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Der Orient · 1845-09-17 · 38 (17.9.1845) · p. Spalte 601-602

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
38 (17.9.1845)
Date
1845-09-17
Page
Spalte 601-602 (sequence 5)
Language
German
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602 601 Kritiken. Schriften von M. Mortara und Salomon. sein.' Und das ist er auch. Wir stoßen zwar nicht, auf originelle Ideen, aber sie gewinnen an Interesse, weil sie aus Italien kommen: die national-jüdische Schranke fällt und in einer durch treffende Worte wiedergegebenen schönen Begeisterung drückt der Redner alle Menschen an sein Herz. Wie nachhaltig muß eine -in diesem Geiste gehaltene Rede in einem Lande wirken, wo der Jude als Ketzer, der ewigen Verdammniß anheimgefallen, betrachtet, wo das warme Judenherz vom kalten Egoismus zurückgestoßen wird. Da aus Italien wenig Reden nach Deutschland kommen, so dürste es nicht unangemessen erscheinen, die charakteristischen Stellen der angezeigten Rede deutsch wiederzugeben. „Alle Gebete Israels durchweht der edle Stolz, daß wir unter allen Völkern und in allen Zeiten die ersten gewesen, die einen einzigen Gott anerkannt und dann alle Menschen als unsere Brüder betrachtet haben. Unser Ruhm -ist die friedliche Verbreitung solcher Wahrheiten unsere Bestimmung —- Liebe; unser heißes Streben. — geliebt zu werden. Alle unsere Gebete endlich athmen die Hoffnung, die Menschheit in dem Reiche des einzigen Gottes wiedergeboren zu sehen,-so daß alle Menschen seinen Namen anruftn, kniegebeugr sich die Sünder zu ihm wenden und alle Bewohner des Weltalls die volle Erkenntnis; der Wahrheit erlangen mögen". — „Die Verschiedenheit des Vaterlandes, der Nation oder des Kultus, Nichts kann uns dem Menschen, der wie wir gottähnlich geschaffen und mit einem unsterblichen, intelligenten und freien Geiste begabt ist, ich will nicht sagen feindlich, sondern nicht einmal fremd machen". — „Beruhigt Euch, meine Brüder! wir haben nicht nöthig, unfern Kultus zu erneuern; sondern ihn blos in seine alte Würde und Majestät zu kleiden, und solche Elemente auszuscheiden, welche blose Nothwendigkeit oder Neigung und andere Zeiten allmälig eingeführt. Und wie konnten unter so vielen Bedrängnissen unsere Vorfahren des Herrn Lobgesang in ungastfreundlichen Ländern singen? Die Harfen hängend an die Weiden der Lausende von Babel, wohin Gott sie zerstreut hatte, mußten sie trostlos zu Boden sitzen, vor Gott weinen und ihn um ein Vaterland bitten." — „Folgen wir in dem, was die Hülle der Religion betrifft, dem Strome der Zeiten, um ihren Lehren und ihrer Moral eine unerschütterliche Herrschaft im Innersten unseres Herzens zu gründen .... Nicht für uns alle allein sind wir da, die wir ein kleiner Lheil der Bewohner der Erde, sondern für alle Sohne Adams, an'welche ein gemeinsamer Ursprung uns wechselseitig knüpft". — Das Schlußgebet ist in einem ausgezeichnet schönen Style abgesaßt. 2) veil' autenticita del Pentateuco. Saggio del Rabbino Marco Mortara, Dottore in Teologia Ebraica, Alunno dell’ lnstituto Rabbi nico di Pa* dova. Padua, 1843. kl. 8. Preis L. 3. Austriache. (S. 111.) Die „Echtheit des Pentateuch's" ist ein Lhema, das mehr von protestantischen Theologen als von jüdischen behandelt wird. Seit Mendelssohn hat sich in unserer literarisch - regen Zeit Niemand an die Lösung dieser Frage gemacht. Dies kann den Juden nicht zürn Vorwurfe gereichen. Einerseits wurzelt der Glaube an die Echtheit des Pentateuchs zu tief, als daß er eine wissenschaftliche Stütze nöthig hätte, und andererseits ist die nachbiblische umfangreichere Literatur aus die geistigen Kräfte der Juden allein beschränkt, so daß die meisten Gelehrten ihre Kräfte ihr zuwenden müssen. Der italienische Gelehrte, Hr. Rabbiner Marco Mortara tritt auch nicht für die Echtheit des Pentateuchs auf, um die Basis des Juden th ums vor dm verheerenden Stürmen der Kritik zu schützen, sondern um die Kritik als solche mit gleichen Waffen zu bekämpfen. (Vergl. S. 36, Anmerkung.) Die Schrift trägt daher auch mehr ein philosophisch-rationelles als exegetisches Gepräge, weil sie eben nur darauf absieht, die philosophische Kritik in deren eigenem Lager anzugreifen. Schon der Ausgangspunkt, der iw ersten Paragraphen den Umrissen nach vorliegt, bestätigt diese Auffassung. (Fortsetzung folgt.) 35) Stimmen aus Osten. Eine Sammlung Reden und Betrachtungen maurerischen Inhalts von Gott hold Salomon, Mitglied der Loge „zur ausgehenden Morgenröthe" in O. Frankfurt a. M.; Ehrenmitglied der Loge Georg zum silbernen Einhorn" im O. Niemburg; Doktor der Philosophie und Prediger am neuen israelitischen Tempel in Hamburg. Manuskript für Brüder. Hamburg, 1845. 8. B. S. Bermdsohn. (S. 119.) Sobald wir auf das Gebiet der Beredsamkeit kommen, sind wir mit unserm Salomon ausgesöhnt. Da ist eine Macht des Wortes, eine Gewalt der Rede, ein mit sich fortziehender Strom des Gedankens! Was auch die „kleinen Füchse im Weinberge des Herrn" r'ntriguiren mögen, Salomon kann nur Neid und Scheelsucht erregen, nicht aber nachgeahmt, vielweniger erreicht werden. Seine Schüler und Jünger knirschen die Zähne — die kein Wort hervorbringen können. In dem angezeigten, sehr elegant ausgestatteten Buche erscheint uns der unerschöpfliche Redner auf einem neuen Gebiete. Die nächste Veranlassung zur Veröffentlichung desselben war wohl der Egoismus derjenigen Logen, die, ihre Aufgabe verkennend, die Juden aus ihrer.Mitte weifen wollen. Mit scharfen. Waffen kämpft unser Salomon gegen dieses christliche Freimaurerthum. „Ist in den Preußischen Logen nur das christliche Element vorherrschend: welche Inkonsequenz begingen die Preußischen Maurer, der Aufnahme des großen Königs mit so lebhafter Freude eine Säkularfeier zu widmen? Ist die Maurerei der j e tz i g e n Preußen die Maurerei Friedrichs? Nimmermehr hätte sich der weise Denker und Forscher für eine Maurerei, die einen solchen Geist athmet, entschließen können; me hätte Friedrich in einer Loge, deren

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