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Der Orient · 1845-10-01 · Heft 40 (1.10.1845) · p. Seite 316

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 40 (1.10.1845)
Date
1845-10-01
Page
Seite 316 (sequence 7)
Language
German
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— 316 - Landrath; diesem schlossen sich der Magistrat, derStadt- , verordneten-Vorsteher und die übrigen Beamten der Korporation, welche brennende Wachskerzen trugen. Als dieser Zug sich in Bewegung setzte , und zum Zeichen dessen/, mehrere Mörserschüsse in der Synagoge vernommen wurden, begann die Musik eine Introduktion, die in Einklang kam mit dem gleich darauf vom Chore und dem Vorbeter J ere'zki. aus Breslau gesungenen HD. Diesem Weihgebet folgte der herrliche Psalm NMv t6/ begonnen vom Vorbeter und fortgesetzt in zwei Soloparthim; und als der Chor, wie aus einer- Kehle, in einer feierlichen Melodie gleich darauf iN&y ■DD'Wtn bnyitf begann, trat der Zug ein in das schone 'Gotteshaus und sänuntliche Anwesenden erhoben sich - von ihren Sitzen und standen angenehm überrascht, still; und andächtig, denn es zog ja ein der König der Ehren, nn das für ihm, zu seiner Verherrlichung erbaute Haus,; und Mancher, der da nicht glaubte, noch diese Feierlich-; ■fett zu erleben, schickte sein Dankgebet hinauf zum Allvater, ob dieser Gnade, und aus so manchem Auge, - das vom Alter schon getrübt, rannen Thränen der innigen Freude geweiht, als der Zug sich dem Almemar zu, : das bei der heiligen Lade angebracht ist, bewegte. Der Fahnenträger trat hinter dem letzten, linken Candelaber. 'Die Kinder theilten sich in zwei Reihen, wovon die - eine rechts und die andere links in die Seitengänge sich begaben, welche Gänge die Mädchen mit Blumen aus ihren Füllhörnern bestreueteu , um die für ste bestimmten Sitze einzunehmen. Der Präses trat alsdann auf das Almemar und legte das Kissen auf dem prachtvoll verzierten Tisch. Dann ging der Rabbiner hervor von hinter dem Baldachin, trat vor die heil. Lade und sprach den Segensspruch iOT worauf der Chor ein dreimaliges Amen sang. Während dessen postirteu sich; die beiden R.-Ass. auf die zur-h. Lade führenden Trep- ' pen. Nach Beendigung des Gebetes begann der dreimalige Umzug. Voran der Fahnenträger, jetzt von zwei Lehrern begleitet, hinterher der Vorbeter, dann der Rabbiner, hinter ihm die übrigen Theilhaber anr Zuge, mit Ausnahme der christlichen Theilnehmer,. die sich früher schon ans die für sie bestimmten Sitze begeben hatten.' Der Vorheter recitirte in lieblicher Melodie fn mJin, das Chor stimmte dann mit ein und sang dieses Gebet voller Einklang zu Ende, so daß dennoch der Vorbeter immer den Schluß, gleich einem Echo, wiederholte. Dieses geschah auch mit dm andern zwei Gebeten M ninnn itnb -an (in derselben Melodie). Nach Beendigung des Umzugs trat der Rabbiner wieder vor die heil. Lade und sprach feierlich daS welches der Chor wiederholte; dann wurden die Gesetzrollen, während daö Gebet low iniJDl vom Vorbeter und dem Chore gesungen wurde, in das Tabernakel gestellt , hierauf bestieg der Rabbiner die Kanzel und hielt eine gediegene Rede über die Wichtigkeit und Weihe des Gotteshauses, die der Feier, so zu sagen, die Krone anssetzte-. — Dr. Gebhardt ist kein Redner gewöhnlicher Art, er darf denjenigen nicht gleichgestellt werden, die, wenn sie einmal eine gute, leichtfaßliche Idee in einem Midrasch erhascht haben, sie nach aller nur möglichen Art ausbenten, von der Kanzel herab zum Besten geben, und mit diesem noch nicht zufrieden, sie.in schwülstige Tiraden hüllen und dann dem Drucke übergeben, um wo möglich noch geduldige Leser zu erquicken; seine Worte kommen : aus dem Herzen und bahnen sich leicht den Weg zu den Herzen seiner Zuhörer. Er steht nicht kalt und unbegreiflich da , wie dies so oft bei Rednern, die objektiv erscheinen wollen, der Fall ist; er ist lauter Beweglichkeit und Leben, voller Begeisterung für seinen heiligen Abruf, jedes Glied , jede Faser speicht in ihm und mit ihm. Mau könnte seine Rede, um sie näher zu bezeichnen, eine subjektive nennen, denn sein ganzes Ich giebt hiervon den schlagendsten Beweis, und daher würde man ein Unrecht an ihm begehen, wenn man ihm einen Vorwurf des zn vielen Gestikulirens machen wollte, weil, wie gesagt, seine Person und seine Rede zu sehr mit einander identificirt, zu sehr in Eins verschmolzen sind, so daß man einen Genuß verlöre, wünschte man das Eine von dem Andern getrennt. Schildert er uns die Schönheiten der Natur, so wandeln wir unbewußt in ihr.. Mahlt er uns die unerschöpflichen Wunder Gottes, da sehen wir sie mit einen: Male vor uns. Spricht er über die Nachthcile der Zwietracht in einer Gemeinde, über ihre üblen, verderblichen Folgen, so fühlt man sich überzeugt; die Folgen treten so lebendig, so in den 'hellsten Farben, vor uns, und Entschlüsse der Eintracht gewinnen gewiß in deren Brust Raum, die früher unversöhnlich waren. Seine Moral ist gleich einer reifen Frucht vom Baume des Lebens gepflückt, von welcher er uns den Kern giebt, der in uns wieder Früchte treibt. Lehren von ihm vorgetragen, finden gewiß einen empfänglich guten Boden, weit sie aus einer nie versiegenden Quelle, der heiligen Schrift, geschöpft sind. Er ist ein gar kundiger Winzer im Weinberge des Herrn, er versteht sich darauf, den Boden zu lockern, zu erkräftigen und für's Gute und Wahre empfänglich zu machen. Es wäre ihm daher mit Aufrichtigkeit eine Gemeinde zu wünschen, die seiner werth und würdig und ihn nach Gebühr zu schätzen verstünde. — Nach Beendigung der Rede und des Gebetes für den König, das Vaterland, die Gemeinde und für das Heil derjenigen, die mit hingebender Thätigkeit für den Bau und Vollendung des Gotteshauses gewirkt haben, begann wieder die Musik eine Introduktion zu dem darauffolgenden^ vom Chore, gesungenen Psalm nM niftTD. Zum Schluffe der Feierlichkeit wurde vom Vorbeter noch Mn vorgetragen, und der Chor , vereint mit der Musik, stimmten voller Wärme- und Kraft Halleluja ein. Wie sich voraussetzeu und wohl zuversichtlich

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