Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1845)
- Date
- 1845-09-17
- Page
- Seite 301 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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301 erkennung und die vollkommenste Zufriedenheit der Vorgesetzten löbl. Stellen erworben haben, beschloß seine diesjährigen außerordentlichen Vorträge über den Kusari (ein philosophisch-theologisches Werk aus dem 12.Jahrhundert) vor einem zahlreichen Auditorium von Lehramts¬ und Nabbinatskandidaten. Zum Schlüsse sprach er noch einige kräftige, tiefeingreifende^ Worte, die keinen der zahlreich anwesenden Hörer ungerührt ließen. — Diese Vorlesungen erfreuten sich gleich anfangs der regsten Theilnahme, und das Interesse dafür steigerte sich mit jedem neuen Vortrage. Wenn es auch zunächst der Inhalt des Buches selbst war, welcher die Aufmerksamkeit fesselte, so muß man doch andererseits zngestehen: daß der begeisterte Vortrag des Hrn. Dr. Wessely, die Masse von höchst interessanten, historisch - archäologischen und linguistischen Notizen, die er in seine Erläuterungen einzustrenen wußte, noch mehr aber die oft sehr scharfsinnigen Beziehungen und Parallelen, aus die er seine Hörer hinwies, diese . Vorträge in hohem Grade wahrhaft anziehend und belehrend machten. Hr. Dr. Wessely zeigte, wie ein theologisch-philosophisches Buch des Alterthums behandelt werden muß, um beit Anforderungen einer fortgeschrittenen Wissenschaft zu genügen, und daß zur Erleichterung des Verständnisses desselben rabbin isch es Wissen nicht hinlänglich ist, sondern eine streng wissenschaftliche Bildung, gründliches Studium der Philosophie überhaupt, namentlich der Aristotelischen, wie auch Kenntniß des Alterthums nothwendig dazu gehöre. Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieser Vorlesungen, so wie aus einen Cyelus über andere theologisch-philosophische Schriften des Alterthums, zunächst über das Werk: ,,Leiter der Irrenden" vonMaimuni, das uns Prof. Wessely für. das nächste Schuljahr und für dieZukunst in Aussicht gestellt hat. (O.u.W.) Prag-, 8.- Sptbr. Unsere alte Judensteuer soll reformirt werden, und zwar nach den Grundsätzen der Rabbinervcrsanunluug: das heißt ans eine oberflächliche Weise und nicht radikal. . Nach einem ausgearbeiteten Plane sollen für die bisherigen 10 Procent blos ' 1-| Procent Steuer entrichtet werden, dagegen soll jeder Jude sein Vermögen genau angeben müssen. Dieser Plan, welcher der Jmmoralität noch mehr Vorschnb leisten würde, wird gewiß durchfallen; die Judensteuer aber bleibt. Unser Judenthum ist doch einige hundert Tausend Gulden werth l — Der Tempel ist noch immer verwaist. Man wundert sich hier, daß der Vorstand so ^bedächtig ist. Einen großen Theil der Schuld trägt I das Verfahren des Vorstandes, der eine ausgeschriebene Konkurrenzbeschränkt. So wissen wir zuverlässig, daß ein Redner in Hamburg auf eigenes Risiko hierher kommen wollte, um eine Probepredigt abzuhalten, vom Vorstande aber bis heute noch hingehalten wird. — Die hiesigen Nabbinatskandidaten freuen sich auf die Ankunft des Dr. I. Goldenthal, der hier erwartet wird. Dieser Gelehrte wird ihnen manchen wichtigen Fingerzeig für ihre'Studien geben. — Dr. Wessely befindet sich in Wien, , um manche Archive für ein großes juridisches. Werk zu benutzen. — Auf dem großen Balle, der bei Gelegenheit der Eröffnung der Staatseisenbahn gegeben wurde, hat man auch mehre jüdische Kaufleute bemerkt. Aus Ungarn, im Sptbr. Die Deutschen sehen uns Ungarn vornehm über die Schultern an. Dieses Schicksal theilen wir Juden so wie alle Leiden des theuern Vaterlandes (aber ohne dessen Freuden) mit allen Magyaren. Es ist daher nicht Unbescheidenheit, wenn auch wir zuweilen, „als Beitrag zur Statistik," Verdienste namhaft machen, die aus dem Schooße des ungarischen Israels hervorgegangen und nur zum Theil Anerkennung außerhalb unserer Landesgranzen gesucht. Keinem Kunst-und Wissensgebiete ist der ungarische Jude fremd geblieben. In der Musik erwähne ich den großen Geiger „den kleinen Joachim", die Violin-Virtuosen Kohn und Rozsavölgyi (beide ausgezeichnete Kompost von Nationalweisen), die 14 jährige Amalie Mautner (Klavier), Karl Beck, Moritz Bloch, M. G. Saphir sind Magyarenkinder, wenn auch beide letztere keine Juden mehr. Rückt man uns doch ihre Fehler auch noch in 50 Jahren vor, warum sollen wir uns ihre Vorzüge nicht zurechnen? In der Medicin die DD. Jakobovits, Moskovits, Groß. Numismatik: Leo Holländer. Kritik : Dr. Sigm. Saphir. Homiletik: Dr. S. M. Schiller. Ungar. Poesie und Prosa: Diosy, Szegfy, Szarvady. Kupferstecherkunst: Tyroler u. m. A, bei denen zum großen Theil das eminente Talent mit Mühe nur vom Bleigewichte der Verhältnisse sich nicht erdrücken ließ. Wie viele mußten und müssen unterliegen? - Ein allerdings glückliches Beispiel von Hunderten möge hier Platz finden. Der Bildhauer Guttmann, der zukünftige Stolz des Vaterlandes, ist der Sohn eines nur wenig bemittelten Juden aus Arad. Zum Büchsenmachergewerbe angehalten, wandert er als Jüngling nach Wien, wo er Arbeit sucht und findet. Sonntags, während seine Kollegen in der Thätigkeit beim Lerchenfelder oder Hitzinger Kruge Erholung von der Arbeit suchen, übt er sich im Ausgraben der Waffenzeichnungen, die sonst immer der Graveur macht. Der Meister, von seinem Arbeiter für geringen Lohn bessere Arbeit sehend, beschäftigt ihn ausschließlich damit. Auch dieses genügt seinem Genie nicht. Er versucht erhabene Arbeit und es gelingt. Damals erhalt sein Meister einen Auftrag auf ein kostbares Gewehr in schöner Verzierung. Der schlichte Handwerker ohne Ahnung vom Zeichnen, von Skulptur sinnt und sucht und kauft endlich ein Bild mit Jagdemblemen und giebt sie en haut - relief so gelungen wieder, daß sein Meister das Gewehr für die Industrie- Ausstellung bestimmt. Hier erregt es die Aufmerksamkeit des Protektors vom Institute — des Fürsten Met-