeinde. Bei der großen Theilnahme, die von der ganzen Gemeinde den Bestrebungen für eine würdigere Gestaltung des Gottesdienstes gewidmet wird, erachten wir es als unsere Pflicht, von demjenigen, was in der letzten Zeit von Seiten der Unterzeichneten Aeltesten und Vorsteher in dieser Angelegenheit geschehen ist, hierdurch Rechenschaft abzulegen. Unter dem 11, November 1843 wurde der Rabbinats- Affeffor Herr Dr. Sachs aufgefordert, seine motivirte Ansicht über einzuführende gottesdienstliche Verbesserungen abzugeben. „Die gesammte Gemeinde", heißt es in jenem Schreiben, „fühlt unstreitig das Bedürfniß , den Gottesdienst in der Synagoge. so geregelt zu sehen, daß seine Würde und Reinheit ausrecht erhalten und die eingeschlichenen Mißbrauche entfernt werden. Daß den Vorschriften der Religion bei den zu treffenden Maßregeln überall nachgekommen werde, auch bei der Anordnung derselben so zu verfahren sei/ daß das Gewissen der Einzelnen beruhigt bleiben kann, versteht sich von selbst." Hierauf reichte Herr Rabbinatsassessor Dr Sachs am 2. December ein Gutachten ein über diejenigen „Gesichtspunkte, die bei der gottesdienstlichen Ordnung in der Synagoge als leitend fcstzuhalten sein dürsten." Dasselbe verbreitet sich erstens über die Herstellung äußerlichen Anstandes im Gotteshause, zweitens über den Gesang und Vortrag der Gebete durch Vorsänger und Chor, drittens über die Weglassung gewisser Gebete. In der Beilage A. werden einige Abschnitte aus diesem Gutachten ausführlich mitgetheilt. Da die wesentlichen in diesem Gurachten vorgeschlagenen Verbesserungen des Gottesdienstes in anderen Gemeinden mit Zustimmung gelehrter und frommer Männer bereits ins Leben getreten sind, so schöpften wir aus diesem Umstande sowohl, als aus der Darstellung des Herrn Rabbinats-Assessor Dr. Sachs die Ueberzeugung, daß jene. Verbesserungen den Anordnungen der bewährtesten Gesetzeslehrer nicht allein nicht zuwiderlaufen, daß sie vielmehr ganz dazu geeignet seien, die ursprüngliche Bedeutung und Würde des jüdischen Gottesdienstes hervorzuheben. Wir glaubten also daraus rechnen zu dürfen, daß die drei Rabbinats-Assessoren in solchen Anordnungen übereinstimmen würden und forderten dieselben in einem Schreiben vom 23. December v. I. auf, ihre Anstrengungen mit den unsrigen zu vereinigen, um die den Gottesdienst verunstaltenden Mißbräuche zu beseitigen, insbesondere Verlag von-C. L. F ritz sch e. aber, um durch Zurückführung der Liturgie auf diejenigen ihrer ursprünglichen Bestandtheile, deren Vevstandniß man von jedem Israeliten verlangen dürfe, und durch demgemaße Entfernung der unter dem Namen Pijutim, Iozerot rc. bekannten späteren Zusätze, sowohl die ermüdend lange Dauer des Gottesdienstes abzukürzen, als auch dem gedankenlosen Hersagen ver Gebete nachdrücklich zu wehren. Zu gleicher Zeit setzten wir für die musikalischen Einrichtungen, die in Ansehung des Gottesdienstes zu treffen sein würden, eine Kommission nieder, die auf die ihr vorgelegten Fragen in folgender Weise sich äußerte. Es. unterliege keinem! Zweifel, daß der Synagogenchor in der bisherigen Weise seinem Zwecke nicht entspreche; wenn er die gewünschte Wirkung hervorbringen solle, so müsse er aus vierzig oder acht und vierzig Personen zusammengesetzt werden. Ueber die Aufstellung derselben trat die Kommission mit einem Bauverständigen in Berathung und machte den Vorschlag, an der rechts vom Eingang belegenen Südwand der Synagoge, etwa in der Höhe des ersten, älteren Frauenchors eine vorspringende Gatterie zu erbauen. Da jedoch dieser Anbau die Symmetrie stören und dadurch dem baulichen Charakter des inneren Sünagogenraums Eintrag thun dürfte, so wurde an diesen ersten Vorschlag der zweite geknüpft, längst der ganzen Süd- und Nordwand der Synagoge eine Galerie zu ziehen, und den auf etwa 150 Sitze veranschlagten Raum neben und gegenüber dem Sängerchor zu vermiethen. Der Kostenanschlag war so mäßig, daß binnen wenigen Jahren durch den Miethertrag der neu zu gewinnenden Plätze die Amortisation des erforderlichen Kapitals zu erwarten sein durste, während ein lediglich für den Scingerchor bestimmter Galleriebau keine Einnahme in Aussicht stellte. Schließlich empfahl'die Kommission die von dem Wiener- Obervorsänger Su lz er unter dem . Mel Schir Zion herausgegebene synagogale Melodiensammlung, um sie dem Gesänge des Vorsängers und des Chors im Allgemeinen zu Gründe zu legen, war jedoch nicht der Ansicht, daß man sich lediglich auf diese Sammlung zu beschränken habe, damit älteren bereits eingeführten und beliebten Weisen oder auch neuen Kompositionen der. Weg nicht vertreten werde. (Fortsetzung folgt.) Perfonalchronik und Miseellen. Rußland und Polen. Die neueste Zählung ergiebt für Polen eine jüdische Bevölkerung von 494,921 Juden. — Die aus Saratow gemeldete kn müsse-Laufe, die an 130 Rekruten zugleich vollzogen wurde, hatte der Bremer Zeitung zufolge am 4. Juni stattgefunden. * 4 Druck vyn I. H. Nagel.

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