Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 39 (24.9.1845)
- Date
- 1845-09-24
- Page
- Spalte 613-614 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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613 614 Studien. Eine neue Erklärung der Beschneidüng welcher, ebenso als Gott der Zeugung durch Phalloxhoricii, wie als Gott des Todtenreiches durch Todtenopfer verehrt wurde". Ferner S. 556: „Äußer -diesen Festen (bei den Indiern) nennen wir noch das Schiwafest, Sivaratri, welches in den März fällt, ein Phallusfest, an welchem man ähnlich wie in Egypten bis Heute noch Umgänge mit dem Phallus hält". Ueber die Verbreitung des Phallusdienstes 'n Egypten sind folgende Stellen aus dem erwähnten Buche bemerkenswerth. Im zweiten Bande S. 547 heißt es: „Nun felgten die phallischen oder Dyonisosfeste. Dahin gehören die Pamilien, bei welchen ein Bild mit einem dreifachen Zeugvngsglied ausgestellt und herumgetragen wurde n." Fernen „Nach Herodot trugen die Weiber bei diesen Festen ein Bild des Dyonisos mit einem beweglichen Zeugungsgliede, das' unverhältnißmaßig groß war beinahe so groß als das ganze Bild rc." Ferner S. 550: „Bei dem Feste, welches in der Stadt Bubastis jährlich gefeiert wurde, führte ein Theil der Weiber Tänze auf, ein Theil derselben entblößte sich rc." „Hier haben wir ein phallisches Freudenfest, das sicher gegen die Zeit der Frühlingsgleiche fallt." Aus den angeführten Stellen, die noch mit vielen andern vermehrt werden können, geht also die weite Verbreitung der religiösen Phallusverehrung hervor» Es ist aber nicht minder eine bekannte und unbestrittene Sache, daß bei allen alten Völkern alles das, was mit irgend einem Gotte in Verbindung gedacht -wurde, und um so mehr dessen Symbol, gleichsam dessen leiblicher Repräsentant im höchst vollkommnen Zustande sein mußte, und auch im mosaischen Opferkultus mußten daher die Opfer nicht nur fehlerlos d. h. im Zustande der physischen Vollkommenheit, sondern auch die Opfernden — Priester — mußten körperlich fehlerfrei sein. Der Grund des Beschneidrmgsgebotes ist also dieser: Abraham, durch welchen der wahre Gottheitsgedanke m die Weltgeschichte eingeführt wurde, sollte durch die an sich und seinen Nachkommen vorzunehmende Beschnridung d. i. Verstümmelung und daher Entweihung des männlichen Gliedes faktisch bethatigen, daß er sich von dem Phallus- oder Lingadienst und eo ipso von der mit diesem Dienste in Zusammenhang stehenden Naturvergötrerung lossage. Nach dieser Erklärung war also die Beschneidung eine faktische Negation, ein blutiger Protest gegen die heidnische religiöse Anschauungsweise, sie trägt also den negirenden und protestirenden Charakter vieler anderen mo- Der Umstand, daß die als Götzen der unfruchtbaren Frauen Rachel und Michal erscheinen (1 Mos. 31, 19. Sam. 19, 13.) spricht sehr für diese Annahme. Die Stellen wie Nicht. 17, 5. 18, 17. 1 Sam. 15, 23. 2 Köm 23, 24, sprechen wenigstens nicht gegen diese Hypothese. Hingegen erscheinen sie in den Büchern, welche spätere Zeiträume berühren, wie Hof/3, 4. Iechesk. 21, 21 und Sechar. 10, 2 mehr als Zukunft verkündende Götzen, da mit dem Erlöschen des Phallusdienstes auch die ursprünglich religiöse Bedeutung dieser Götzen verschwand und und der Name derselben als uralt als generelle Benennung der Götzen überhaupt genommen wurde. falschen Gebote an sich, paßt vollkommen in das Gefüge des als eine historische Entwicklung sich setzenden und begreifenden Mosaismus, steht mit dem Grundcharakter desselben und. mit der Aufgabe des Iudenthums, dem Heidenthume nämlich, immer und überall entgegenzutreten, in engster Verbindung und macht uns, einen liefern Blick in den Zusammenhang der heiligen Schrift gewahrend, zugleich klar, warum die Beschneidung als rp-Q niN eingesetzt ist. Denn Abraham und seine Nachkommen waren von Gott, dem Lenker der Geschichte bestimmt, den wahren und reinen Gottheitsgedanken im Lause der Zeiten zu erhalten und zu verbreiten und dem. Heidenthume in allen seinen Gestaltungen entgegenzutreten; die erste faktische Bethätigung dieser großartigen Bestimmung fand ihren Ausdruck in der. als Protest gegen das Heidenthum sich kundgebendenden Beschnridung, sie bezeichnet so zu sagen die Geburt, den ersten Eintritt der Verehrung des wahrhaftigen Gottes in die Weltgeschichte und darum ist sie für alle Bekenner dieses wahrhaftigen Gottes als rrnn DIN eingesetzt. Die Aehnlichkeit der Beschneidung mit dem Sabbat in Bezug auf die ihnen gemeinschaftlich zu Grunde liegende Idee und Benennungda auch der Sabbat und genannt wird (2 M. 31, 17—19), tritt nach meiner Erklärung klar und deutlich zu Tage. Denn der Institulion des Sabbats wird ausdrücklich in der heiligen Schrift (1 Mos. 2, 14* 3 Mos. 31, 17) der Ausdruck der Idee: daß Gott Schöpfer der Wett lei *), daß ihm also eine reale Existenz außer der Natur zukomme, zu Grunde gelegt. Der Sabbat will also den Mittelpunkt der religiösen Anschauung des Heidenthums, mach welchem Gott und Natur identisch ist, negiren und aufheben und eben so die Beschneidung. In der Institution des Sabbats kommt die israelitische Gottes (ehre mehr von ihrer positiven Seite zur Anschauung und zum Bewußtsein d. h. es soll durch sie gelehrt werden, daß Gott Schöpfer der Welt sei, während in der Beschneidung mehr ein negatives Moment, die Verneinung und Lossagung von der Naturreligion liegt. Im Sabbat liegt mehr der Ausdruck des Iudenthums und seiner Bestimmung als ein an und für sich Seiendes ohne Bezugnahme auf seine Stellung der Welt und den Völkern gegenüber, in der Veschneidung liegt aber mehr die Aufgabe des Iudenthums in Bezug auf dessen Weltfrellung, die eine gegen alle Gestaltungen des Heidenthums oppositionelle und protestirende ist. — Nach der gegebenen Erklärung wird auch 4) Wohl mag auch der Sabbat in Hinblick auf 5 Mos. 5, 14. als eine sociale Institution, wie schon in diesen Blättern (LB. Nr. 23) behauptet wurde, gelten. Er mochte wohl auch die theilweise Emancipation der arbeitenden Klassen von dem Drucke ihrer Brodherren bezwecken. Allein wenn schon einem menschlichen, so können gewiß einem göttlichen Gebote mehrere Ursachen zu Grunde liegen. Allein ri'12 und nw heißt der Sabbat sicher nur, weit er beurkunden soll „daß in sechs Tagen Gott Himmel und Erde geschaffen, am siebenten aber aufgehört und gefeiert habe", somit eine specielle Beziehung auf die speciell israelitische Eotteslehre ausdrückt. — 39 *