Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 39 (24.9.1845)
- Date
- 1845-09-24
- Page
- Spalte 611-612 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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611 Studien. Eine neue Erklärung der BeHneidung. 612 ganze Werk sist sehr schön geschrieben und am Ende findet sich ein Index über alle im Werke angeführte Merke und Schriftsteller." So weit der Privatgelehrte./ Wir können nicht umhin, den Wunsch auszusprechen, daß die Schätze der Privatbibliotheken bald an's Tageslicht treten mögen. Bei der Oberflächlichkeit und Charlatanerie, die sich in unserer Zeit so breit machen, ist es eine Beruhigung, sich in die mit Bescheidenheit und Gediegenheit abgefaßten Werke der Allen Zu flüchten. Da sucht die Ignoranz nicht ihre Opfer aus, die sie meuchelmörderisch rödten kann. — In einigen Tagen verläßt ein dem jüdischen Gelehrten willkommenes Schristchen die Presse. Es führt den Titel: Ausführliches Sach- und Namenregister zu de Rossi's „historischem Wörterbuch der jüdischen Schriftsteller und ihrer Werke". Ausgearbeitet von Dr. H. I o i o w L c z. Mit onomatologischen Bemerkungen herausgegeben von Iellinek. Leipzig, 1846. Heinrich Hunger. — Literarische Avalekten Eine ganz nene Erklärung über das Gebot der Beschneidung. Es ist eine bekannte und anerkannte Sache, daß Viele der mosaischen Ge- und Verbote in ihrem oppositionellen und protestirenden Charakter gegen die religiöse Anschauung der damaligen heidnischen Welt ihre vernünftige Erklärung finden. Maimuni *), dieser gefeierte Name itv der jüdisch-theologischen Welt, har im dritten Theile seines More Nebuchim diese Erklärungsweise fast bis zur unnöthigen Uebertreibung angewender und wenn ihm auch in der Erklärung mancher einzelnen Ge- und Verbote von berühmten Schriftforschern, wie von Nachm a ni, Abravanel u. m. a. widersprochen wird, so wird doch die Erklärungsweise principiell allgemein gebilligt, da sie zur genügenden und vernünftigen Erklärung der heiligen Schrift unumgänglich nothwendig ist. Eine Erklärung des Beschneidungsgebotes im erwähnten Sinne, die den tiefem Zusammenhang dieses Gebotes mit dem Grundgegedanken,und. Grundcharakter des Mosaismus nachweist, den Grund der Einsetzung der Beschneidung als rms riiN darthut und noch manches andere aufhellt, verdient die Beachtung der Gelehrten und Schrift forscher. Die hier folgende Erklärung sucht diesem zu entsprechen. Bekanntermaßen war das alte Heidenthum seinem Urwesen und Grundcharakter nach Naturreligion, d. h. es bell Die Erklärung desselben über das Gebot der Beschneidung in More Nebuch. 11l, 49 geht dahin, daß entweder durch die Beschneidung eine Schwächung des Gliedes und dadurch eine Minderung der Wollust erzielt werden solle, oder daß sie zum Nationalzeichen diene, welchem Letzter» Grund er den Vorzug einräumt. trachtete die Natur' in ihrer Totalität als wirkende Gottheit, so daß Schöpfer und Geschöpf in eins aufgingen, deren reale Existenz also durchaus nicht als getrennt und absolut für sich seiend augeschaut wurde. Das Heidenthum hatte daher nicht wie der Mosaismus einen selbstständigen, persönlichen, auch außer und über der Welt stehenden Gott, sondern ihm war das Wesen und Sein der Gottheit mit dem Wesen und Sein der Natur identisch. Begreiflicherweise hing mit dieser Auffassung der Gottheit die Art der religiösen Verehrung d h. Kultus und religiöse Feste zusammen, so daß letztere großentheils in den Aequmoctien und Solstitien-) als in der eklatantesten, 'entschiedensten und augenfälligsten ^Manifestation der >mit der Natur zusammenfallenden Gottheit gefeiert wurden, ' fo wie dem Kultus nur kosmische Anschauungen und Zahlenverha'ltnisse zu Grunde lagen. Mit dieser Naturreligion hing der in uralten Zeiten in Indien und Egypten weitverbreitete Linga- oder Phallus dienst genau zusammen.- Ich will hier in Bezug auf diese religiöse Phallusverehrung — als Symbol der schaffenden Natur — mehrere Stellen aus Bähr's „Symbolik des mosaischen Kultus" zusammenstellen. Im ersten Bande S. 145—145 heißt es: „Besonders häufig erscheint (bei den Indiern) die Drei als Signatur des Schiwa, der auch Mahadeva, das ist der große Gott heißt, welcher indem er alles verschlingt alles erzeugt rc." „Sein gewöhnlicher Typus ist der Linga, das ist Zeugungsglied, welcher durch jede Pyramiden- oder Obeliskenform dargestellt wird". Im zweiten Bande S. 220 heißt es: „Ganz ähnlich lehren die Schiwaiten, Schiwa, der Gott der Zeugung, libire beständig mit seinem Phallus, d. h. es gehe beständig Leben von ihm aus und diese Lebensergießung ist eo ipso fein Opfern, bei den wirklichen Opfern goß man aus einer besondern Opferschale, welche die Yoni (das Geschlechtsglied) der Bhavani, der großen Naturmutter, der Gattin Schiwa's, vorstellte." Ferner S. 472 „Ihm (dem Schiwa) ist der Linga und Stier geweiht," und S. 473: „Hieraus ging auch sehr natürlich die Sitte -hervor, in die Grabstätten Phallusbilder zu legen, was nicht blos in Indien geschah, sondern auch bei andern Völkern, ja selbst bei Salzburg fand man Todtenurnen mit Lingabildern rc." Ferner: „dieselbe Vorstellung findet sich auch in Vorderast'en, wir erinnern nur an den Baal Pcor der Moabiter und Amoniter 2 3) (Num. 23, 28. 25, 3.5.), 2) Bährs Symbolik des mosaischen Kultus H. 553. 3) In Bezug auf diesen Phallusdienst ist wohl der in der heiligen Schrift bei dem Götzendienst oft vorkommende Ausdruck DnnriN CP3T Dnx sehr bezeichnend. Auch .glaube ich bei der Warnung gegen allerlei Bilderdienst in 5 Mos. 4, 16 in den Worten ropi IN ‘"DI lYODH eine Anspielung auf den Phallusdienst zu sehen. Bei dieser Gelegenheit will ich auch eine Hypothese über die Bedeutung der vielbesprochenen Götzen beifügen. Ich halte diese für Lingabilder oder für solche Götzen, an welchen der Linga Hauptgegenstand der Verehrung war. Der Stamm des Wortes ist Fpn, welches Wort im Talmud Schamg Lied, Scham theil bedeutet. (Nidda 96, Nedarim 20, Sabbat64.)