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Der Orient · 1845-10-01 · 40 (1.10.1845) · p. Spalte 635-636

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
40 (1.10.1845)
Date
1845-10-01
Page
Spalte 635-636 (sequence 6)
Language
German
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Z5° 653 Kritiken. Gutachten über Synagogenreform. sie die- Akkommodation des biblischen Textes für seinen ursprünglichen Silurs das nach freiester Handhabung hineingelegte oder abgeleitete als seine ausschließliche und eigentlichste Bedeutung angesehen hätten/so hat das ungefähr so viel Sinn / als wenn von der schlechten Kemümß des Griechischen geredet würde, die Platon an seinen ab mtheu erlichen. Etymologien im Kratylos verrathen, oder etwa davon, daß die beiden Völker des klassischen Altcrthnms ungeschickte Philologen waren. So lange das Volksbewnßtsein noch ein in sich ganzes und Voltes ist, so lange cs innerhalb einer geschlossenen Welt von Vorstellungen.und Anschauungen webt, die es als seine Atmosphäre von allen Seiten umsponnen und entschließen — so lange es noch in demselben Sinne imb Geiste sich produktiv verhält, wie jene Geisteswerke, in denen ihm zuerst seine innerste Eigenthümlichkeit ist offenbar worden, so lange sucht und findet es in diesen immer nur sich selber wieder. — Mnf diesem Standpunkte ist das Bedürfniß einer Erklärung, einer Verständigung über das Alte noch nicht erwacht; der ganze Stoff aus dem jenes sich gebildet , ist noch derselbe und aus dieser Einheit vermittelt sich eine Verständniß, welches, ohne sich selbstRechenschaft von ihrem Thun geben zu können, gewiß -wahrer und energischer ist, als sie dort möglich wird, wo die klare Einsicht in das zu Leistende bezeugt, daß bereits eine Kluft den Erklärer von seinem Objekte scheidet. Das Volksgefuhl und Gesammtleben ist ohne Grammatik und historischen Apparat ein viel besserer Ausleger als die nachher eintrctmde philologische und hermenmtische Kunst, welche gerade je klüger sie ist über die formellen Ansprüche, um desto weniger von der Substanz der Verständniß herzu bringt." — Man kann die Wahrheit nicht mit mehr Glanz und Eindringlichkeit ausstattm , und es ist kein geringes Verdienst von dem Poesie- und ideenreichen Verfasser der,,religiösen Poesie", daß er das seichte Raisonncmcnt von der getrübten Exegese der Talmndisten zerblasen hat. (Fortsetzung folgt.) 38) Mäßigkeit und Dringlichkeit der Synagogen-Reformen begutachtet von vorzüglichen in - und ausländischen Rabbinen. Wien 1845. 8. v. Schmid und Busch. 94 S. In einem Lande, wo Fragen, dre anderswo längst erörtert sind, eben.erst auftauchen und ihre kriegerische Laufbahn durch die entgegengesetzten Zeitrichtungen beginnen, kann es gewiß nur als eine erfreuliche Erscheinung gelten, solche Fragen zur öffentlichen Verhandlung gebracht, und von einer Anzahl Sachverständiger und theils berühmter Männer ihrer schnellen Lösung entgegeführt zu sehen,, und vergißt man über die Löblichkeit der Gesinnung, welche solche Erscheinungen fordert, gern die mindere Wichtigkeit des betreffenden Gegenstandes. Ich erlaube mir demnach Ihre geneigten Leser auf das oben angezeigce Merkchen aufmerksam zu machen, indem ich hiernächst auf dessen Inhalt näher eingehe. 636 Die H.H. S. Schlesinger, A. Spitzer und A. Herzfeld in Papa sahen sich unlängst, wegen einiger in ihrer Gemeinde hervorgetretenen Differenzen veranlaßt , im Namen ihrer Gleichgesinnten über mehre rituelle Fragen von verschiedenen Rabbinen des In - und Auslandes Gutachten emzuholen. Die Fragen betreffen 1. die Placirung des Almemars an die Synagogenlade, die Einführung des Choralgottesdienstes, 2. die Trauung innerhalb der Synagoge, die sonst übliche Vertiefung der Vorbeterstelle, 3. das Entblößen des Hauptes bei außergottesdienstlichen Handlungen, 4. die auf die Kleidung Bezug habenden Anordnungen am Versöhnungstage-/und endlich 5. den Werth der modern-conservativen Richtung der Gegenwart. Die auf diese Fragen eingegangenen (21) Gutachten werden in diesem Werkchen nun unter obigem Titel J — der in Bezug aus die 3te Frage zwar nicht am glücklichj sten gewählt ist — dem Leser vorgeführt. Wir wollen dieselben der vorliegenden Reihe folge nach mit einigen Anmerkungen begleiten. Herr'Kirchenrath Maier will die Fragen theils mit historischer, theils mit halachischer Begründung erledigen, doch scheint er uns die Halacha zweimal übersehen zu haben. Einmal, indem er sagt: „daß der Vorbeter beim Vortrag der Gebete eine liefere Stellung ff. einnehmen muffe sei nirgends vorhanden, während Mag. Abr. 90, 1. allerdings den Minhag rntttt anführt. (Ebendas, findet sich auch ausdrücklich V'mrb TOD was Hr.M. aus O. Chaj. 55. indirect ableitet); dann erkkärt er ad. 4. unser als nutzlos im talm. Sinne, da nach unserer Sitte „der Fuß noch immer bekleidet bleibt". Nun aber verpönt der T. Joma 78. ausdrücklich bloß Herr Pred. Mannheimer bringt (S. 8.) ad 3. einen weniger bekannten Midr. Bereschit, Par. 15. (soll heißen 17.)' nbuo Wtrü NSV'untt, hiergegen ist aber zu vergl. Kiddusch. 19., b. nyPD ohd N1? nM1 u. Rasch! z. St., tdid. 33. mn WD üb) Wfl ni 'Dp. Aus dem Wiederspruche, welche jene Stellen bieten, ist zu entnehmen, daß auch die Alten sich hierin nach den verschiedenen Sitten des Ortes und der Zeit richteten. Hr. Skreinka in Arad nimmt an (S. 29.), die Anbringung des Alm. in die Mitte der Synagoge sei hervorgegangen aus der „Aengstlichkeit, daß nicht von den zwei oder drei Mal des Jahres vorkommenden Vorlesungen, deren vollständiges Anhören zur besondern Pflicht gemacht wird, irgend ein Wort überhört werden möge", was uns gezwungen .scheint, da ja nach Or. Eh. 141, 2— 144, 1, der Gemeinde die Pflicht obliegt, jede Vorlesung aufmerksam anzuhören, worauf sich auch der im Alterthum übliche Gebrauch des Meturgeman bezieht. Falsch hingegen ist, was er aus Iad Lilch. Tefllla 5, 5. ad 3. beweisen will (S. 32). Maimonides im More 3. , 52 (auch bei Ture Sahab angeführt) empfiehlt die Bekleidung des Hauptes „rtfWD hvnV in«N nroiDD) qiNn by HDDTO"* 2n Bezug! aus den Sterbekittel übersieht er eine Stelle [t>eö n''et) 610, wo es aus-

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