Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 317 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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behaupten läßt, verließen all diejenigen, welche die Feier- ) lichkeit beigewohnt haben, erfreut und erbaut das schöne Gotteshaus, das hoffentlich recht bald ein Versammlungshaus zum Frieden und zur Eintracht werden wird. B Hamburg, 19. Sptbr. Je aufrichtiger ich es mit dem „Orient" meine, und mit je größerem Interesse ich alle diejenigen Artikel desselben verfolge, welche von einem, ider Sache der'Juden ersprießlichen Grundgedanken ausgehen , desto mehr muß ich es beklagen, wenn zuweilen Berichte dazwischenlanfen, wie der in Nr. 37 enthaltene und aus Nodenberg (Kmfürstenthnm Hessen) datirte. Ich greife zwar ungern einen Anonymus an, aber, da ja auch die Anonymität meines Gegners,den eigentlichen animus injuriandi auf meiner Seite ausfchließt und ihn persönlich unberührt täßt, so bestärkt mich gerade diese Stärke der „schwachen Seite" desselben in dem Entschlüsse, meine Pflicht zu' üben. Der Nodenberger Korrespondent detaillirt uns nämlich die Festlichkeiten und sogar die-Gefühle , die von den dortigen Juden am Geburtstage des Kurprinzen-Mitregenten zum Besten gegeben worden seien. Alles fei von Dankbarkeit gegen den edlen Fürsten, der zuerst und bis jetzt allein in Deutschland den Juden die bürgerliche Gleichstellung gewählt habe, durchdrungen gewesen. Darin liegt nun entweder eine nichtswürdige Schmeichelei, oder eine absichtliche Täuschung Anderer oder ein arger, von völliger Unkmntniß der kurhessischen Geschichte seit 1830 zeugender Selbstbetrugs). Denn es wird Jedem bekannt sein, daß, obwohl ein Jude, der alte Rothschild , dem Hause des ans seinem Reiche verjagten und durch Jerome Napoleon ersetzten hessischen Kurfürsten, ein ungeheures Vermögen erhalten und noch vermehrt hatte, dennoch das auf den Thron wieder zurückgekehrte Fürstengeschlecht eben so, wie es in verschiedenen andern deutschen Staaten (Mektenbnrg re.) und den sogenannten freien Städten gesehen, den im Lande geborenen und wohnenden Inden nicht die mindeste w ohlwollende Rücksicht schenkte, sondern sie vielmehr aller der, unter napoleonischer Prokonsulnherrschaft genossenen Rechte wieder beraubte. Und so stünde es noch in diesem Augenblicke mit den Juden in Kurhessen, wenn nicht daö Land eine in ihrem Principe treffliche aber leider von oben her schnöde mit Füssen getretene Verfassung erhalten hätte. Diese Verfassung aber ist nicht das Werk des Kurfürsten oder des Kurprinzen, sondern die Einwilligung zu ihrer Einführung wurde beiden größtenteils durch die Macht der Umstände geboten, obwohl der einmal geleistete Schwur nunmehr auch beide Theile unverbrüchlich bindet. Annahme der Konstitution oder Verlust des Thrones, so hieß es vor 1-i Decennien in Knr- Oder sollte das Ganze wohl eine Ironie sein? Auch möglich. . Hessen. Wer sollte es dem Fürsten und dessen Sohne verargen, wenn er sich lieber zu der erstgedachtew Alternative entschloß? Aber so klug diese Handlungsweise gewesen sein mag, so wird man doch wohl die heilsamen Folgen einer Staatsmnwälzung, deren Anerkennung ein „Biß in einen säuern Apfel" war, nicht demjenigen zuur Verdienste anrechnen wollen, der eben nur l>oime mine a lnaimis Mi. machte. — Nein, wollen sich die Nodenberger für die Emancipation, die übrigens bis in die höchsten Kreise hinauf noch, viele Feinde hat und deren Spitze eigentlich drych die landesherrliche Nichtgewährung der für uns nur prineipiell aber darnm gerade . überaus wichtigen gemischten Ehen abgebrochen ist, bei irgend Jemandem bedanken, so mögen sie den Manen des verstorbenen Kasseler Oberbürgermeisters Karl S ch o mb urg, oder dem noch in Marburg festgebannten Dulder Sylvester Jordan und dem auch als Schriststelt er glänzenden Regimmgösekretär Heinrich König in Fulda und ihren Mitstrebenden und Gleichgesinnten in der konstituirenden Versammlung der knrhesstschen Stände und auf den nächstfolgenden Landtagen für ihre Beharrlichkeit und ihren 'RechtSsinn den Tribut ihrer Dankbarkeit zollen. Ehre dem Ehre gebührt; also auch Dank, dem Dan? gebührt, aber nur diesem. Vor Fürsten kriechen, heißt sich speichelleckerisch, hündisch zeigen und die göttliche Natur tut Menschen verleugnen; dazu gie'bt sich heutzutage kein Ehrenmann in Israel mehr her, wenn er auch noch Gefahr läuft, von Heinrich LeoundWolsgang Menzel und Konsorten mit dein Prädikat eines radikalen Judenjungen beehrt zu werden. Wir Juden, so weit wir der Freiheit"fähig und würdig sind, können Gottlob mit kräftigem Selbstgefühl nach oben (zum Himmel), sowie um uns blicken und haben nicht nöthig, das Urtheil der Welt und diegesunde öffentliche Meinung zu scheuen, ob wir mm Fürsten oder Stände, ja sogar ob wir vornehmen oder gerneinen Pöbel gegen . uns haben. Aber wo wir zu danken Ursache haben, da; sollte der Dank auch an die rechte Adresse gerichtet werden; und diesmal muß die Aufschrift lauten: An die Gründer der kurhessischen Verfassilng und an das Werk derselben. E. C. , Hamburg, 21. Sptbr. Abermals haben wir eine herbe Täuschrmg refahren. Der Vorschlag zur Ausmerzung des §. 2 des norwegischen Grundgesetzes ist, eben sowie 1842, nicht der erforderlichen Stimmenmehrheit thcilhaftig geworden. Wohl Wergeland, der diese seine Lieblittgsidee nicht mehr scheitern sah. Denn auch sein kühner Eifer für die Sache, feine überzeugende Beredsamkeit 'hätten wohl schwerlich ein günstigeres Resultat herbeigeführt. Und dennoch wird die Frage schon beim nächsten Storthing und wenn sie dann abermals verneinend beantwortet wird, immer und immer wieder zurückkehren, bis die Vernunft und das -Recht siegei). werden. — Den;: Alle, die in Norwegen von dem Wohl-