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Der Orient · 1845-09-24 · Heft 39 (24.9.1845) · p. Seite 311

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 39 (24.9.1845)
Date
1845-09-24
Page
Seite 311 (sequence 13)
Language
German
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- 311 - Mein Austritt ans der Rabbiner- Versammlung. In einem. Aufsätze über Theilnahme an der 2. R.-V. in Nr. 27 der allgemeinen Zeitung des Iudenthums habe ich auf den bekannten Sittenspruch not ONdr io flN p hingewiesen, und mich in sofern gegen die der 1. R. -V. gewordenen Verdächtigungen erklärt, daß man doch nicht Alles, was man für unrichtig hält, so schnell als Frivolität verschreien, sondern lieber als Irrthum betrachten und durch Belehrung zu berichtigen suchen möge. „Doch die Nemesis schreitet schnell!" Diejenigen, welche ich gegen Verleumdung in Schutz genommen, suchen nun mich zu verdächtigen, weil ich mich veranlaßt sah, aus ihrer Vers, in Ff. auszuscheiden. Herr Dr. Philippsohn, der Repräsentant der N.-V., Lhut dieses öffentlich in Nr. 34 seines Blattes, und mehrere andere Herren versuchen es im Stillen. So ist z. B. einer derselben, der überdies einige Zeit an einer Hochschule mit mir studirt hat, eigens über Hannover in seine Heimath zurückgereist, um sich dort an mir zu rächen! ' Wahrlich ich fürchte nicht, daß dieses Alles mir schaden könnte! Doch wenn ich es auch fürchtete, so würde ich mich dennoch wohl hüten, nWn! die Waffen meiner Gegner zu gebrauchen. Mir ist die Sache zu heilig, mir sind auch die Sittensprüche des Talmuds zu heilig, als daß ich in die von ihm so arg verpönte Sünde v^ni "HDnrP verfallen könnte, und ich danke dem Allgütigen, der Herz und Nieren prüft, unaufhörlich dafür, daß er keinen Funken jener giftigen Leidenschaft der Verläumdung und Verkleinerung in meinem Herzen entstehen ließ. So wird man auch in meinem an die R.-V. erlassenen Absagebriefe durchaus keine Spur finden, daß ich die Absichten der Mehrheit der R.-V. verdächtigen wollte, sondern nur den einfachen Sinn ihrer Worte und Beschlüsse erklärte ich für unvereinbar mit dem Standpunkte des positiv-historischen Iudenthums. So wird man auch in meiner zu Hannover gehaltenen Predigt, die gedruckt ist, nicht die leiseste Anspielung auf die R.-V. oder auf mein Verhältnis; zu ihr finden; wie, frage ich, wie kann man nun so ungerecht oder so verblendet sein, meine, offen ausgesprochenen Gründe zu ignoriren, unwiderlegt zu lassen, und statt dessen, mich mit waschweiberischen „man sagt," und „man sprach" herabsetzen zu wollen? So zwingt man mich gleichsam, nochmals auf meinen Austritt zurückzukommen, doch ich bin, Gottlob! in dem Falle, zeigen zu können, daß ich es allezeit treu und aufrichtig auch mit dem Institute der R.-V. gemeint habe, daß jede eigennützige Spekulation mir ferne lag, und mich in allen meinen Schritten und Handlungen nur die innigste Liebe zu dem Iudenthume und der aufrichtigste Eifer für dessen Erhaltung geleitet haben. Ich hatte mich nämlich noch nicht als Mitglied zur 2. R.-V. gemeldet, als ich im Monat Mai d. I. ein vom 5. desselben datkrtes Einladungsschreiben des Hrn. Rabb. Stein in Ffrt..erhielt, worin er scharf hervorhob, wie die 2. R.-V. im laufenden Jahre suchen müsse, durch eine religiöse Haltung Vertrauen zu erwerben, den Muth einer Meinung den Extremen gegenüber zu haben „und dazu ist es nöthig, daß „gemäßigte Männer, wie Sie, nicht fehlen, damit „dem gemessenen Fortschritte der Sieg nicht entgehe." Er fürchte aber, daß diesem Institute der R.-V., übelwollende Männer öffentlich oder im Geheimen es versuchten, ihr gerade diejenigen Männer, welche das positive Iudenthum ernst vertreten, abwendig zu machen, und darum lade er mich besonders ein. Hierauf hatte ich Herrn Rabbiner Stein am 16. Mai Folgendes geantwortet: Randegg, den 16. Mai 1845. Geehrter Herr Kollege! Sie haben mich durch Ihr geschätztes Schreiben vom 5. d. M. beehrt, und mein geehrter Vetter, Herr Oppenheim wird Ihnen vorläufig eine kurze Antwort mitgetheilt haben. Heute beehre ich mich, Ihnen direkt etwas ausführlicher zuschreiben. Ich bin Ihnen für das Zutrauen in meine gute Gesinnung von Herzen dankbar, und hoffe jenes auch in Zukunft zu rechtfertigen. Aber ich gestehe Ihnen, daß die Versuchung von der R.-V. fern zu bleiben sehr groß ist. Die Orthodoxie wendet zum Kheil Lästerungen und Verdächtigungen an z zum Theil schmeichelt sie sich auch, ja sie drohet auch, es könnte die nächste R.-V. durch Gensdarmerie auseinander gejagt werden, was doch nicht sehr einladend klingt. Nicht weniger abschreckend ist die Neologie. Aeußerungen wie sie auf der ersten RV. von den HH. N.N. u. A. gehört worden, mußten dem neuen Institute auch bei seinen ersten Mitgliedern Abneigung erwecken, und die selbstbeigelegte Protektormiene solcher Herren, die das Iudenthum an den Schandpfahl stellen, wie N. N. in seinen Eidesdiatriben, oder die sich aus der ganzen Sache nur einen Lachreizstoff für das lesende Publikum bilden, wie der Redakteur des „Israelit", ist für den ernsthaften Mann höchst abstoßend. Daher würde ich mich auch von der R.-V. für die Folge zurückgezogen haben, wenn ich nicht fürchtete, daß eben unter dem gegenseitigen Zerfleischen der beiden Extreme das bessere Iudenthum als Opfer fallen müßte, und ich war recht erfreut, in Ihrem geschätzten Schreiben den Wunsch nach Verständigung und Einigung der getrennten Glieder des Iudenthums ausgesprochen zu^ sehen. Daß Sie, geehrtester Herr Kollege! hierzu meine Mitwirkung wünschen, was ich als schätzbare Anerkennung meiner Wirksamkeit bei der ersten R.-V. betrachte, so werde ich in Gesellschaft mit noch einigen badischen Rabb. bei der nächsten R.-V. in Frankfurt erscheinen, wenn uns kein äußeres Hinderniß abhalten wird, und da ich so glücklich bin in Ihrer Gemeinde viele Anverwandte und Freunde zu besitzen, so soll es an meinem guten Willen nicht fehlen, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Keises der R.-V. zur Versöhnung und Verständigung mitzuwirken.

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