Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1845-09-17 · 38 (17.9.1845) · p. Spalte 595-596

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
38 (17.9.1845)
Date
1845-09-17
Page
Spalte 595-596 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8555529-9897698-9897740--4190-3531613
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

595 vereinigen, und zwar in einem Bogen, welcher fast einen Halbkreis bildet, daher die biblische Bezeichnung' DlflErV Sollte dieser nicht der biblische Pischon sein? Wollen wir uns nach dem gegenwärtigen Namen dieses Flusses umsehen -7wollen wir uns fragen, wie er bei den griechischen Geographen geheißen habe, so muffen wir abermals unseren redlichen Forscher hören und seine treffliche Karte zu Händen nehmen. Er, der gerade aus dem ausgesprochenen Zweifel Herodot's über einen Umstand der von ihm erzählten Umschiffung Afrika's die Wirklichkeit der nochmals in Zweifel gezogeneren Thatsache auszumitteln verstand«), er liefert auch da, wo er sein Unvermögen zur Ausmittlung anderweitiger Widersprüche unverholen bekennt, das brauchbare Matrrial für die weitere Forschung. An der oben angeführten Stelle gesteht er weiter, daß er sich aus der'Angabe Ar chians über die Flüsse dieser Gegend nicht zurecht zu finden wisse, indem dieser außer dem Enleus oder Ulai, unter welchem Namen auch der von uns als Pischon vindicirre Fluß sich auf der besprochenen Karte verzeichnet findet, noch eines Pasa-Tigris erwähnt, da doch kein anderer namhafter Fluß" dort vorzufinden sei, und der spätere mit gleichem Namen belegte Zusammenfluß des Tigris mit dem Euphrat, welcher viel weiter westwärts ging, nicht mit dem eigentlichen Pasa-Tigris verwechselt werden darf. Wenn uns die Wahl frei steht, welche von beiden Benennungen den biblischen Pischon vertreten sott, so hat der Pasa-Tigris in der ersten Hälfte die Aehnlichkeit des Lautes für sich. Welcher Theil dieses Kompositums Grundwort, und welcher das Epitheton sei, hängt von dem Bildungscharakter des Sprachstamwes ab, aus dem es hervorgegangen ist. Doch kann es uns schon darum gleichgittig, sein, weil die Eigennamen der Flüsse, zumal in jener Gegend und Zeit auch im Grundworte eine gewisse appellative Bezeichnung ausdrückten. Vielmehr kann man es wagen, in diesem Kompositum die Wurzeln der ganz getrennten Hauptstämme, des Semitischen und Indogermanischen, verbunden zu sehen, eine Verbindung fremdartiger Elemente, welche aus der Lage der Gegend, zwischen Indien und Vorderasien, apriori angenommen werden kann, und von Tychsen in mehreren gelehrten Abhandlungen aposteriori 'nachgewiesen ist. Es ist auch bereits von Musasia nachgewiesen 8 9), daß dieselbe Eigenschaft des stürzenden Laufes, welche der Talmud aus der biblischen Benennung des Stromes bcbuciut10), auch irr dessen Benennung Tigris ausgesprochen ist, da sie nicht griechischen Ursprunges ist, sondern eine persische Wurzel hat, welche einen Pfeil bedeutet, und daher auch das dort einheimische Tigerthier, als das schnellste und sprungfertigste unter allen verwandten Arten, seinen Namen führt. 8) Ideen. 1 TH. 2. Abth. Art. Phönic. 3. Abschn. Schifffahrt und Seehandel. 9) Aruch Art. 10) Berachot 5, 61. C. 2. 596 Wie nun dem assyrischen Tigris diese Eigenschaft für seinen ganzen Lauf zukommt, so kann sie bei dem betreffenden Fluß, welcher uns als Pasa - Tigris gelten soll, erst dann Statt finden, nachdem er sich aus seinen bogenförmigen Windungen in den Gebirgstheilen zum Herabsturz in die abfallende Ebene neigt. Noch gewisser ist, daß der Unterschied in dem biblischen Ausdruck über den Lauf der Flüsse, welcher bei den zwei ersten mit ST) Dp] (umschließen), beim eigentlichen Tigris aber durch (gerade fortlaufen) bezeichnet wird, Grund und Absicht hat. Diese Berücksichtigung hätte vielleicht schon früher von mancher irrigen Ansicht abführen können, und der sonst fleißige Forscher Lewisohn wäre mit ihr nicht in den Irrthum gerathen, den nochmaligen westlichen, kurzen und gestreckten Zusammenfluß des Euphrat mit dem Tigris, welchen schon Heeren von dem selbstständigen Pasatigris unterscheidet, als den östlichen Pischon anzunehmen. Wollen wir daher in dem Kompositum Pasa-Tigris den ersten Theit als Bestimmungswort nach Indo-germanischer Weise, seine Wurzel aber als semitisch gelten lassen, so können wir darin seine frühere bogenförmige Ausbreitung in den höheren Regionen seines Ursprunges ausgedrückt finden (^2 n&ys); der westliche Tigris hingegen zeichnet sich durch seine ununterbrochene grade Richtung von Norden nach Süden aus. Fragen wir uns nun, wo denn der Euleus hingekommen sei, da jetzt nur ein nahmhaftec Fluß dort nachgewiesen werden kann, so finden wir uns wieder versucht, in seiner Benennung den Namen des Landes zu finden, welches nach der Angabe der Bibel vom Pischon umflossen wird. Denn das Wort kann nach mehrfacher Analogie „Heutah" ausgesprochen werden. Wenn nun Euleus und Pasa-Tigris identisch sind, so ist auch kein Fluß verloren gegangen. 4) Der zweite dieser vier Flüsse, der biblische Gichon, muß wie bereits erörtert worden, westlich von ersterm fließen. Sein Kennzeichen in der Bibel ist, daß er das Land Chusch gleichfalls bogenförmig umschließe (STDn). Dieses Land Chusch aber ist kein anderes als Susiaua, welches beiden Alten Chusistan geheißen hat^), und auch im Talmud unter diesem Namen bekannt war. Es ist das nördliche Nachbarland von dem oben cmsgernittelten Heulah, und konnte darum aus den talmudischen Ausspruch führen *-), daß es nicht weit von Indien sei, nämlich von jenen nordwestlichen Vorlanden des eigentlichen Indiens, welche in der Perser Zeiten diesen Namen führten^«). Nicht aber der entlegene Otus, oder der gestreckte und sich vx Sumpf verlierende Araxes kommt hier in Berührung (wie Gesenius meint), sondern der Gyndes, welcher nordwärts vom Euleus oder Pasatigris in den Tigris mündet, umfließt noch jetzt das alte Chusistan bogenför- , 11) Archian III, 16. 12) Salm. Tr. Megilla 4, 0. 1. 13) Heeren, Ideen. 1 Th. 1. Abth. Art. Geogr. statist. Uebersicht. Abschn. 3. Persien. Indien. Studien. Ueber den biblischen Wohnsitz der ersten Menschen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.