Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1845)
- Date
- 1845-10-08
- Page
- Seite 322 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 322 - für mich und. Andere bei dem . Strebennach Fortschritt auf der Bahn der Erhaltung zu bleiben, und zugleich eine Versicherung, daß' noch auf viele für den väterlichen Glauben begeisterte und .ihm mit. Wärme Anhängende zu rechnen sei. Ich 4 erhalte auch von andern Seiten solche Versicherungen, und ich spreche es mit freudigem Gefühle aus: noch sind unsere Reihern nicht gelichtet, begegnen sich viele Männer irr Israel mit Gesinnung und Ansichten , die von einem inneren Leben sprechen und und Jene Lügen strafen, die der ihnen gegenüberstehenden Seite Willen- und Kraftlosigkeit andichten und in thörichtem Jubel sich zu Israels Führern aufzuwerfen vermeinen. Wir Haben noch Bewußtsein, das Judenthum hat noch Leben, das cs sich vor: einigen leichtsinnig hingeworfenen Phrasen und dem Geschrei des „Zeitgeistes" nicht wird rauben lassen. -- Doch wollen wir auch anerkennen, daß dieses innere Bewußtsein allein nicht genügt: es muss in Thaten, da wo es deren noth thut, hervortreten/ Man hat zu lauge geschwiegen und daher Veranlassung gegeben, daß man den großer» Theil der Juden Deutschlands als in Apathie versunken ausschrie. Es bewahrt sich nun in vielen Manifestationen das Gegentheil glänzend. Möge auf dieser Bahn fortgefahren werden: möge sich eines nicht mindere Theilnahme an manchen Institutionen, die zur Erhaltung,des Glaubens werden müssen ins Leben gerufen werden und/über die ich zu seiner Zeit Manches dem Publikum vorzulegen gedenke, zeigen, und auch hier eme Übereinstimmung das warme Interesse an dem Glauben darthne. Ihre Zu-, schrift, geehrte Herren 1 enthält eine heilige Bürgschaft, daß Sie bereit sind, Ihre Gesinnung in thätiger lebendiger Theilnahme auszudrücken: und so erblicke ich hier einen Grundstein für'manches Unternehmen, tritt hier überzeugend die erhebende Wahrheit entgegen, daß Israel noch in sich Kraft habe — und es auch aus den gegenwärtigen Stürmen gestärkt und gekräftigt hervorgehen werde. ~ Genehmigen Sie n. f. w. (gez.)-Dr. Frankel. Dresden, 15. September 1845. Pleschen, 20. Sptbr. Ich theile Ihnen hier die Antwort des Hrn. Dr. Frankel auf unsere in. diesem Blatte uritgetheilte Adresse nm so lieber mit, als darin der Eifer und das.Streben dieses hochwnrdigen Rabbiner! sich in den kräftigsten Worten ausspricht: S ie haben hoch würdige und hochzuvcrehrende Herren! an mich eine Adresse ergehen lassen, die mich neben dem tiefgefühlLen Dank für die Anerkennung, die Sie meinein schwachen Verdienste wiederfahren ließen, mit wahrer Hochachtung für Ihre an den Tag gelegten Ansichten über Fortschritt und Erhaltung erfüllt. Ja, wir dürfen dem Fortschritt nicht abgeneigt sein, dürfen nicht der Furcht, daß wenn auch ein Fußbreit nur aus den: gewohnten Gleise herausgegangeu werde, sich ein unvermeidlicher Abgrund öffne, zuviel einräumen; denn wir können manche gerechte Forderungen nicht zurückweisen, und sie machen sich umsomehr geltend, jcmehr man das Ohr gegen ihren lauten Ruf verstopft. Aber wir müssen vor Allem bedenken, dass wir ein hohes Gut.zu wahren haben, daß ein göttliches Kleistod uns zur treuen Sorgfalt übergeben ist, für das unsere Vorfahren Alles hinzugebeu bereit waren und das auch unser theuerstes ELgenthum für alle Zeiten verbleiben soll. Der freventliche Eingriff, bas schnöde Wegwerfen,' weil die Zeit ihre Forderungen hat, das Nichtbeachten dessen, was sich in uns emgelebt und durch cinevLeltauftndjährigeGeschichte geheiligt ist, das leichtsinnige Reformiren der Willkür und Oberflächlichkeit, für die es keine VergangeriheiL und kein durch Alterthum Geheiligtes gibt, muß Mit aller Kraft des Glaubens zurückgewiesen, muß als Frevel und Spiel, dem der Ernst der Religion fern ist, bezeichnet werden. Für solche Reformen giebt es auch keine Zukunft, es gehet ihnen die Basis ab und führen sie das Judenthum seiner gänzlichen Auflösung entgegen. Mögen daher Ihre Gesinnungen, mit denen ich ganz einverstanden bin, allgemein getheilt werden. Wir müssen aus dem positiv-Historischen Boden verbleiben, wo das, was allgemein in uns gewmzelt und heiligt ist; wir wollen dieses aufrichtig ausfprcchm und uns nicht durch falsche Worte und Verdrehungen täuschen lassen : aber wir wollen auch anerkennen, daß Manches nicht auf geheiligtem Boden stehe und daher der Veränderung und Verbesserung unterliege. Ob hierdurch die Gegensätze vermittelt, ob hierdurch der Friede nach allen Seiten einkehren werde, dieses liegt allein Einem vor; aber wir dürfen in keinem Falle den Muth sinken lassen , denn uns sott das feste Vertrauen beseelen, daß der Glaube als Göttliches weit die Zeit mit ihren Fluthungen und Schwingungen überragt und sie überdauert. Genehmigen Sie die Zeichen der Hochachtung, mit der ich verharre hochwürdige und hochzuvcrehrende Herren Ihr ergebener Dr. Z. Frankel. Dresden, 11. September 1845. Freistaat Krakau. Krakau, den 11. Sepbr. 1845. In Bezug auf mehrere Andeutungen, in dieser, wie auch in anderen Zeitschriften, daß einige Fortschritte im Gottesdienste der zur Civilisation strebenden Gemeinde gemacht wurden, so haben diese zwar ihren reellen Grund / welches wir nur dem eifrigen Bestreben des Vorstandes zu verdanken haben, aber, daß sie der Art wärm, wie die unserer Glaubensgenossen in Deutschland, dem glaube man nicht, oder daß sich die Gemeinde wenigstens bei dem gegenwärtigen Bestand 'behaupten werde, das ist auch noch sehr zu bezweifeln.