Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 37 (10.9.1845)
- Date
- 1845-09-10
- Page
- Spalte 585-586 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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586 Studien. Ueber den biblischen Wohnsitz der ersten Menschen. 585 annehmen. Wenn wir ferner zur Wahrung achter Gläubigkeit voraussetzen, und nach meinem Dafürhalten sogar aus gewissen Bibelstellen erweisen können, daß selbst unser heiliger Lehrer Moses auf seiner höchsten Stufe der Prophetie nicht auf außerordentliche Weise zur innigsten Erkenntniß sämmtlicher Nntur- und Real-Wahrheiten erleuchtet sein mußte, und am wenigsten zu ihrer Verbreitung unter die Menschheit entsendet war: so kann doch der aufrichtige und fromme Glaube auch mit allen Zugeständnissen von bildlicher Redensart und eingehender Herabstimmung in die befangene Ansicht des unreifen Hörers nicht annehmen, daß der Geist des allwissenden Weltschöpfers durch den heiligen Mund seines erwählten Dieners förmliche Ignoranzen ausgesprochen habe. Wenn.wir endlich in der innigsten Ueberzeugung von der Beschränktheit unserer Forschungsgabe der Rationalität gegen die Einsprache in das Gebiet der höheren Wahrheit ihre naturgemäße Grenze anweisen, fo soll uns dabei die bereits vom! alten Locke ohne viele Terminologie aber klar und bündig ausgesprochene Wahrheit vorschweben: der Glaube ist über der Vernunft; darf aber nicht gegen die Vernunft sein. Eine Wahrheit, welche zwar mit weniger Bestimmtheit, im Ganzen aber um so öfter und angewandter in den trefflichen Diskussionen des Kusari von Rabbi Iehuda Ha-Lewi wiederkehrt. Wenn die Vernunft selbst durch ihre eigene Forschung von ihrer Unzulänglichkeit überzeugt ist, um jene Wahrheiten, deren Festhaltung den höheren Bedarf des Menschen ausmacht, erweisen und erfaßen zu können, so verliert der Rationalismus alle Gefahr und Schädlichkeit Ist einmal der Vernunft die Grenzlinie ihres eigentlichen Gebietes genau und deutlich angewiesen, so wird der ächte Glaube durch ihre Wirkung unterstützt, wenn sie ihm in seinem .eigenen Bereich wartend, huldigend und pflegend dient. Jene gangbare Demonstration der Neuzeit hingegen, welche den Kririeismus bis zum Umsturz der historischen Wahrheiten walten läßt in deren Festhaltung die positiven Religionslehren ihren unveräußerlichen Stützpunkt finden, und die siechende Glaubenskraft dadurch zu unterstützen gemeint, daß sie beide Gebiete als parallel-taufend auseinander wirst, ist eine in sich selbst krankhafte Palliative, welche das Göttliche im Menschen mit sich selbst in Widerstreit versetzt, und dem geheimen Unglauben wie dem offenbaren Aberglauben gleich weit Die Pforten öffnet. Mit diesen Ansichten über die Bibelforschung im Allgemeinen wollen wir uns zu unfern spieeiellm Gegenstände wenden. toi csrä ].ip dn* nipttfi1? \iyv «bn TOI 'wlrtzn Tljer)^ ri’ni *) Die Annahme, daß der Strom, welcher schon in Eden ein Strom ist, daselbst auch seinen Ursprung habe, wäre gegen die Natur der Sache- Aber, wenn wir auch den Ursprung so weit hinter den Eden verlegen wollen, als nur nöthig ist, um schon dort die Mächtigkeit eines Stromes zu haben; wenn wir ihn dann von dort aus nach dem natürlichen Lauf des Fluffes wollen fortfließen, und in der Richtung dieses Laufes in vier namhafte Hauptströme wollen theilen lassen, stoßen wir abermals auf einen Gegensatz mit allen gleichartigen Erscheinungen der Erde. Es giebt wohl viele namhafte Flüsse, welche, nachdem sie ganze Länder durchzogen, endlich in einen mächtigen Strom zusammenfließen, wenn sich aber ein Strom in mehrere Arme theilt, so finden bald alle das Loos der Zertheilung, und können nimmermehr die Hauptflüsse ganzer Länder sein. Wir müssen uns aber auch über die Bedeutung der Wurzel zu verständigen suchen. Es giebt keine einzige Stelle in der Bibel, wo der natürliche Lauf des Fluffes durch sie bezeichnet wird; nur für den Ursprung der Quellen findet man sie und ihre Derivate in Anwendung gebracht, was aber hier nicht der Fall sein kann. Diese specielle Bedeutung steht mit ihrer allgemeinen in vollkommenen Einklang, die Wurzel bezeichnet den Gegensatz von ^3. . Diese bedeutet das Ein- und Hingehen; jene das Aus- und Weggehen. Daher sie auch die freie Erstreckung des Gegenstandes bezeichnet, wie er vom Ausgangspunkt betrachtet und verfolgt werden kann (vgl. Num. 34., Jos. 15 und 16 K.) der natürliche Lauf des Flusses hingegen wird durch -j^ri oder *1*71 bezeichnet. Bedenken wir aber, daß für die ersten Menschen jeder Gegenstand, wohin er sich' erstrecken und wohin er auch immer kommen mochte, in Eden seinen^Anfang nahm, so mußte sich für sie auch der Vorgefundene Strom in der Richtung erstrecken, in der sie von ihrem ersten Standpunkt aus den Ausgang nahmen, wenn auch diese Erstreckung seinem natürlichen Lauf entgegengesetzt war. Stießen sie dann in der verfolgten Richtung auf den Punkt, wo zwei oder mehrere Flüsse in dem einen Bett zusammen kommen, so mußte ihnen diese Vereinigung als eine Theilung gelten. Die Bibelstelle sagt daher, daß man von Eden aus einen m ä ch t i g e n Strom sich erstrecken siebt, und ihn endlich in vier Haup tflu sse zerth eilt findet* Eine Darstellung, in welcher sich kindliche Naivität mit innerer Wahrheit auf eine Weise verbindet, wie sie nur die heilige Schrift in ihrer erhabenenEinfalt auszudrücken vermag. 2. Nur in dem Einverständniß, daß in Eden der Zusammenfluß der vier Hauptflüffe vorhanden ist, können uns i die durch sichre Merkmale kennbaren zwei, der Euphrat und Tigris, zur Ausmittlung der beiden anderen, und wenigstens auf die beiläufige Lage des Eden führen. Der Zusammenfluß des Euphrat und Tigris findet gegen 15 Meilen nordwärts vom persischen Meerbusen Statt; von hier bis zu ihrer Mündung in den Busen kann die Lage des Eden gesucht werden. Zwar ist bereits nachgewiesen, daß im persischen Zeitalter beide Ströme nicht wie jetzt ineinanderflossen, sondern jeder für sich seine eigene Mündung hatte'). Allein aus denselben Quellen, welche diese Thatsache Nachweisen (Herodor 1, Ar- 2) Heeren: Ideen u. s. w. 1. Thl. 2. Abthlg. Art. Babylonien 1. Abschn.) 1) Genes. 2, 10.