Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1845)
- Date
- 1845-09-17
- Page
- Seite 300 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 300 - Amisbrüder ein herzlich Lebewohl! Mögen Sie unser stets so in Liebe gedenken, wie wir die Bekanntschaft mit 'Ihnen und Ihrem frommen Streben zu dem Schönsten rechnen werden, womit die diesjährige Versammlung unsere Erinnerung bereichert hat". ' Herr Dr. Stern antwortete ungefähr Folgendes: „Gestatten Sie mir, hochgeehrte Herren, in meinem Namen, so wie im Namen meiner Kollegen, Ihnen unfern tiefgeftthlten Dank anszusprechen, sowohl für die Freundlichkeit, mit der Sie uns persönlich stets begegneten, als auch für die Art und Weise, wie Sie unsere Mission an Sie aufnahmen. Wir sind der sichern Hoffnung, daß die Bestrebungen, denen wir uns gewidmet haben, nicht blos auf einzelne Genossenschaften und Gemeinden sich erstrecken, sondern die religiöse ^Wiederbelebung der ganzen Judeuheit und des ganzen Judenthums bewirken werden. Wir glauben in unscrm Erscheinen in Ihrer Mitte und in der Art, wie Sie uns aufnähmen, eine bedeutsame Thatsache erkennen zu dürfen. Die Anerkennung, die Sie uns werden ließen, nehmen wir mitvollen: Bewußtsein an; denn, meine hochgeehrten Herren l wir find fest entschlossen, nicht nach Willkür weiter zu gehen, den gesetzliche!: Weg der innern Entwickelung niemals zu verlassen, und Nichts zu thun, was aus dem Judenthurne herausführen könnte. Auch Sie Haber: es erkannt, daß Alles, was für die Gesammtheit Geltung haben soll, auch aus der Gesammtheit hervorgehen muß. Diese gegenseitige Anerkennung und dieses im Geiste einige Streben wird und muß dahin führen, das Judenthum wieder zu Dem zu machen, was es in der Geschichte immer sein sollte, „das Licht der Völker", das reine, ungetrübte Licht der Erkenntniß Gottes für alte Völker der Erde. Wir scheiden daher .mit dem tiefgefühltesten Danke von Ihnen, und bitten Sie hcrzlichst, uns stets als die Ihrigen erkennen zu wollen". Präsident stellt die, Frage , ob der ganze Bericht des Dr. Geiger über die Sabbatftage in Berathnng genommen werden sollte, oder nur ein Theil; er sei der' Meinung, daß die Wichtigkeit des Gegenstandes eine reiflichere Erwägung erheische, und daß der Bericht zuerst gedruckt und an die Mitglieder der Versammlung vertheilt werde. Geiger trägt jedoch darauf an, daß.die Kommisstonsvorschläge, wenn auch nicht vollständig, da die Zeit der Sitzung schon sehr vorgerückt sei, doch zum Theil, indem eine große Divergenz der Ansichten nicht zu erwarten stehe, was besonders bei den §§. 3, 4 und 5 der Fall sei, noch in der gegenwärtigen Versammlung erledigt werden möchten. Da die Kommission ihren Auftrag bereits ein Jahr erhalten habe, so' stehe zu erwarten, daß die Mitglieder unter dieser Zeit bereits gehörig über die Sache nachgedacht und geforscht hätten. Der Gegenstand greife zu sehr in das Leben ein, daß jedes Mitglied vorbereitet und in sich schon zu einer Klarheit gekommen fein müsse. — Es sollen keine Prineipien diskutirt werden; man habe nicht den ganzen Traktat niDiy vorzunehmen, nur das Lebensbedürfniß erheische eine sofortige Diskussion, die ans die nächste Versammlung vertagt wird, jedoch soll der Sabbatbericht alsdann zuerst auf die Tagesordnung kommen. — Vertraulich e Sitzung am 27. Juli. Kirchenrath Maier bedauert den Sitzungen nicht mehr beiwohnen zu können und dankt der Versammlung für die Aufmerksamkeit und der: wissenschaftlichen (?) Ernst, die sie eir:em Gegenstand zugewendet haben (die Liturgie), der von ihm angeregt wurde. Nach einigen herzlichen Abschiedsworten verläßt er den Sitzungssaal. Präsident verliest den Antrag ver Gemeinde zu Bingen: ob die Bäder in einem Badehause, worin das Flußwasftr durch ein mechanisches Druckwerk in einen Behälter und einen Kessel und aus beiden durch Schläuche in die Badervanncr: geleitet wird, nicht als genügend für israelitische Frauen erklärt werden können, um durch ihren Gebrauch der religiösen Vorschrift zu entsprechen? Und ob - es nicht möglich sein sollte, hier eine Erleichterung eintreter: zu lasser:, wo es sich nur urr: eine rabbinische Erschwerung D'QW&'y Q-Q handelt, urn die Uebertretung eines mit rro verpönten Verbotes zu verhüten? — Präs, verliest hierüber den Komm.-Bericht, in dem dargestellt ist, daß biblisch gar kein Gesetz vorläge, das für eine rttJ das Baden vorschreibt; der Talmud selbst konnte für das als eine mosaische Vorschrift angenommene Gesetz des Badens keinen sichern Nachweis geben und alle Stellen, die hierzu allegirt werden, seien kritisch unhaltbar. Das Verbot von OML7 O'Q sei nach dem Talmud nur rabbinifth verboten, mosaisch werde nur M rfroft verlangt, und wäre daher in unserer Zeit, wo mpD rfroD.fo sehr aller: Anstand und weibliches Zartgefühl verletze, um so mehr aufzuheben, da sich hier füglich der talmudische Satz anwenden lasse mrap nb nnnw nran idd bm — Ferner sei noch vom räbbirnsch-tatmudischm Gesichtspunkt für den vorliegender: Fall das Verbot von DV3 gar nicht anwendbar. Präs, stellt die Vorfrage, ob die Diskussion nur auf den vorliegenden Fall oder ganz im Allgemeinen erössnet werden sollte, ob das Verbot von noch fürder Giltigkeit habe. Die Versammlung entschied für letzteres. Präs, stellt daher die Frage zur motivirten Abstimmung, ob nrmNttf d^d u: einem ganz damit bereiteten Wannenbad bei mi zu erlaub en fei, so wie es der Kommiss.-Bericht vorschlägt. (Schluß folgt.) D e st er r eich. Pimg, 1. Sptbr. (Prager Nachrichten.) Der unermüdete Hr. Dr. W. Wessely, dessen ausgezeichnete Verdienste als Lehrer der Religion an der Prager israelitischen Hauptschule und dem Gymnasien ihm die An-