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Der Orient · 1845-09-24 · Heft 39 (24.9.1845) · p. Seite 310

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 39 (24.9.1845)
Date
1845-09-24
Page
Seite 310 (sequence 11)
Language
German
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310 kannte Prof. A. Franck in Paris bei den diesjährigen Konkursen nicht als Prüfnngsrichter mit hinzugezogen .worden, was der National, der dieser Uebergehnng insbcsonders konfessioneller Engherzigkeit zuschreibt, ernst rügt» — I. L. Goldsmid, einer der Gründer der Londuer Universität, liberal, bisher Vieeleutnant der Grafschaft Middlessex, ist zum Magistrat derselben erwählt worden. — Leider tfi, wie ich dem Orient bereits früher gemeldet, im Juli der beredteste Wertheidiger der Judensache vor dem norwegischen Storthing, der edle Archivarius Henrik Wergeland, in das Jenseits hinübergegangen; wie herrliche Früchte aber seine unermüdlichen und aufopferungsvollen Anstrengung eil für die Tilgung des Grundgesetzes getragen haben, geht aus folgender Zeitungsnachricht hervor: ,,Die Constitutionskomite hat einem, von 36 Mitgliedern des Storthings Unterzeichneten Anträge zur A ufh ebu n g der bis hörigen gesetzlich e n Au sschließung der Juden ans dem Königreiche bei g e p ft i ch t e t." Hoffen wir, daß noch in dem (bald schließenderr) diesjährigen Storthing das dreißigjährige Unrecht wieder gut gemacht wird, und wie sich bereits ungefähr der dritte Theil des Storthings (die Versammlung zählt etwa 100 Mitglieder) für die gerechte Sache erklärt, auch die Stimmen eines zweiten Drittheils ihr zufallen werden. C. Würtemberg, Ende August. In die Miseellen dieser Zeitschrift hat sich eine — durch viele Blätter verbreitete —' entstellte Nachricht eingeschlichen,, die zu MiSverständniffen Anlaß geben konnte, und nur crsilchen dacher alle jüdische Tagesblätter, dieser Reclamaüon Raum zu gönnen. -— Schon vor einigen Monaten hat unter der Aufschrift: „Beiträge zur Jndenemaneipation" ein Ungenannter in unserem schwäbischen Beobachter die Nachricht mitgetheilt, daß den jüdischer: Badgästerr irn königl. Bade Boll das Baden aus dem Wohnzimmer von Amtswegen untersagt worden sei; der Badearzt aber hat in demselben Blatte diese Mitthcilung als unwahr Hingestellt. Gerraner von der Sachlage unterrichtet, können wir mittheilen, daß allerdings einigen jüdischen Frauen aus der Nachbarschaft BollS das Baden auf der Wohnstube untersagt worden; aber nicht weil sie Juden waren, sondern weil sie im vorigen Jahre von der Vergünstigung, die Bäder auf den: Wohnzimmer nehmen zu dürfen, Misbrauch gemacht und die Badeanstalt thcilweise ruinirt haben. Die Kammern'sind vertagt, vor dem Schluffe derselben. kam noch die Petition der israelitischen Lehrer und Vorsänger um Verbesserung ihrer Gehalte zur Sprache, aber ohne Erfolg; denn die Bitte war ohne Takt und Umsicht abgefaßt: so machte sie unter Anderem geltend, man solle den Amtstnruus der Rabbinen aufhcbeu, da die Vorsänger wohl die Funktionen der jüd. Geistlichen versehen könnten und den dadurch erzielten Ueberschnß solle man den VorsäiDrn züfließcn lassen. Dieser Bitte wurde seitens mehrerer Gemeinden eine andere entgegengestellt: die Israel. Olerkirchenbehörde wurde nämlich um Jntereession dahin angegangen, sich bei der allerhöchsten Behörde zu verwenden, daß die Vorsänger von der Kanzel und freut Gemeindevorsteheramte entfernt würden, da das Predigeramt eine wissenschaftliche Bildung erheische, solche aber den Vorsängern abgehe und die Mitbetheiligung beim Vorsteheramte den Lehrer von seinem Lchramte abziehe, und ihn in Kollision mit der Gemeinde setze. Die Entfernung der Lehrer von der Kanzel wäre wirklich wünschenswcrth, da nur wenige neben wissenschaftlicher Bildung Kenntniß der jüdischen Literatur haben, die dem jüdischen Prediger unentbehrlich ist. Der dem Seminar kaum entlassene Provisor stoppelt aus den christlichen Stunden der Andacht, aus Zollikofers Predigten einen Plunder zusammen und ans diesem aufgemuzten Chaos soll die Gemeinde Erbauung schöpfen?? Und allerdings war da die Parnasims-Zeit eine bessere, die in einer andern Zeitschrift den Bittstellern vorgeworsen wird; denn dem Parnes stand es zu, den nnbefähigten Zudringling 'abzuweisen, während durch die neue Organisation anmaßende Jünglinge, die kaum der Ruthe entwachsen, verdienstvollen, ergrauten Männern dm Sittenprediger abgeben wollen. Am 17. August brachte der jüdische Gesangverein von Hochberg -bei Stuttgart dem Abgeordneten Beiel ans der Schillerstadt einen Fackelzug und ein Ständchen, als Darlegung der Hochachtung und des Dankes für sein edteö ständisches Wirken in der Sache der Judenftage. Ein Fremder brachte aus Spott — dem Judengcsttze vom Jahre 1823 — das in der Kammer ein Hctotengesetz genannt worden, ein Lebehoch, wurde aber wegen Ruhestörung von der Polizei gefänglich eingezogen. Den Abgeordneten Hvlzinger und Veiel werden von Stuttgart aus noch besonders Dankadressen im Namen der Juden des Landes überreicht werden. Privatnachrichten zufolge soll der Verfasser des „biblisch-, kabbalistischen Orient" ein würtembergischer Kandidat der mosaischen Theologie sein, derselbe, der vom neuen Tempel in Hamburg, wo er seine homiletischen Studien gemacht, zur Synagoge apostasirt hat. Unseren älteren Landsmann in Hamburg, den Tempel-Prediger Dr. Frankfurter hofften wir durch die Rabbiner-Versammlung wieder nach Schwaben zu bekommen; es waren ihm von Seiten seiner früheren Gemeinden schon freundliche Überraschungen vorbereitet, als diese Spalten die Nachricht brachten, daß er diesesmäl an der Rabb.-Vers. keinen Antheil nehme. Unser kirchliches Leben geht den geordneten, friedlichen Gang, nur in wenigen Gemeinden regew sich Besorgnisse wegen der N.-V.; und wenn auch „der Zionswächtcr" bei uns selten gelesen ist, so hoffen wir dennoch, daß „nicht schlummert und nicht schläft der Hüter Israels^!

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