Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1845)
- Date
- 1845-09-10
- Page
- Seite 295 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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295 Sabbatscier die Rücksichten auf die Erhaltung des Lebens und der zeitlichen Wohlfahrt nicht ignoriren dürfe, daß vielmehr, wenn Lebensgefahr drohe oder selbst entfernt herbeigeführt werden könne, alles zur Abwehr derselben zu thun crfau&t, ja geboten sei, daß wo cs' sich um die Abwendung solcher Umstände handelt, welche das zeitliche Lebensglück zu untergraben geeignet sind, die Arbeit durch Nichtjuden gewiß gestattet sei, aber auch, sobald sie die Hilfe von Inden unbedingt nothig macht, auch von diesen der Sabbat, als Ausnahmsfall, suspmdirt werden kann. 5) Die Versammlung wolle endlich erklären, daß die Betheiligung am Staatswohle eine so hohe Pflicht ist, daß ihr in Collisionssällen die strenge Sabbatscier weichen muß. Sie erklärt daher den Soldaten, sobald es die Diöciplin erfordert, von der Beobachtung des Sabbats dispensirt; sie a>- klärt, daß der Beamte, insoweit er sich am Sabbat den Geschäften nicht entziehen kann, seinen Amtspflichten genügen müsse, vorausgesetzt, daß er in anderer Weise, namentlich im Hause, die Weihe des Sabbats herzustellen bemüht ist. Indern die Konunission hiermit irr Kürze ihre Aufgabe erledigt zrr haben glaubt, erlaubt sie sich noch die- Bemerkung, daß die Feier der Festtage mit dem Obigen zwar in innigem Zusammenhänge siebt, sie es aber doch für nothwcndig hält, daß eine besondere Kommission zu besonderer Bearbeitung derselben für die nächstjährige Nabbiner-Versanmrlung eingesetzt werde. Sie muß aber ferner noch die Bitte aussprechen, daß, wenn auch der ganze Inhalt dieses Berichts für dieses Jahr nicht zur Verhandlung kommen sollte, doch wenigstens der dritte, vierte und fünfte von ihr gemachte Alltrag zur Diskusston und Abstilumung gebracht werde. Frankfurt a. M., den 25. Juli 1845. Geiger. We ch sler. A. Adler. Der Referent verlas nun noch das was die übrigen Kommissionsmitgtieder hinzugefügt, und welches also lautet: Jll Beziehung auf den Kommissionsbericht über die Sabbatfrage fühle ich mich verpflichtet, folgende Erklärung abzugebeu. Mit der Vegriffsfeststellung und der Begründung der Idee des Sabbats erkläre ich mich vollkommen mit der Majorität der Kommission einverstanden, sowie auch mit allen daraus gezogenen positiven Konsequenzen. Hingegen kann ich rnit ei nigen, sowohl angedeuteten als ausdrücklich daraus gezogenen negativen Resultaten nicht nbereinstimmen, was ich bei später stattfindender Debatte näher anzugeben und zu motivirerl suchen werde. Joseph Cahn, Oberrabbiner. Ich wünsche, daß den Anträgen der Kommission noch hinzugefügt werde, der Sabbat und die Feiertage sollen erst mit dem Begirllle der Nacht anfangen. Wechsler. Als Kommissionsmitglied tu Bezug auf die Sabbatfrage fühle ich mich zu erklären gedrungen, daß ich utich mit den im Konnnissionsberichte medergclegten Ansichten über den biblischen Sabbatbegriff und dessen Konsequenzen aus dem Grunde nicht einverstanden erklären kann, weil eine solche Auffassung des Sabbatbegriffes mir nicht hinreichend begründet erscheint; manches prophetische Wort zwar für sich zu haben scheint, aber auch der Geist, wie der Buchstabe mancher hierher gehörigen Stellen im Pentateuch einen ganz, andern Grundgedanfm verrathen, und weil ferner, einen zweitausendjährigen traditionellen Begriff aufzngebetl, es einer unbezweifelbaren Gewißheit von seiner Nichtigkeit bedarf. S. Adler. (Fortsetzung.folgt.) Was letzte Wied. Ln Musik gesetzt von M. Pereles, Ober-Kantor. Des letzten Liedes Hauch ertönt an Babels Strand, Judäa ist ein Traum, der Tempel schwand; Der heiligen Harfe Saiten sind gesprungen, Abgötter sind auf Gottes Berg gedrungen. Und wo ist für die wunden Füße Nuh'? Und wann strömt Zions Lied uns Freude zu? Wann wird der Ton, bei dem sonst vor Entzücken Das Herz uns schlug, uns noch einmal erquicken? Ihr irren Stämme! flüchtig und verbannt, Wo gab es Ruhe, fern von Gottesland? Der Fuchs hat sie im Bau, im Nest der Rabe, Der Mensch im Haus — Israel nur im Grabe. Wir geben den Lesern dieses Gedichtes zugleich folgendes Referat als Kritik. Prag, 13. August. Ich bin so frei, Ihnen beiliegend ein Gedicht zu übersenden, welches hier Tische beab im neuen Bethause abgesungcn wurde. Es wird es mir Jeder Dank wissen, wenn ich mich einer Detailirung dieser unglücklichen Nachahmung Lord Byrons enthalte. Ich würde nur in jenen zeitschriftlichen Ton verfallen, der das Unglück zu langweilen hat, aber ich frage, ist das ein Gottesdienst, wo ein Gedicht von einer Stimme abgesungen und von der Orgel — accompagnirt wird? Haben wir denn nicht Ueberfluß an leeren Spektakelmachereien, müssen wir noch Koncerte in gottgeweihten Hallen hören? Beinahe 1V Jahre steht bereits unser Gotteshaus, man sage wie viel Melodien sind so zu sagen bei uns stereotyp geworden? Wie viel haben sich dem religiösen Gemüthe eingeprägt, wie einst uns in unserer Jugend die