Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1845)
- Date
- 1845-09-17
- Page
- Seite 302 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 302 — temich — der den 'Meister rufen läßt (denn noch immer tragen die Arbeiten die Namen der Unternehmer und nicht der Verfertiger) und sich höchlich wundert, daß ein solches Talent nicht mehr als Büchsenmacher sei. Der Fürst läßt den Handwerksburschen zu einer Pcivataudienz kommen, und nachdem er die einfache -Geschichte, die leidigen Umstände und die geringen Vorkenntnisse unseres Guttmann erfahren, entläßt er ihn mit dem Rache um taxfreie Aufnahme in die Akadamie der bildenden Künste anzusuchen. Das fürstliche Wort öffnet den Kunsttempel und der neue Jünger erkennt nun erst seinen Beruf. Wir übergehen die wenigen Jahre der Ausbildung, nach deren Verlauf unser Geselle die 3 ersten Preise in drei verschiedenen Fächern der Skulptur gewinnt. Nun zieht es ihn nach Italien. Auf sein Ansuchen um das diesfallige Stipendium für mittellose Künstler wird von ihm die Taufe verlangt, ein Preis um den der echt jüdische Künstler seine Kunst nicht erkaufen mag, und doch kann selbst diefürstliche Gnade die Unerbittlichkeit der mittelalterlichen Staturen nicht biegen. — In dieser Vedrängniß wird unserem jungen Künstler eine Hand gereicht, die schon oft geholfen und die noch oft helfen wird. Herr Baron v. Rothschildhatte ihn kennen gelernt, seine eigene Büste (die nachher in Paris Aufsehen erregte) gab die Probe seines Genies, — und. — während ich dieses schreibe weilt der junge Künstler unter dem Schutze der Munificenz Rothschlld's in der Tiberstadt, um die edle Form dem klassischen Alterthume abzulauschen. Herr Guttmann hat seine Reise dahin im April d. I. angetreten. Ein tiefes Gefühl für Juden- und Magyarenthum erglüht die Brust dieses Künstlers, dessen größeren Werken wir zu Ehren beider mit Gespanntheit entgegensetzen. (Sabbath-Btatt.) Frankel und ferne Antipoden. „Ähr möget an Euch das Falsche nähren, „Allem wir Lassen uns nicht stören; „Ihr könnt uns loben, könnt uns schelten, „Wir lassen es nicht für das Rechte gelten." Der Austritt Frankels*) aus der R.-V. ist nunmehr das Feldgeschrei der Zeloten in einigem jüdischen Organen („Der Israelit" No. 32. 33. 34; A. Z. d. I. No. 34) —, in denen die Veranlassung seines Austritts auf verschiedene Weise gedeutet, verdächtigt und mitunter der Charakter F.'s weidlich verunglimpft wird. So unzweideutig und offen F. die Motive seines Austritts in seiner Protestation auch dargelegt hat, so suchte man doch nach anderweitigen, versteht sich nicht so ehrenhaften Gründen; man berücksichtigte nicht, daß nicht allein das praktische Resultat der Abstimmung über die objektive Noth we ndigkeit des hebräischen Gebets, als auch das zu Grunde liegende allgemeine Princip, welches den Majoritätsbeschluß hervorrief, F 's Austritt zveranlaßte. Ohne Zweifel würde F. schon früher ausgetreten sein, wenn die von ihm angeregte Principienfrage zur Diskussion gekom- *) Wir Haben die Verteidigung der gemeinen Angriffe auf den R. Schott hier zurückgelassen, weil diese von einer nadrm Seite bereits der Redaktion übergeben istt men wäre, wo sich alsdann die Divergenz der principiellen Grundanschauung recht herausgestellt.hätte; er ließ aber die angeregte Frage fallen, im Vertrauen auf die Zusicherung der Versammlung, daß sie mit ihm auf gleichem Standpunkte stehe. Bei'der ersten Abstimmung ging jedoch schon die prin« cipielle Verschiedenheit deutlich hervor und der klare Geist F.'s hatte die richtige Voraussicht, daß bei jeder Frage von Wichtigkeit, wie z. B. bei der Sabbatfrage rc. , wo man nicht wie bei der Liturgie nur das leicht .zu umbildende Aeußere zu umschaffen und zu umformen, sondern dem Ideellen, dem innern Lcbenselement des göttlichen Worts einen Geist/ einen Gedanken einzugeben hat, die Divergenz der Grundansichten selbst den Vorfragen keine einheitliche Erörterung gestatten würden. Und wirklich hat der weitere Verlauf der Versammlungen diese Voraussicht gerechtfertigt; denn, während die Vers, sich bei den ersten Diskussionen fast allzuängstlich an talmudische Aussprüche, sie mögen dem halachischen oder hagdischen Theile angehören, anklammerte, und jeden Verstoß gegen irgend eine rabbinische Autorität a uszu gleichen strebte, wurde in den weiteren Verhandlungen von dieser Autorität wenig Notiz genommen. Wir wollen die Aeußerung einiger Rabbinen über den Pentateuch als Privatmeinungen ansehen, ebenso das System eines Andern, der ein trennendes Moment zwischen dem Religiösen und dem Politischen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis für die einzige Norm der Reform ausgiebt; die weitern Verhandlungen und die gefaßten Beschlüsse, wie z. B. die Aufhebung des Verbots von a-ß QO'ldM, und der Kommissionsbericht über die Sabbatfrage, in dem der Sabbatbegriff ein Gepräge erhielt, der offenbar dem historisch-positiven Standpunkt, den man nicht verlassen will, entgegen ist, zeigen deutlich, daß die R.-V. ihren Blick weder rückwärts auf unsere historische Vergangenheit, nach vorwärts -auf eine nicht erfreuliche religiöse Zukunft richtete, sondern nur die schnell schwindende Gegenwart vor Augen hatte, für die eine neue Religionshütte gezimmert wird, in der der göttliche Geist nicht sichtbar ist. Weil nun die R.-V. praktische Resultate zu erzielen strebte, ohne eine leitende Norm festzustellen, so wurde, was F. nicht minder kräftig hervorhob, der wissenschaftlichen Begründung-fast gar kein Gewicht beigelegt. Ueber die Liturgie lag ein Bericht vor, den aber die Vers. — wir wollen jetzt noch nicht untersuchen, ob mit Recht oder Unrecht — refutirte, so daß man gar keinen Halt- und Ausgangspunkt hatte und Jeder nach seiner momentanen Eingebung, auf die natürlich selbst der fadeste Witz seine Wirkung nicht verfehlte, seine Stimme abgab. Ueber die Begriffe des Opfers wurde von den Meisten, die nicht einmal von Abravanel's Abhandlung und Bähr's Symbolik Kenntniß zu haben schienen, sehr oberflächlich räsonnirt, so daß Geiger sein-Bedauern aussprach, daß hierüber keine gründliche Arbeit vorläge und die Zusicherung erthcilte, seine schriftstellerische Thätigkeit auf diesen Gegenstand richten zu wollen; dasselbe sprach der Rabbiner von Trier nach. Diese versprochenen Arbeiten kommen