Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1845)
- Date
- 1845-10-01
- Page
- Seite 314 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wohl haben Sie schon oft dem rabbinischen Judentljitm kräftig das Wort geredet, haben sich schon manches Verdienst um dasselbe erworben; jedoch Ihr kräftiges Auftreten bei der diesjährigen Rabbiner-Versammlung-, Ihre muthige Entschiedenheit bei Ihrem Austritte aus derselben haben nunmehr diesen Verdiensten die Krone aufgesetzt. Das Herz eines jeden rechtgläubigen Israeliten schlägt Ihnen daher hochachtungsvoll und freudig entgegen und wir können nicht umhin, Ihnen hiermit unfern innigsten Dank, unsere Anerkennung und unsere Sympathie für diesen so kräftigen und muthigen Schritt ergebenst darzubringen und an den Tag zu legen. Wir begreifen recht wohl, welche Ueberwindung es Sie kosten mußte, sich einer Versammlung anzuschließen, aus deren Protokollen sich ein Geist bekundete, der jeden rechtglänbigen Juden mit Schmerz und Widerwillen erfüllt. Allein in der Hoffnung, durch die siegreiche Macht der Wahrheit diesen Geist bannen , zu .können, scheuten Sie die Mühe, ja selbst die Verdächtigung nicht, welche der Anschluß an diese Versammlung Hervorrufen könnte. Und wahrlich, wäre die Tendenz dieser Versammlung nicht gerade der Umsturz alles Positiven im Judenthmne, Ihre so klaren und überzeugenden Worte, welche Sie in dieser Versammlung mit so vieler Beredsamkeit gesprochen, sie hätten nicht erfolglos verhallen können. Und wie Ihr Anschluß an diese Versammlung über alle persönliche Nncksichten sich hmwegsetzend, nur die Förderung und Erhaltung unserer heiligen Religion zum Zwecke hattehaben Sie eben so rücksichtslos diese Versammlung verlassen, als Sie die kteberzcugung gewonnen, daß der Weg dieser Versammlung nicht der Ihrige und der beabsichtigte Zweck nicht mehr zu erreichen ist. Muthig und offen haben Sie Ihren Austritt motivirt und.vor aller Welt-bezeugt, welche Richtung die.Ihrige ist, und wie Sie diese muthig und furchtlos zu vertreten wissen. Und so rufen wir Ihnen zu : nnN “]ro "jriNsn. nnN nro) Mögen sie sich immerhin versammeln, die sich Rabbiner nennen, den Umsturz des positiven Judenthums zu dekretiren; der bessere Theil in Israel wird sich nicht irre führen lassen; er wird vielmehr erkennen, daß diese Versammlung sich nicht auf rabbinischmr, ja nicht einmal auf biblischem Boden bewege, und dasjenige, was sie bietet, nichts weniger als echtes Judenthums sei. —- So lange, wir Männer Ihresgleichen, Hochwürdiger Herr, zu den nnsrigen zählen, ist Israel, Gott Lob, nicht verwaist. Fahre Sie fort, die Fahne des rabbinischen Judenthmns mit kräftigem Arm vorzutragen, und seien Sie versichert, .daß Sie nicht allein dastehen. Viele, gar Viele werden sich unter diese Fahne schaaren und mit göttlicher Hilfe das heilige.- Panier unserer Religion allen Widersachern zum Trotz unversehrt zu retten im Stande sein. .v Möge der Herr Sie zum Heil und Segen aller Rechtgläubigen schützen und schirmen nach dem eifrigen. Wunsche Euer H och würden ganz ergebenste I. D ent sch, Rabbiner zu Beuthen. D. D.euts ch> Rabbiner zu Sohrau. I. Kar o, Rabbiner zuLublinitz. L. F e rnh ach, Rabbiner zu Nicolai. L. Kar funkel, Rabbiner zu Rybmk. - A. Löwysohn, Rabbiner.zu Peißkretscham. Im Einverständniß und im Namen ihrer resp. Gemeinden. E. Landsberger, Rabbiner zu Loslau. S. Lowy, Rabbiner zu Natibor. Beuthen, 10. September 1845.^ Frankfurt a. Mt., 5. Sptbr. .(Verspätet.) Nächster Tage geht auch von hier ein Ehrenpokal nebst Adresse an Rabbinee Frankel nach Dresden ab. Schwerlich wird sich Hr. Frankel selbst täuschen und verkennen, daß es im Grunde nicht ihm, sondern dem Glaubensinteresse gilt. Doch muß zngestanden werden, daß dieses Mannes ehrenhafte und charakterfeste Handlungsweise bei Gelegenheit der Berliner Rabbinatöstelle hohe Achtung verdient und daher diesmal wenigstens schonende Beurtheilung. Daß die Rabbinerversammlung die ganze orthodoxe Partei aufs äußerste gegen sich aufbringen würde, war vorauszusehen und die durch Frankel's Austrcteu der Versammlung abgedrungene Erklärung, sie stünde gleich ihm auf dem Boden des - historisch-positiven Judenthums, wie ihr ängstliches Ausweichen der Prineipicnfrageu, hat ihr in den Augen ihrer Gegner sowohl als aller Unbefange- 'Nen eben so wenig genützt, als ihr Festhalten am Talmud , -welchen sie bei allen Verhandlungen ungezogen. Die Mitglieder dieser Versammlung mögen es recht gut -gemeint haben und wir sind weit davon entfernt> t^ncit den guten Willen, zum wenigsten in ihrem Sinn, absprechen zu wollen; aber wem haben sie gedient, oder was haben sie erreicht? Wohl hat man nicht von ihnen erwartet, daß sie sich auf den rationellen Boden der Reform vereine stellen wurden, denn dies läßt, wie mein sagt, schon ihre Stellung nicht zu. Die Märtyrer des. Glaubens sind unter den Juden dermalen nicht häufig zu finden, und man kann den Rabbinern nicht gerade zumuthen , sich der Gefahr auszusetzen , die Peitsche'des Viehhändlers ergreifen zu müssen, um sich zu ernähren, wie einer der ihrigen eben so aufrichtig als naiv irgendwo gesagt. Die Abschaffung einiger bedeutungslos gewordenen Gebete, als um Erlösung durch einen persönlichen Messias, Rückkehr nach Palästina und Wiederherstellung des Opferdienstes ist unvermeidliche Forderung der Zeit geworden und läßt sich für deren Beibehaltung wenig Vernünftiges sagen. Allein die Rabbinerversammlung hat vorerst eigentlich nur ihre Ansicht hierüber ausgesprochen, die Ausführung aber einer künftigen Versammlung überlassen. Das ist gerade, als zeigte