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Der Orient · 1845-10-08 · Heft 41 (8.10.1845) · p. Seite 323

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 41 (8.10.1845)
Date
1845-10-08
Page
Seite 323 (sequence 5)
Language
German
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Die Ursache ist nicht etwa der hartnäckige Kampf zwischen den Orthodoxen und dem Vorstande, denn wenn auch nicht ihre Reihen, so sind doch ihre Ansichten größtenteils gelichtet, sondern die immerwährende und so viel Unheil stiftende Uneinigkeit xAbst unter derr Mitgliedern der sogenannten exemplarischen Gemeinde. Anfangs, als das Chor in unserem Bethause eingeführt wurde, hatte sich kein Orthodoxer (hauptsächlich diejenigen, die bei ihrem vom MiLtetalter zu ihrer schimpflichen Auszeichnung angewiesenen Anzug beharren) gewagt, das Bethaus W besuchen. Es fanden sich sogar einige von den obengenannten Herren, die, wenn sie sich gezwungen sahen, dieses Stadtviertel während des Gottesdienstes zu passiven, die Ohren sich verstopften, um den ihrer Meinung nach ketzerischen Gesang nicht zu vernehmen. Jetzt ist der Andrang der langen Kutten, gelten und schwarzen Pelzmützen so groß, daß man in dem ohnehin kleinen Betlokale nur im Schweiße seines Angesichtes einen Platz sich zu erobern im Stande ist. * Die Zwistigkeiten der Gemeinde-Mitglieder, wie gering sie auch dem Publikum erscheinen mögen , verhindern nicht allein die Progresse derselben, drohen sogar mit ihrem Untergänge. — Es handelt sich nämlich, ob die Gemeinde ihren bis-' hcrigen Ramm deutsche beibehälten, oder andere wie z. B. polnische, freistädtische, oder ncujüdische annehmen soll; fob ein Statuten-Konservator nothwendig sei'oder nicht; ob der Chor-Anzug nach dieser oder jener Form verfertigt werde re. Herr Dr. W...z. B., auf seine medicirrischen Kenntnisse gestützt, giebt sich nicht allein alle nur erdenkliche Mühe die bisher von, Gottes Gnaden bestehende 'Gemeinde aufzulösen, sondern sogar eine neujiidische (!?) zu Stande zu bringen. . Ich könnte noch mehrere ähnliche Aergerniß erregende Absichten mancher Personen hier citiren, wenn ich nicht zu befürchten hätte, daß sie zu gegenseitiger Verachtung leiten. —. Es giebt hier nur einige unruhige Köpfe, eine Art Märtyrer in Taschenformat, die weder Enthusiasmus noch Glauben für religiöse Gebräuche haben, die immerwährend bald "mündlich, bald schriftlich räsonniren, (welches man eher ihrer Eitelkeit als ihrem Verstände zuschreiben kann,) und leider nicht die Stufen beachten, auf welchen sie schrittweise vom Wahren, Guten ab, und um zum Falschen, Schlechten hingeführt werden. — Meine Herren wollet ihr, um für das allgemeine Wohl etwas zu leisten, die Zeit erreichen, so gestattet lieber angemessene, dem Orte entsprechende, nicht extreme Forderungen, und ich möchte-wohl denjenigen sehen, der sich dazu hergeben würde, sich an den Pranger einer Alles verwerfenden., bösartigen Opposition zu stellen. Auch würden Fortschritte, die ans dem Sch.ooße der G cm e inde selb st hervorgehen, von unserer erleuchteten Regierung nur gut geheißen und wie um möglich unierstützt werden. — Es fehlt hier leider durchaus an einer vermittelnden Persönlichkeit, die in sich cu;c verbürgte Tendenz darstellen möchte. Von den bisherigen Leistungen des seit einigen Jahren hier existirenden Frauen-UnterstützungS-Vereins, obgleich er noch im Keime ist, und von der Uneinigkeit, die auch -hier Wurzel faßte, gehemmt wird, kann ich dennoch ein günstiges Urtheil fällen. — Das eifrige Bestreben der Vorsteherinnen, Alles was nur dem obengenannten Verein in seinem Gedeihen verhindern könnte, auf die beste Art und Weise zu beseitigen, verdient ohne.Zweifel eine rühmliche Auszeichnung. — I. G. Oesterrei ch. Prerg, 19. Sptbr. Ihr Korrespondent hat in Nr. 37 Ihres sehr geschähen Blattes zu den Klageliedern des neunten Ab noch ein' neues, über das im Gotteshause cm diesem Tage deutsch vorgetragene Lied hinzngefügt. Er beklagt sich über Hrn. Oberkantor Pereles, daß er solches als Solo mit Begleitung der Orgel vorgetragen, und über das Lied, eine Uebersetzung Byrons selbst, die er als verkrüppelt und blamirend darstellt. DaS deutsche Lied ist Purim (ui? rprittf 'n ebenfalls von Hrn. Pereles als Solo vorgetragen, vorgekommen und Ihr Referent hat geschwiegen; das deutsche Lied ist Pesach, ist Schabuot, vorgekommen, und Ihr Referent hat geschwiegen, warum schreiet er denn heute so entsetzlich? Ich will es Ihnen sagen, er glaubt die Uebersetzung Byrons ist von uns nnd schilt dahex über unsere Kräfte, uns und Israel blamirend. -— Aber-diese getreue und meisterhafte Ueberfetzung ist leider nicht von uns, sondern ans dem hebrewSong vom Prediger Franz Theremin, 83crftn 1820 abgedruckt, und zum Beweise der treuen Uebersetzung möge gerade die angefochtene Stelle im Originale hier stehen. The wild-dove hath her nest, the fox his caye, Mankind their Couatry—Israel hut the graye. Ihr Korresp. hätte nicht vergessen sollen, daß dieses Lied, das der Gefangenen am Strande Babel's ist, wie es die erste Zeile besagt, die den Untergang ihrer Nation schmerzlich empfunden, daß es ein al Naharot Babel ist. Die Komposition des Hrn. Pereles war feierlich und rührend, der Vortrag herzergreifend, das Gotteshaus gefüllt wie nie. Wenn also irgend eineBtamirnng hier stattstndeL, so ist sie nicht auf unserer Seite. — / Ernst Weh Li, Verwaktungs - Mitglied des Gotteshauses. 41 *

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