Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1845)
- Date
- 1845-09-24
- Page
- Seite 307 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Gemeinden werden in ihren Kreisen dafür wirken, wo ein tüchtiger Mann weitet, wird dafür gearbeitet, gestrebt werden und später vielleicht wird ein Zusammentreten von viele n Gemeinden möglich werden,' dann aber wird ein Schisma unausbleiblich und unabwendbar sein; auf anderm Wege kann nichts erzielt werden, denn die Vereinigung aller Anstchten wird nie und nimmermehr — zu Stande gebracht werden können» — Trier, im Sptbr. Die giftige Aussaat der R.-V. fängt allmälig an ihre verpesteten Gerüche inmitten der friedlichsten Gemeinden zu verbreiten» Das Band der Liebe und Achtung, welches alle Meinungsnüancen in Eintracht und Frieden umschlang , wird zerrissen, und Haß und Zwietracht, Anfeindungen und Verdächtigungen, Intoleranz und Fanatismus find die Segnungen, welche die R,-V. so reichlich spendet. Auch aus unserer kleinen aber friedlichen Gemeinde, die früher ihrem Rabbiner Achtung und Vertrauen schenkte, und seinen, wenn auch reformistischen Bestrebungen, mit einem ruhigen, bedächtigen Schritt folgte, ist der Friede gewichen. Veranlassung hierzu gab die R.-V. zu Frankfurt, die unser Rabbiner g e g e n den Willen der Gemeinde besuchte; wohlverdiente Zurechtweisung konnte natürlich nicht ausblciben, und als er. sich mehrcmal der Kanzel bediente, um persönliche Streitsachen, die natürlich weder belehrend noch erbauend waren, zum Thema seiner Vorträge zu machen, da richtete die Gemeinde ein ernstes Schreiben an denselben, das wir hiermit der Oeffentlichkeit übergeben. Won manchen Seiten werden diese gehässigen Kämpfe der Rabbiner mit ihren Gemeinden als ein Märtyre rthum gepriesen und es ist nicht unbekannt, wie mancher Rabbi sich damit brüstete, dm Willen seiner Gemeinde nicht zu achten. Mögen diese Herren erwägen, daß Märtyrerthum ein Enthusiasmus ist, den die Ueberzeugung der Wahrheit in den Gemüthern erzeugt, und um dieser den Sieg zu verschaffen man sein ganzes Ich zum Opfer bringt; aber wenn die so sehr gerühmte Aufopferung unserer Rabbiner nur in trostlosen Zänkereien und in Erweckung des schlummernden Parteihasses bestehen soll, so ist dieses nicht Märtyrerthum, sondern — dummer Trotz. Erwähntes Schreiben lautet: ,,Herrn Oberrabbiner Ca hu hier. Die Unterzeichneten Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde fühlen sich gedrungen, Ihnen folgende Mittheitnng zu machen. . Der Antritt des Amtes eines hiesigen Oberrabbiners erfüllte alle Mitglieder der hiesigen Gemeinde mit frohen Hoffnungen; ein Jeder fühlte es, daß es zur Erhaltung und Erhebung des Zustandes dieser Gemeinde eines rüstigen, kenntniß- und liebevollen Führers bedürfe, und einen solchen glaubte man in Ihnen finden zu können. Die Anfänge Ihrer amtlichen Wirksamkeit waren nicht geeignet, diese Hoffnung zu vermindern, vielrnehr vermehrte sich dieselbe, als man sich davon überzeugte, daß Sie mit Eifer 'sich Ihrer Pflichten annahmcn, und es schien nicht mehr fern zu liegen, daß durch die Einheit der Bau einer 'neuen Synagoge zu Stande käme, wodurch unser Gottesdienst eine würdigere Form erhalten würde. ' Irr der letzten Zeit jedoch veränderten Sie, Herr Oberrabbiner, JhreNichtung, indem Sie ohne die Stimmen der Gemeinde ju befragen, schon zwei Mal sich der sogenannten Rabbinerversammlungen anschtossen, die au§ Männern bestehen, die außerhalb des rabbinischen und positiv-historischen Judenthums sich befinden. Sie betheiligten sich bei denjenigen Neuerungen, welche m jüngster Zeit im Judenthume aufgetaucht sind, und machen diese Neuerungen zu einem Bestandteile Ihrer Bestrebungen. Sie gingen selbst noch weiter; Sie verfochten öffentlich die Nichtigkeit dieser Ihrer Ansicht, Sie griffen Diejenigen an, welche dieselbe nicht theitten, und bedienten sich zu Beiden der Kanzel. Wir Unterschriebene, die wir von der Ueberzengung der Richtigkeit der alten von den Vätern uns überlieferten geoffen barten Religion und deren Satzungen durchdrungen sind, beklagen es tief, daß Sie, Herr Oberrabbiner, welchen wir gern als Führer hierin gesehen hätten, nicht mit uns übcreinstimmen; aber wir beklagen es noch mehr, daß Sie die Absicht gefaßt zu haben scheinen, diese Ihre Ansicht durch Mittel geltend zu ma-. chen, die zu nichts Anderem geeignet sind, als den theuren Frieden in unsrer Gemeinde auf immer zu zerstören. Die Kanzel, Herr Oberrabbiner, ist ein Ihnen , anvertrautes Gut, sie ist Ihnen anvertraut, nur von dort zum Heile Ihrer Gemeinde zu wirken, und'das unerläßlichste Fundament dieses Heils ist der Frieden. Ans der Kanzel, in der heiligen Synagoge sollten keine öffentliche Angelegenheiten, sondern blo§ wahre Religion und Sitten lehren gepredigt werden, und zwar solche, welche nur erbauen und zu wahrerReligiosität führen können. Am allerwenigsten aber sollen da Persbnlichkeiten und Privatdifferenzen berührt werden. Alles dieses lassen Sie jetzt außer Acht; Sie wollen Andern Ihre Ileberzcugung aufdringen, und wo Sie keine Empfänglichkeit für diese Ihre Bemühungenfinden, da greifen Sie an, und verletzen die andersgesinnten Mitglieder Ihrer Gemeinde und zu allem diesem bedienen Sie sich der Ihnen nur zu heiligen Zwecken anvertranten Kanzel. ' Wir hoffen zu dem Gotte unsrer Väter, daß Er Sie bestimmen wird, dasjenige auszugeben, was wir für Irrlehren erkennen und nach der Ansicht vieler alter Rabbiner erklären müssen. Wir fordern -Achtung und Schonung für unsre Religionsansichten von Ihnen, wir hatten diese Ansichten für wahr und richtig , Sie dürfen 39 *