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Der Orient · 1845-10-01 · 40 (1.10.1845) · p. Spalte 637-638

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
40 (1.10.1845)
Date
1845-10-01
Page
Spalte 637-638 (sequence 7)
Language
German
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638 Kritiken. Gutachten über Synagogenreform. 637 -drücklich heißt „WM 1Ü NIFl .DÄ Was Kon und Abfassung dieses Gutachtens betrifft, so hätten wir ihm etwas mehr Deutlichkeit gewünscht. Hr. Skr. spricht von „der Bibel abgeleiteten Excerpten- und Canons „ die Progressive müsse die Conservative als Zweck verfolgen " u. s. w., auch wären Ausdrücke wie „Leserei" anst. Vorlesung (aus der Tora nämlich) „die tst68 ä tetes der Confervationslustigen" (S. 29.) zu vermeiden gewesen. Was Herr Rabb. Hirsch aus Luxemburg mit Or. Chaj. 154, 7. für die Translocation des Almemors beweisen will, iss mir unklar; vielleicht gehört es zu seiner Religionsphilosophie. Dort ist bekanntlich blo.s von dem Grade der Heiligkeit des Alm. die Rede, was mit der Tcansportabilitat desselben in keinem Verhältnisse steht. Desto bemerkenswerther ist aber, was dieser Rabbiner in Bezug auf die Gebete im Allgemeinen sagt, da dieses auch eine in Deutschland so eben vorschwebende Zeit frage betrifft, so erlaube ich mir seine eigenen Worte hierherzusetzen: „ Ich trage keine Scheu es auszusprechen: Wir beten zu viel. Man versuche es doch einmal, nur das tägliche Gebet von tbiy bis mit Andacht zu beten, ob dazu nicht ein halber Tag nöthig ist. Nun noch die vielen Zusätze am Sabbat und den Festtagen! Und dieses Alles soll in zwei, höchstens drei Stunden gesagt werden! daher denn leider unser Gotteshaus einem Wettrennen gleich geworden ist, in welchem gewisse Punkte, wo Einer auf den Andern wartet — und dann geht es in schneller Eile vorwärts, wer zunächst den ersten Ruhepunkt erreicht.- Verscheucht man da nicht m u t h w i l li g Jeden aus dem. Gotteshause, der dasselbe besuchen möchte, um zu beten, aber nicht um eine Uebung im schnellen Hersagen von so Vielem und so Vielerlei in so kurzer Zeit anzuftellen! dürfen wir aber die Gebete abkürzen? daran kann kein Zweifel sein. Moses betet in vier Worten: „O Gott, heile sie ". — S. 43. Bei abermaligem Durchlesen meines Gutachtens finde ich mit Bedauern den Text durch mehre Druckfehler entstellc, als verdammen st. verbannen, Gemeinsprünge st. Geniesprünge, Nachsicht, st. Umsicht, Agenda st. Agudda, 200 st.ZOO u. a. Ich bitte die Besitzer dieses Büchleins hiervon Notiz zu nehmen. Mancher junge Schriftsteller weiß nicht, daß man um die Welt tadeln, um sich über ihren Verfall beklagen zu dürfen, erst dazu das Recht haben müsse, selbst dann wenn auch der Tadel billig. Nur hervorragende Geister, welche bereits anderweitig die Lehrer der Welt geworden, und sich unverjährbare Rechte aus ihre Vormundschaft erworben haben, dürfen sich herausnehmen die Welt, die ihnen sonst so Vieles verdankt, mit der Geißel ihrer Zurechtweisung zu strafen. Menschen aber, die man noch gar nicht kennt, oder die eben , erst um ein Plätzchen in dem Gedächtnisse der Welt ringen, sollten sich lieber bescheiden von derselben zu lernen, als daß sie sich zu ihrem Hofmeister aufwerfen. Dieses, dem Herrn Oberrabbiner Hamburger zu Böhmisch-Leipa. In der allgemeinen Anleitung zu seinem G. A., welche ungefähr die Hälfte der ganzen einnimmt, ruft er in seinem Schmerze aus mnjw rran und;»d nbwb mp. Ich glaube dieser Mann ist noch zu jung, um solche allgemeine Seufzer drucken zu lassen, auch wenn sie gerecht sind. Uebrigens ist er der Einzige, der sich für die Vertiefung der Vorbeterstelle erklärt; nach ihm ist „das Placiren der Alm. ff. die Verlegung der Vorbeterstelle" jf. erlaubt, da doch gewiß anzunehmen ist, daß dieses nicht in gleicher Höhe sondern immer etwas tiefer liegt" (?) S. 60. Das G. A. des Herrn Zipfer in Stuhlweißenburg zeigt von einer ausgebreiteten Belesenheit, doch scheint mir seine Konjectur in Betreff der Kopfbedeckung, S. 77«, historisch unrichtig, die meisten unserer Alten setzen ew, mit m^p. gleich. Auch sehe ich nicht ein, was ihn veranlassen konnte (S. 72. Anm.) die Existenz der Gebete „während des Tempels" (welches Tempels? des ersten, oder des zweiten?) in Zweifel zu ziehen. Denn daß ein großer Theil von den, der großen Synode zugeschriebenen Gebeten, wirklich von dieser herrühre, haben Zunz G. D. V. S. 366. ff. und Dukes „zur neuhebr. P. Ans." ebenfalls anerkannt. Mehre Psalmen verrathen sich noch heute als liturgische Hymnen, die nur einem vorhandenen Bedürfnisse während des Tempels entsprechen konntenj Ps. 42. ',.u d'p6n rra "ij/.dtin -pn -iinjm zeigt auf eine historische Thatsache hin; die „Stufengesänge" sind nichts anderes als Lieder für Zions-Wallfahrer, selbst Ps. 126. kann unter gewissen Umständen als solches angesehen werden;*) Samuels Prophetenschule, die Levitenchöre sprechen für das hohe Alter allgemeiner Gebete unter den Israeliten. Daß indeß auch das Volk gemeinschaftlich betete geht entscheidend hervor aus Talm. Taanit f. 27, d. — Soferim 17, 5. — Ram. zu Bikkurim 3, 3. Vergl. übrigens Matth. 6, 5 — 23, 14, Lucas 1, 10. u. a. m. Herr Oberrabb. Schwab beurkundet in seinem G. A. abermals jene fromme Freisinnigkeit, die ihn auszeichnet. Schade daß dieser treffliche Mann uns hier nicht sein reichhaltiges Wissen zu Gute kommen ließ. In den Anfragen fehlte es nicht an Anknüpfungspunkten. - Das G. A«. ist kurz und gedrängt. Die übrigen G. A. halten sich meist stricte an den Gegenstand mit mehr od. minder häufiger Anführung -er Ritualquellen; als die ausführlichsten unter ihnen nennen wir die G. A. der H.H. Kohn in Hamburg, Hold he im, während die der H.H. Philippson, Geiger, Salomo n u. a. in gedrängter Kürze abgefaßt sind. In den meisten Antworten kommen sämnttl. G. A. überein, bis auf *) Das '-| -[mnp uTpDJOO Psi 130, welches tu diesem Büchlein eine Rolle spielt, kann auch im buchstäblichen Sinne Bedeutung haben, wenn man an nimmt, daß diese Hymne von den Wallfahrern recitirt wurde, wenn sie in die Thäler um Jerusalem angelangt waren, so wie Ps. 125. auf die entgegensetzte - Gelegenheit bezogen werden kann. Die Nummer 12 § paßt wieder für jene, welche nach Jerusalem zogen, um daselbst das -ißyj/D u. f. zu verzehren.

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