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Der Orient · 1845-10-08 · Heft 41 (8.10.1845) · p. Seite 325

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 41 (8.10.1845)
Date
1845-10-08
Page
Seite 325 (sequence 9)
Language
German
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Tausende von Kranken spendete dev Brave Trost und Heil, mit männlichem Murhe trat er allen Geißeln des Krieges: dem Typhus bellicus, den lethalsten Quartanfiebern, ja der orientalischen Pest, kühn entgegen, und weihete bei stiller nächtlicher Lampe die wenigen Stunden der Ruhe nach gefahr- und mühevollem Tagewerke der Aufzeichnung seiner Beobachtungen, aus denen später gediegene Versuche über das kalte Fieber, über Pest und Seuchen in der ruß. Armee, so wie sehr interessante kleinere Journalartikel erwachsen sind, j Wenn aber auch diesen edlen Bemühungen von Seiten der gelehrten Gesellschaften zu Moskau und Wilna/die Friedländer im Jahre 1809 zu ihrem Mitglieds ernannten, als - auch durch ein Dankschreiben der Petersburger Sanitäts- Commission unter dem Vorsitze Wyllies, einige Anerkennung zu Theil wurde, so verleidete zu gleicher Zeit ein persönlicher Streit mit dem damaligen Gouverneur von Podolien St. Priest, ihm, der nicht gewohnt war, Überzeugungen und das Bewußtsein seiner persönlichen Würde, Anmaßungen Anderer aufzuopfern, so sehr den Aufenthalt zu Kameniec, daß er diesen Ort verlaffen und sich nach Ostrog als Leibarzt des gür* fte^s Jablonowski zurückziehen, mußte. Hier verlebte Friedländer drei glückliche Jahre, die meistens seiner literarischen Beschäftigung, vorzüglich der Bearbeitung seines großartigen Merkes: „Ueber die Innern Sinne" gewidmet war, von welchem Werke bis jetzt nur der erste Wand: Physiologie der innern Sinne, Leipzig 1826, bei Baumgärtner erschienen, und das des Näheren zu besprechen, die Flüchtigkeit einer biographischen Skize uns nicht gestattet z wir wollen aber nicht unbemerkt lassen, daß es reichergiebige Fundgruben anthropologischer Studien, strenge kritische Sichtung früher herrschend gewesener Ansichten, merkwürdige aus dem Leben gegriffene Belege zu den scharfsinnigsten Deductionen enthalte, und daß es gegen den „Geist des Menschen" des berühmten Hartmann mit * glänzenden Waffen in die Schranken tritt. Von diesem seinem letzten Aufenthaltsort aus, machte Friedländer nach langen Jahren einen Ausflug nach dem geliebten deutschen Heimatlande, wo er Freunde und Verwandte besuchte, neue interessante Bekanntschaften anknüpfte, und dm Verlag seiner zum Theile bereits oben genannten Werke besorgte. . Ans seiner Rückreise nach Rußland kam Friedländer im Jahre 1817 wiederum nach der österreichischen Grenzstadt Brody, wo mittlerweile der Zeiten Lauf weit verzweigte kommereielle Verhältnisse und das Zusammenkommen mehrerer glücklicher Umstände, hohen Wohlstand und mit ihm unvergängliche Elemente höherer (Zivilisation und Gesittung herbeiführten. Friedländer, der Mann, der den Fortschritt mit warmen Herzen liebte, konnte'nur freudig von diesen glücklichen Veränderungen berührt werden, und wir sehen ihn dem vereinten Wunsche zahlreicher Einwohner dieser Stadt, welche den tüchtigen Arzt und scharfsinnigen Gelehrten aus ihrer Mitte nicht mehr lassen wollten, nachgeben, und von der Zeit an bleibend in Brody sich niederlassen. Mt rüstigem Eifer unermüdeter Thätigkeit widmete er sich nun einer ausgebreiteten Privatpraxis, übernahm die Leitung des dortigen großartigen jüdischen Hospitals, setzte seine schriftstellerischen Arbeiten ununterbrochen fort und veröffentlichte seine unübertreffliche Med. Topographie der Stadt Brody, welche interessante Forschungen über endemischen, epidemischen und stationären Krankheits - Charakter, weife Lehren über Therapie, Spitalsleitung, und eine Menge wichtiger, höchst genial beschriebener Krankheitsfälle enthält. Im Jahre 1823 legte jedoch Friedländer, dessen schwache Körperkräfte durch so anstrengende Arbeiten, durch erlittenen häuslichen Kummer, indem ihm der Tod einen geliebten Sohn und die treue Lebensgefährtin Margaretha geborene Boas raubte, abzunehmen begannen, die Spitalarztstelle nieder, wozu ihn vielleicht manche hier nicht zu erörternde Kollision mitveranlaßt haben mag. Von jener Zeit an lebte Friedländer in philosophischer Zurückgezogenheit auf seinem anmuthigen Landhause außer der Stadt, prakticirte aber dabei noch immerz vorzüglich waren es seine gediegenen ärztlichen Konsultationen, die von Kranken und Aerzten gesucht und geschätzt waren, ergötzte sich dabei an der Tagespolitik, an den Erzeugnissen der schönen Literatur fast aller europäischen Sprachen, in denen er es zur großen Meisterschaft gebracht und versäumte nicht in allen den Krisen, die die med. Wissenschaft in den Letzten zwei Jahrzehenden zu bestehen hatte, sich auf dem Laufenden zu erhalten, so im Gebiete der med. Physik als der' pathologischen Anatomie und organischen Chemie, und er äußerte oft sein Bedauern darüber, keine Fertigkeit in der Handhabung des 8ib6t68ovps erlangt zu haben. In den letzten Jahren seines Lebens nahm seine Sehkraft bedeutend ab, und er war genöthigt sich von jungem Freunden vorlesen zu lassen z schrieb aber, ohne das Geschriebene zu lesen, sehr gediegen und korrekt. Im Jahre 1839 hatte er die Freude, von der k. k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien und von der Gesellschaft deutscher Aerzte zu St. Petersburg als Mitglied ernannt zu werden, so wie am 13. Juli 1843 sein 50jähriges Doktor- Jubiläum von sämmtlichen Aerzten Brody's in Verbindung mit dem Magistrate, jüdischem Gemeindvorstande und allen Honoratioren auf das Würdigste feiern zu sehen. Mit dankbarer Erinnerung wurden von allen Seiten dem ehrwürdigen Greise herzliche Beglückwünschungen und entsprechende Votiv- Geschenke, so wie von Seiten des israelitischen Gemeinde-Vorstandes ein zierlich gearbeiteter silberner Pokal von einer Dankadresse begleitet, überreicht. Um die Gefühle, welcher bei dieser Gelegenheit des theuren Greises sich bemusterten, um seine große Bescheidenheit, seinen ewig jungen Geist, seinen nie zu befriedigenden Wissensdrang ganz würdigen zu können, sei es uns gestattet, folgende

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