Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1845)
- Date
- 1845-09-24
- Page
- Seite 309 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360364-2360404--5129-3531626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 309 - Lehrer, der "ifi $ö ist, aufiichtMmnd pflichtgetreu, «reinen? was kann dem Lehrer daran liegen, ob eure Kinder diesen oder jenen Gegenstand gründlich erlernen, wenn er nach . einem Jahre sich einen andern Wirkungskreis suchen und noch während dieser Zeit Anfeindungerl ertragen muß? — Wahrlich ihr sorget besser für eure Lastthiere — man entschuldige diesen Ausdruck—. als für das, was eurem Herzen so theuer ist — für eure Kinder. ■— Was soll endlich aus den jungen Männern, die sich bereits diesem undankbaren Berufe gewidmet haben, werden? -- Manchem, der noch nicht im vorgerückten Alter steht und L e h r er fr e n d e 1: genug erfahren hat, gelingt es oft ein anderes Fach zu ergreifen, die andern ahmen ihrem Stammvater nach, sie — wandern l — Bald hätte ich vergessen, daß doch in der ganzen Provinz 2— 3 öffentliche Schulen sind, unter denen sich die zu Mark.-Friedland auszcichnet. Obgleich diese Schule ein immerwährender Zankapfel niDin D'prrjD1? nny ly: — gewesen ist, so hat sie sich dennoch erhalten, (sie besteht 25 Jahre) und ihre Aufgabe, wie es allgemein bekannt ist, trefflich gelöst. —- Ein fast eben so großer Uebelstand ist es, daß oft in einer Gemeinde Männer zu Vorstehern gewählt werden, die sich mit dem Prädikat brüsten und begnügen, für das Wohl der Gemeinde aber aus Unwissenheit und Nachlässigkeit Beute Sorge tragen. Man sollte doch vorsichtig bei der Wahl solcher Männer sein, und nicht DreiviertclS-Menschen, die in der Welt mehr gelten wollen, als sie werth sind, zu Repräsentanten wählen. — BL. Hannover^ 16. Sptbr. (Verspätet.) Antwort des Oberrabbiners Dr. Z. Frankel zu Dresden auf die von hier an ihn gerichtete Adresse: „Sie haben, hochzuverehrende Herren, nur durch Herrn A. S. Werner eine Adresse zukommen lassen, in welcher Sie Ihre Sympathien mit meinem bisherigen Streben, so. wie mit meinem Austritt aus der Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. anssprechen. Die Billigung von solche!: Männern muß eine wahrhafte Ermunterung znm ferneren Kampfe und zur Ausdauer sein. Denn soll zwar der Mann seine Ueberzeugung in sich tragen, so bleibt es doch immer ein schmerzliches Gefühl, sich isolirt zu sehen, und mußte der Gedanke, die Ansichten seiner Zeitgenossen gegen sich zu haben, auch den Beherztesten in manchem schwachen Augenblicke entmuthigeu. Wir leben jetzt in einer Zeit der religiösen Aufklärung; Ruhe, Hinftarren, passives Zusehen zeugt entweder von gänzlicher Erschlaffung oder von übergroßer Sicherheit, beides der gut.cn Sache, die bedroht ist, nachtheilig. Daß bisher von einer Seite ganz geschwiegen wurde, daß sich, hier keine' Manifestation kund gethan, kein eigentliches Bckenntniß hervorgetreten, ' wußte jeden Gutgesinnten tief schmerzen, da dieses Schweigen leicht als Mangel au Muth, seine Gesinnung zu offenbaren , gedeutet werden konnte; und fehlt der Muth, daun ist auch die Gesinnung nicht fest. Wenn daher auch Ihre Anerkennung weit über mein Verdienst hinausreicht, und ich mich mit Bangen erfüllt sehe, ob ich solchen Erwartungen entsprechen werde, so entgehet mir doch von der andern Seite die Bedeutsamkeit Ihres Schrittes nicht, und fasse ich ihn nach seinem ganzen Gehalte auf, indem ich Ihre Absicht erkenne, frei und unumwunden Ihr frommes, hochherziges Bekenntniß vor Aller Augen auszusprechen. Ja, es liegt an den Gutgesinnten in Israel, daß sie offen kundthun, daß sie ihr Heitigthum sich nimmer verfli'lchtigen und verseichten lasser: wollen; daß sie trotz dem versengenden, jede innere Kraft austrocknenden Geist der Zeit die Frische des Glaubens unversehrt erhalten und sich von der Oberflächlichkeit und dem Leichtsinn, der in die Tiefe des Göttlichen sich nicht zu versinken vermag, mit Unwillen abwenden. Nicht dem Fortschritte abhold, denn in jedem Lebendigen muß eine Bewegung sein, sondern dem maaßlosen Stürmen und dem Verflachen, ist, wie ich aus Ihrer geehrten Zeitschrift erkenne, Ihr Wahlfpruch, den ich schon lange zu dem weinigen gemacht. Das Judenthum wird nach seiner hohen Bedeutung über alle:: Anfechtungen der Zeit bestehen; und so sehen wir unerschrocken den ferneren Stürmen entgegen, die nicht den alter: Stamm entwurzeln, sondern ihn noch mehr befestigen werden. Genehmigen Sie die Zeichen der wahren Hochachtung, mit der ich verharre Ew. Wohlgeboren ergebener Dr. Frankel. Dresden, 11. August 1845. Holstein, im Spibr. Als einen erfreulichen Beweis der vorurtheilsfreicn Gesinnung unseres Monarchen, dürfen wir cs ansehen, daß Allerhöchstdersilbe, bei seiner Anwesenheit in Glückstadt sich besonders huldreich gegen die Deputation der jüdischen Gemeinde aussprach. — Der Rabbiner, Dr. Heilbut (jetzt erwählter Landrabbiner für die Herzogthümer Bremen und Verden), hatte die Ehre zur königlichen Tafel und Soiree zugezogen zu werden, und Se. Majestät später auf der Eisenbahn mit dem Königszuge nach Eleöhore zu begleiten. — Hamburg, 2. Sptbr. (Zur Em ane ip ationsfr a g e.) Dr. G u st a v Weil, durch feütc Ausgabe des Koran (?), seine Einleitung in denselben, sein Leben und Lehre Muhammed's, seine Uebersitzung der arabischen 1001 Nacht, seine arabischen Legenden re. vortheilhast bekannt, bisher Bibliothekar und Docent der orientalischen Sprachen au der Universität zu Heidelberg, ist mit Beibehaltung seiner Bibtiothekarstelle zum außerordentlichen Professor daselbst ernannt worden. — Dagegen ist der durch sein Werk über die Kabbala und als Redakteur des philosophischen Wörterbuchs be-