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Der Orient · 1845-09-24 · Heft 39 (24.9.1845) · p. Seite 308

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 39 (24.9.1845)
Date
1845-09-24
Page
Seite 308 (sequence 7)
Language
German
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— 308 - daher nicht fortfahren, durch Lobessprüche der bekannten Tendenz der Rabbinerversammlungen diese unsre Ansichten von der Kanzel herab zu bekämpfen und dasjenige zu tadeln, was uns allen heilig ist. Werden Sie nicht, Herr Oberrabbiner, indem Sie die Religion von Vorurteilen befreien wollen, selbst zum v orurth eils vollen und rücksichtslosen Eifererl Der Frieden in unserer Gemeinde, das Gedeihen derselben nach innen und nach außen liegt uns über Alles am Herzen; zerstören Sie uns diesen Frieden nicht, geben Sie die Handlungsweise, die Sie in neuerer Zeit angewcndet haben, auf; das ist, was wir von Ihnen erbitten und weshalb wir diese Zeilen an Sie richten. Sie werden sich bei genauer Ueberlegung davon überzeugen und darum gegenwärtigen Schritt, .welcher nur aus Liebe zu demjenegen, was uns heilig ist, geschieht, billigen, und mit gleichem Liebe und Achtung anerkennen. Trier, 14. August 1845. (Folgen die Unterschriften.) Hamburg, 8. Sptbr. Der Streit zwischen Dr. Salomon und Dr. En och im „Unparteiischen Correspondenten" haben Sie wohl gelesen; daß unsere Geistlichen und Rabbiner durch solches Benehmen nicht gerade vorteilhaft sich präseutiren und weder bei Juden noch bei Christen an Achtung gewinnen können, brauche ich nicht erst zu sagen. Das „WandsbeckerJntelligenzblatt" machte bei dieser Gelegenheit folgende sehr , treffende Bemerkung: Zwei ,Deutsche Rabbiner", der Dr. En och und Dr. Salomon, kompariren im Hamburger Correspondenten: „grobeLüge", „gröbere Lüge", ,,gröbste Lüge", welche sie einander vorwerfen. — Wie es heißt, wird Herr Dr. Stern aus Berlin hierherkommen— wozu? kann ich Ihnen nicht sagen. Daß Dr. Frankfurter aufgefordert wurde, nach Berlin zu gehen, wissen Sie wohl bereits, schwerlich aber, daß er nicht hingehcn wird, weil Dr. Salomon sich weigert, während des Neujahrsfestes und VersöhnungStagcs allein zu predigen; Dr. Salomon wollte.rn hier unb :p in Berlin predigen, wenn Dr. Frankfurter sich begnügen wollte, nur an rn in Berlin zu predigen. Dieser Vergleich kam aber nicht zu Stande und die ganze Geschichte ist bereits ein wahrer Stadtklatsch geworden. Es heißt, Dr. E. Kley werde nun aufgefordert werden, nach Berlin zu kommen, und dort noch einmal zu beginnen, was er vor 27 Jahren hier begonnen — ich glaube aber nicht, daß Dr. Kley cs annehmen wird, wenn er sich vom Gelingen des Werkes nicht im. Voraus überzeugen kann. Sobald etwas Neues in dieser Sache vorfällt, sollen Sie getreuliche Meldung erhalten. — Westpreußen, im Sptbr. In Ihrem geschätzten Blatte, das die Interessen des Judenthums nach allen Seiten hin vertritt und wahrnimmt, und die Teilnahme für alles Edle und Gute zu erwecken bemüht ist, befindet sich ein Artikel in Nr. 4 d. I. aus Oberschlesien datirt, die bedauernswerte Lage der dortigen Lehrer schildernd. Es ist nicht meine Absicht, das Mitleid der Glaubensgenossen — wie in jenem Artikel — zu beanspruchen, wenn ich den Zustand der Lehrer und Schulen unserer Provinz zu beleuchten mir erlaube, solidem durch die Wahrheit und Aufrichtigkeit meiner Worte zur Beseitigung so manchen Nebels zu verhelfen. Wer wie ich Gelegenheit hatte, beide Provinzen, Schlesien. und Westpreußen kennen zu lernen, wird mit mir wohl über-einstimmen., daß Oberschlesien, und besonders die dortigen Juden, auf einer hohem Bildungsstufe als die hier zu Lande wohnenden stehen; doch scheint der Jndiffcrentismus laut jenem Berichte dort allgemeiner zu sein, als es bei uns der Falt ist; denn wir haben im eigentlichen Sinne recht viele Juden, mithin auch ganz analog j ü d i s ch e S ch u l e n. Die Leute wollen Alles nur nicht das Rechte. — Die Lehrer sind hier Schächter, Vorsänger u. dgl. m., nicht etwa, weil sie zu solchen Aemtern Lust und Neigung hätten, sondern weil sie es sein müssen, wenn sie nebenbei auch Lehrer sein wollen. Wie sehr diese Aemter mit den: Lehramte kollidiren, und wie wenig dabei für die religiöse, und intellektuelle Bildung der Jugend geschehen kann, ist leicht zu ermessen. Die Kinder besuchen nebenbei die christlichen Ortsschulen, die zwar nicht (wie mir dies selbst bekannt ist), wie die in Oberschlesien an allen Schulnbeln leiden, doch werden die jüdischen Kinder von den Lehrern nur stiefmütterlich behandelt. Mag man auch behaupten, daß durch die Vermischung der Konfessionen, durch das gemeinschaftliche Zusammenleben derselben der Glaubenshaß schwindet und oft die schöllsten Verhältnisse durch die Schulkameradschast geknüpfet wird, so bin ich doch der Meinung, daß dies von Elementarschulen nicht gemeint sein könne, sondern (wie ich auch gern beipflichte) von hohem Lehranstalten, wo das religiöse Element nicht mit jedem Lehrgegenstande verwebt und der Geist der Zöglinge schon selbstständiger geworden ist. So habe ich es schon oft erfahren, daß jüd. Kindern, die nicht zum Hohne ihrer Mitschüler werden wollten, .hinter dem Rücken ihrer Eltern die Speise- und andern Gebote und Verbote übertraten, und schon im zartesten Alter, wo das jugendliche Herz allen Formen fügbar, die ihm gegeben, in die es eingedrückt, wird das Kind zum Lügner, zum Heuchler. Die hohe Behörde wünscht es hier ebenfalls, daß die jüd. Gemeinden vollständige Schulen haben sollen, aber dann müßten sie auch, was sich von selbst versteht, Lehrer für immer anstellen. T'oui cornrne chez iious; — nur nicht Lehrer, denen wir nicht kündigen, die wir nicht unmittelbar beherrschen können, hört man sagen. Nun frage ich, ist das vernünftig? Handelt ihr nicht selbst gegen das Interesse eurer Kinder? Wie kann es ein

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