Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 40 (1.10.1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Spalte 631-632 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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631 632 Kritiken. Gerger's Lesebuch der Mischna. Zwischen spielen lassen z daher die Note es laut zu deklamiren. Vergl. \y\fy ein laures Wortwechseln, und -1JJJ deklamirt! Das Deklamiren kam wohl dem Singen ziemlich ähnlich damals. Daher auch die Note wohl zu erinnern! War es nun, daß sich der Menazeach an den letzt begangenen Fehler der Awischenspieler erinnern solle, oder zu erinnern was ihm der Dichter mündlich sagte, wo und wie die Effekte angebracht werden sollen, da er wohl das Gedicht mit dem Lehrer durchgegangen und ihn mit dem Sinn und mit den verschiedenen Uebergängen bekannt gemacht. Bei einer solchen unbegrenzten Energie, welche David für das Zwischenspiel zeigte*), und bei seinem Talent, Las er besaß, nicht nur in Spiel, sondern auch in Dichtung, wie es 1 Sam. 16, 18 heißt, daß er nicht nur war, sondern auch pj, kann es nicht gefehlt haben, daß ihm trotz seiner Bemerkungen auf dem bbn, die Aufführung derselben im Tempel öfters nicht gefallen hat; daß Effeckte oft nicht so recht angebracht waren, oder daß sonstige Fehler des Menazeachs oder der Lehrlinge den Sinn verdorben halten, der besser ausgedrückt hatte werden sollen. Daher notirte er auf einen folgenden Psalm, den er ihm hmschickte verdirb es nicht! — Gesemus unter „.4.4 Häufig 'ist der Accusativ es ausgelassen**). — (Fortsetzung folgt.) Kurze Anzeigen. 37) Lehr- und Lesebuch zur Sprache der Mischnah , zweite Abtheilung, Lesestücke aus der Mischnah mit Anmerkungen und einem Glossar versehen, von Dr. Abraham Geiger. Breslau, 1845. 6. Leuckart» X und 135 S. mit dem Glossar. Dieses Werk, eine Fortsetzung und Ausführung des bereits in diesem Blatte beurteilten „Lehrbuches zur Mischnahsprache", eröffnet dem Leser einen doppelten Gesichtspunkt. Es stellt sich zur Aufgabe, die Sprache der Mischna, die nach des Vers. Ansicht kein naturwüchsiges Gebilde ist, sondern eine Treibhauspflanze, ein bloses Produkt der Schule, in ihrem Element, in dem syntakstischm Bau ihrer Perioden dem Leser vorzuführen, und zu gleicher Zeit die Dogmatik der Mischna, ihre metaphysisch-religiösen Anschauungen, das Mrhältniß derselben zu dem abgeschlossenen Gedankenkreise der Bibel, und zu der Thätigkeit und der Auffassungsweise *) So daß er, wenn er von der Verherrlichung Gottes durch seine Instrumentalmusik sprach, in größter Begeisterung gerathen, welches der Gott ergebene Ausruf Sela zeigt/ So Ps. 66, 1—4. irbo J2W rm ^td. 68, 33. TW rte y-iN (l) not. — **) „TU vorne sein". Vergl. -TU2—NW. — der nachfolgenden gemaristischen Epoche, an einer geschickten Auswahl aus der Masse der Mischnaliteratur -zu veranschaulichen. — Ein schönes Thema, das schon lange; einer geübten Hand entgegenharrt. Eine solche Arbeit aber, soll sie eine wissenschaftlich fruchtbare sein, soll sie dem raihlosen Leser in dieser labyrinthischen Literatur einen Ariadnefaden reichen, muß sich vor allem durch einen Voümachtsbrief tieferer Einsicht in diese komplicirte und verästete Literatur ausweisen könn m> einer Literatur, wo die Untersuchung über einen Punkt die Erledigung aller andern problematischen Punkte schon zur Voraussetzung haben muß. Sie muß ferner mit einer herzlosen, unerbittlichen Unparteilichkeit gehandhabt werden, welche jede vorgefaßte Meinung bei Seite läßt, und noch viel weniger darf sie die Rechtfertigung eines bereits im Leben eingenommenen Standpunktes, die Bestätigung einer Lieblingsidee zum Hintergründe haben, sonst gehört sie in das ephemere Reich der Tageöliteraiur und muß ans Anerkennung von Seiten der Wisseuschast verzichten. Gerade weit der Talmud im religiösen Leben der Gegenwart noch seine Geltung hat, weil.er ein Schibotet der Parteien ist, darf eine wissenschaftliche Behandlung desselben keine Rücksicht auf die Gegenwart und ihre Parteihändel nehmen. Wer weiß nicht, wie oft Voreingenommenheit auch den, gesundesten Sinn umnebelt, auch das geübteste Auge blendet, so daß dieses die Objekte der Untersuchung in seinen Farben getaucht erblickt, noch dazu in einem Literatur-Genre, wo eine koncise, knappe Ausdrucksweise angestrebt wurde, wo wehr Winke als Worte gegeben wurden, zu dessen Verständnis; eine ars dmnandi inagis quam legendi erforderlich ist, wo also mit einem Worte Mißverständnisse unvermeidlich sind. Nun ist bekanntlich eine oft räthselhaste Brachylogie der Grundcharakter des Mischnastyles, Gedrungenheit und Kürze geradezu ihre Tendenz; sie fürchtet keine Misverstäudnisse, keine Entstellungen, keine Misdeutungen, weil sie sich für kein abgeschlossenes Ganze ausgiebt, für keinen umfassenden Gesetzeskodex gelten will, wo alle'Fälle berechnet, alle Komplikationen vorhergcsehen sind. Sie verläßt sich auf die bereits vom Leben angenommenen religions-gesetzlichen Elemente, auf die fortzusetzende JnterpretationöthätigkeiL der Schulen, sie setzt eine in den Schulen lebendige Traditionsmasse voraus, die ihre Lücken ergänzen, ihre Dunkelheiten beleuchten wird. Wenn man mm, wie der Vers, vorliegender Schrist, die Mischna durchaus ablösen will von dem mit ihr eug verwachsenen Zusammenhang, von dem Boden, auf dem sie entsprossen, wenn man sie aus der Situation reißen will, in welcher erst ihr^ Wesen vortheilhast hervortritt, oder wenn man sie gar mit den später aus ihr ernannten Entwickelungen in Widerspruch zu setzen bemüht ist, wie leicht kann.bei der Fall emtcetcn, daß man mit der Grammatik in der Hand wohl einen erträglichen Sinn herausbringen wird, nur nicht S