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Der Orient · 1845-09-17 · 38 (17.9.1845) · p. Spalte 603-604

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
38 (17.9.1845)
Date
1845-09-17
Page
Spalte 603-604 (sequence 6)
Language
German
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603 Kritiken. Salomon's Polemik gegen das christliche Freimaurerthum. 604 Tendenz eine kirchliche ist, den Hammer geführt, und bald im Schlosse zu Berlin, bald kn CharloLLenburg, bald in RHeinsberg mehre Logen gehalten und erst seinen Bruder, den Markgrafen Carl, dann den Herzog von Holstein-Beck, und endlich den Kapitain von Möllendorf selbst ausgenommen. Wer kennt nur einige Auge aus dem Leben des erleuchteten Friedrichs und traut-ihm das zu? Und ihr begehet die Säkularfeier seiner Ausnahme als Freude n fe st? Nach euren Ansichten und den „Fundamental- Westimmungen" eurer Maurerei müßte am Jahrestag der Neception eine Trau erlöge gehalten werden — einSühnopfe r für die Seele des helldenkenden Königs hatte dargebracht werden müssen! So viel ich von dem Leben des alten Fritz kenne, rieb er sich an jenem Säkularfeft die Hände, schlug an seinen Oegenknauf, schritt hin und her und sah etwas grimmig auf die jetzigen Preußischen Logem herab, denn seine Gedanken sind nicht die eurigen und eure Maurerei ist nicht die seinige! — Die Maurerei veranschaulicht die Idee von einem großen Welt- und Bruderbünde und ist weder eine Vorhalle zur Kirche, noch weniger die Kirche selbst. Denn so fragen wir weiter: Wenn die Freimaurerei christliche Tendenzen zu befördern hätte — jemals befördern gewollt härte — warum hat denn gerade die christliche Kirche von jeher den Maurerbund verfolgt und mit Slumps und Stiel die Maurerei auszurotten gestrebt? Waren der katholischen Kirche Freimaurer und Atheist, Freimaurer und K e tz e r, F r e imaurer sein und dem Teufel, der Hölle verfallen sein, nicht von jeher, und noch jetzt, synonym e Begriffe? Wie könnte sie aber gegen ihr eigen Fleisch und Blut wüthen, so die edlen Stifter des Freimaurer-Ordens auch nur entfernt daran gedacht hätten, den Bauhütten auch nur die Form einer Kirche zu geben? Und das führt uns zu einer neuen Frage: Warum findet sich in dem ganzen maurerischen Ritual auch keine Spur von einem kirchlichen Christenthume? Warum wird der Name Christus nicht ein einziges Mal genannt, weder in dem — Eide, noch in dem Gebete, das bei geöffneter Loge oder bei der Tafelloge verrichtet wird? Warum zählen die Maurer'nicht von der Geburt Christi, sondern, wie die Juden, von der Erschaffung der Welt? Warum ist in der Freimaurerei kein christliches Symbol? Warum Zirkel, Winkelmaaß, Waage: Warum nicht das Kreuz und die andern Marterinstrumente? Warum.statt „Weisheit", „Stärke" und „Schönheit" nicht das christliche Trio: Glaube, Liebe und Hoffnung?") Warum — frage ich mit meinem unvergeßlichen, leider zu früh nach dem ewigen Osten abgerufenen Freunde, Bruder B l u me n h a g e n**) — „w arum setzten die Brüder *) Paulus an die Corinther Kap. 13, v. 13. '*) Einstiger Meister vom Stuhl der Loge zum schwarnicht immer christliche Geistliche <je christlicher, je besserS> auf ihren Stuh l, sondern Männer aus atlenStänden, da jene doch sicher eine — chri.stliche Anstalt zu regieren besonders befugt sein mußten?" Gesetzt aber, wir wollten oder könnten auf Augenblicke vergessen, daß ein kirchlich-christliches Maurerthum der schreiendste Widerspruch, ein . eckiger Zirkel, ein rundes Winkelmaaß sei; gesetzt, wir wollten oder könnten ein solches Maurerthum für möglich halten: so frage ich — und das fei vorläufig die letzte Frage: Welches Christenthum von den vielen, die vorhanden sind, soll denn in den Logen gelten und domkniren? Welches? Schon zur Zeit der Apostel schrieb Paulus an die Corinther: „Kund geworden ist mir von euch, daß Streitigkeiten unter euch sind, der Eine sagt: Ich halte es mit Paulus; ich aber,, sagt der Andere: Ich hatte es mit Apollos; und ich, sagt der Dritte, ich mit Kephas." (1 Cor. 1, 11. 12.) Das war damals! Und wie ist es jetzt? Haben die Streitigkeiten ab- oder zugenommen? Wie ist es jetzt, ihr Herren? (Brüder darf ich euch wohl nicht nennen!) Wie ist es jetzt? Der Eine spricht: Ich bin römisch-katholisch! der Zweite: Ich bin griechisch! der Dritte: Ich bin lutherisch! der Vierte sagt: Ich bin so oder so, oder so — reformier! Und was ist der Fünfte? Methodist; der Sechste? Pietist; der Siebente? Menonit; der Achte ist Quaker; der Neunte vielleicht gar — M u kk e r. Und Alle sind Christen, nennen sich Christen, halten ihr Christenthum für das vorzüglichste! Damals schon fragte Paulus: Ist Christus getheilr? (das. 13.): Komme jetzt in deine Christengemeinden, du eifriger Verkündiger des Evangeliums! Du findest Christus nicht etwa gevrertheilt., geachttheilt, gezehntheilt — du findest ihn gehunderttheilt. Und das reicht auch nicht zu. Nun, welches Cheistenthum wollt ihr in die Bauhütte einsühren? Das von Hengstenberg oder von Schleiermacher? das von Tholuck oder von Strauß? das von Krummach er oder von Bruno Bauer? das von X oder von MWer soll denn über eine kirchlich-christliche Maurerei entscheiden? Der Protektor? Euer Großmeister? Sind die selbst wohl einig über das, was christlich zu nennen sei? Ist der Protestantismus während achtzehnhundert Lahre mit sich in's Reine gekommen? zur Einigkeit gekommen? Nein! und immer und ewig nein! In der friedlichen Bauhütte der Freimaurer-Brüder darf nur EineRelrgion leben und walten; es ist die, die der allmächtige Baumeister aller Welten der ganzen Menschheit geoffmbart hat; es ist zen Bär im O. von Hannover. Vergl. dessen Schrift: Wo ist der Platz der Freimaurerei in der Menschheit? Hannover, 5838.

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