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Der Orient · 1845-09-17 · Heft 38 (17.9.1845) · p. Seite 299

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 38 (17.9.1845)
Date
1845-09-17
Page
Seite 299 (sequence 5)
Language
German
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- 299 - seinem, künftigen Berufe zu genügen. Betrübend ist eS daher, wenn dieses Prädikat einem Manne zum Vorwurf gereichen sollte, der stch die alten und neuen Sprachen und andere Wissenschaften durch Nachtwachen, beim Oellämpchen und bei karger Kost erworben und die Stunden des Tages dem Studium des Talmuds gewidmet hat. ES wäre schlecht mit den Reformern bestellt, wenn eben solch ein Mann, den ein gleiches Schicksal, wie Herrn G. traf, sich ihrer nicht annehmen möchte. Herr Dr. Hold he im war ebenfalls Bachur, er hat nie ein Gymnasium besucht und auch nur promovirt, und dieser Mann eben ist es, der in euere lieblosen, kalten Herzen, gleich Prometheus, das Feuer senkt, aus welchem ihr ein Auto-da-fe für jeden Andersdenkenden bereiten wollet l Hr. Geiger und die ganze Mitgliederschaft der Rabbiner-Versamuilung hat ebenfalls kein Gymnasium besucht und so könnte ich alle herrechnen, die entweder nie hebräisch gelernt und es noch gegenwärtig nicht verstehen, oder nie ein Gymnasium besucht/— Herr Dr. Fr anket legte, bevor er sich entschlossen, an der diesjährigen R.-V. Theil zu nehmen, seine Ansichten über Reform mit Evidenz in seiner Zeitschrift an den Tag; dann erst kam er seinem Versprechen nach und erschien. Begrenzte sodann in einer gehaltvollen Rede den Kreis, worin sich Reformatoren im Judenthmn zu bewegen haben, die ganze Versammlung erkannte die Grenzlinie an; Jeder lobte aber sein historisch-positives Judenthum und gestaltete es sich in alle nur irgend mögliche Trachten um. In dieser Prineiplosigkeit scheint auch der Grund lediglich' zu liegen, daß Herr Fr. ausschied, da ihm statt der T e n d e n.z cm nur A n sich t en geboten wurden, die aber durch Abstimmungen zu, Tendenzen gestempelt wurden. Kaum zog Hr. F. seines Weges, so häufte .man auf ihn eine Dosis Verdächtigungen, denn „wer nicht für mich, ist wider mich". Herrn Rabb. Schott, mit dem man sich's leichter machte, wurden wegen seines Ausscheidens Absichten untergeschoben, an welche derselbe kaum gedacht haben könne; wozu erst viel Federlesens mit ihm machen? Er ist ja kein Reformer, kein Mann, der schon einen Katechismus, oder sonst ein derartig berühmt gewordenes Werk schrieb! — Herr Grätz, der nur das Fehlerchen begangen haben soll, die Dankadresse der Breslauer Konservativen an Herrn Dr. Frankel abzufassen, wird öffentlich charakterlos gescholten und angeklagt, daß er mit Impertinenz den Freunden des radikalen Fortschrittes, für die, laut ihrem Sendschreiben an die R.-V. nichts mehr bindend ist, entgegen tritt. Neberlbei wird die Gemeinde zu Schwerin a. W. rührend gelobt, weil sie einem Rabbiner, der Gymnasial- und Universitätsstädten gemacht habe, ihre erledigte Rabbinerstelle anvertrauen wolle. Man möchte fast wetten, daß nnt dieser Lobhudelei ein Scitenhieb auf Herrn Fasset, diesen Rivalen Geigers, der nun von der Regierung , wie dies aus einem Schreiben an die hiesige Gemeinde zu ersehen, als Rabbiner für Breslau bestätigt worden ist, gethan werde. Man will so recht unvermerkt aufmerksam machen, daß der gelehrte Fasset vielleicht keine derartige Studien gemacht habe, deswegen sich auch gefallen lassen möge eine subordinirte Stellung einznnehmen. — Wer riecht nicht den Braten? Wer weiß nicht, in welchem Ofen er gebacken worden? — Herr Dr. Grätz hat über seine gründlichen linguistischen- und Talmudstudien die besten Proben in der vorerwähnten Reccnsion abgelegt, und sein bald erscheinendes Werk „Gnosti ei smus und Judenthum" wird hoffentlich den Beweis liefern, daß er so gründlich zu sein weiß, wie je Einer unter den jetzt lebenden Gelehrten der Rabbiner-Versammlung, «nb bei dem eisernen Fleiße, den er auf dieses Werk verwenden mußte, blieb ihm wohl nicht die Zeit übrig, sich um Angelegenheiten einer Gemeinde zu bekümmern, deren Mitglied er nicht ist; nur da, wo er eine Gefahr für's Judenthum erblickte und erblickt, bot und bietet er willig die Hand zur Abhilfe, welches zu thun nicht allein ihm, sondern jedem redlichen Juden die Pflicht gebietet. Ein zum polnischen Judenthum sich B ek en ne n d er. Frankfurt, a, M., 21. Juli. (Fortsetzung der Verhandlungen der MV.) Präsident überreichte hierauf der Deputation der Genossenschaft aus Berlin Die Antwort auf die an die R.-V. abgegebene Adresse, unter folgenden Worten: „Hochgeehrte Herren! Im Rainen der zweiten Rabbinerversammlung überreiche ich Ihnen hiermit das .Erwiederungsschreiben auf Ihre an diese gerichtete Zuschrift. Hat es mir zur Freude gereicht, beim Beginne unserer Verhandlungen Sie, meine Herren, hier zu begrüßen, so gereicht es mir zur weit größeren Freude, Ihnen gegen das Ende derselben hier öffentlich den Gruß der Versammlung zu Wiederholern Denn wir haben unterdessen Gelegenheit gehabt, durch persönliches Bekanntwcrden und freundliches Zusammenleben nnt Ihnen, Ihren musterhaften religiösen Errrst mit» die Innigkeit Ihrer Liebe zum Judeuthum kennen zu lernen, und wenngleich die Rabbiner-Versanmltung sich Ihnen nicht ganz hirigeben kann ~ (was Sie auch gar nicht erwarteten :—), indem unsere Bestrebungen das Ganze unserer Gemeinde stets im Auge haben, während Sie, wie daS die Natur Ihrer Geuoffenschast mit sich bringt, nur Einem Theile derselben zunächst die vereinigende Hand reichen: so rechtfertigt eben darum Ihre Persönlichkeit, geehrte Herren, die Hoffnung und das Vertrauen, daß, wo Männer, wie Sie, an der Spitze stehen, gewiß Nichts wird begonnen oder ausgeführt werden, was nicht, reiflich erwogen, der tiefen Ucberzeugung entsprungen ist, daß Dadurch die Ehre des JudcuthumS und das Heil der Judeuheit gefördert werde. So sage ich Ihnen Denn , theure Herren, im Namen meiner versammelten 38*

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